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ALLEINERZIEHENDE: Stadt Luzern: Ein Viertel aller Alleinerziehenden bezieht Sozialhilfe

Eine Studie zeigt: Familien mit nur einem Elternteil sind besonders häufig auf Sozialhilfe angewiesen. Das ist explizit auch in der Stadt Luzern so – aus verschiedenen Gründen.
Chiara Stäheli
Alleinerziehende erleben häufig finanzielle Engpässe. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone (Emmen, 7. April 2016))

Alleinerziehende erleben häufig finanzielle Engpässe. (Symbolbild: Christof Schürpf/Keystone (Emmen, 7. April 2016))

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Reichtum und Wohlstand: Oft wird die Schweiz mit diesen Begriffen in Verbindung gebracht. Dass dem nicht immer so ist, zeigt der kürzlich erschienene Kennzahlenbericht zur Sozialhilfe. Darin hat die Berner Fachhochschule in Zusammenarbeit mit der Städteinitiative Sozialpolitik 14 Schweizer Städte – darunter Luzern – verglichen. Einige der veröffentlichten Ergebnisse sind überraschend und regen zum Nachdenken an.

So auch der Fakt, dass jede vierte alleinerziehende Person in der Stadt Luzern von der Sozialhilfe unterstützt wird – mit steigender Tendenz. Die Gründe dafür seien vielfältig, sagt Stefan Liembd, Leiter Soziale Dienste der Stadt Luzern: «Haushaltsstress, mangelnde Ausbildung und nicht zuletzt auch ein fehlendes Netzwerk.» Hinzu kommt gemäss Liembd, dass eine Trennung oder Scheidung oftmals finanzielle Engpässe zur Folge hat: «Eine Trennung der Eltern führt bei den Betroffenen zu Mehrausgaben mit der Konsequenz, dass der Unterhaltsberechtigte Sozialhilfe beziehen muss – in der Regel ist das die Mutter mit den Kindern.»

Doch auch ohne Trennung: Kinder zu haben, erhöht laut Liembd ganz generell das Armutsrisiko. Dies bestätigen auch die Zahlen aus dem Bericht. Das Sozialhilferisiko ist für Familien – also für Haushalte mit mindestens einer minderjährigen Person – beinahe doppelt so hoch wie für kinderlose Haushalte.

Besonders junge Mütter und Väter betroffen

Wie erwähnt, bezieht in der Stadt Luzern rund ein Viertel aller Haushalte mit einem Elternteil Sozialhilfe. In der Altersgruppe der 18- bis 30-jährigen, alleinerziehenden Luzerner ist laut dem Bericht sogar die Hälfte von Sozialhilfe abhängig. Landesweit zeigt sich ein noch gravierenderes Bild: Fast jede dritte alleinerziehende Person ist in der Schweiz von Sozialhilfe abhängig, bei den unter 25-Jährigen sind es sogar über 80 Prozent.

Die Abhängigkeit von Sozialhilfe tritt in und um Luzern stärker zu Tage als in ländlichen Gebieten (siehe Box). Für die Verbesserung der Situation ist laut Edith Lang trotzdem der ganze Kanton mitverantwortlich. Die Dienststellenleiterin Soziales und Gesellschaft des Kantons Luzern sieht die Reduktion der Risiken, die zu Sozialhilfebezug führen, als Daueraufgabe: «Die Massnahmen zur Armutsprävention haben einen direkten Einfluss auf die Anzahl der Sozialhilfefälle. Dazu gehören zahlreiche Bildungsmassnahmen im schulischen und vorschulischen Bereich, aber auch Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf – insbesondere für ­Alleinerziehende.» Beispiele dafür sind Betreuungsmöglichkeiten sowie Sprachförderungsprogramme.

Auch die Caritas Luzern engagiert sich für Sozialhilfebezüger und Menschen, die noch knapp über dem Existenzminimum leben. Dabei bilden Alleinerziehende jedoch nur einen Teil der gesamten Beratungsgruppe: «Rund 15 Prozent der Personen, die zu uns in die Sozial- und Schuldenberatung kommen, sind alleinerziehend. Viele Alleinerziehende sind für Beratungen bereits beim Sozialamt der zuständigen Gemeinde», weiss Urs Odermatt von der Caritas Luzern. Diese bietet den Klienten nebst der Beratung auch finanzielle Entlastungsmöglichkeiten an. Dazu gehören die Kultur-Legi für vergünstigte Freizeitangebote sowie der Caritas-Markt, in welchem zu günstigen Preisen Lebensmittel eingekauft werden können.

Eine Schwierigkeit sieht Urs Odermatt besonders in der Erwerbssituation der Alleinerziehenden: «Sie müssen einerseits arbeiten, um den Lebensunterhalt für sich und die Kinder zu verdienen. Andererseits brauchen sie Zeit, um ihre Kinder zu betreuen, und sind daher weniger flexibel.» Die Suche nach einer Stelle, die diese Aspekte berücksichtigen kann, gestalte sich schwierig. «Es werden nur beschränkt Stellen angeboten, und oft sind es solche mit prekären Arbeitsverhältnissen und einer geringen Entlöhnung», weiss Odermatt.

Ferien oder Musikunterricht liegen meist nicht drin

Ein Erfahrungsbericht auf der Website der Caritas zeigt, wie das Leben einer alleinerziehenden Mutter und ihren Kindern aussehen kann: «Gebrauchte Möbel und Kleidung erhalten wir von Verwandten, Fleisch kommt selten auf den Teller. Auswärts essen, Ferien machen oder meine Tochter in die Kinderriege einschreiben, kommt nicht in Frage.» Diese Situation kann auch Stefan Liembd bestätigen: «Ein Sozialhilfebezug während längerer Zeit führt zu Einschränkungen und Engpässen. So sind etwa Musikunterricht, grosse Weihnachtsgeschenke und Ferien oft kaum bezahlbar.»

Deshalb verfügt auch die Stadt über diverse Angebote, welche Menschen mit wenig finanziellen Mitteln in Anspruch nehmen können. «Es existieren diverse Angebote wie Kitas, Horte, Tagesfamilien und Beratungsstellen für betroffene Personen. Auch die Erhöhung der Betreuungsgutscheine auf Anfang 2018 unterstützt insbesondere Familien mit tieferen Einkommen», erläutert Liembd. Nebst den städtischen Angeboten gibt es auch private Institutionen, die sich für eine bessere Lebenssituation der alleinerziehenden Sozialhilfebezüger einsetzen – etwa die Albert-Koechlin-Stiftung.

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