ALLMEND ROCKT: Rammstein: Messerscharfe Riffs und viele Knaller

Viel Rock, viel Schlamm und viel Feuerwerk. Rammstein brachten zahlreiche Knalleffekte ans «Allmend rockt».

Michael Graber
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Rammstein-Sänger Till Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Rammstein-Sänger Till Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Michael Graber

Mit dem Regen ist es so eine Sache: Er macht nicht nur nass, wenn er denn da ist, sondern er macht auch Angst, wenn er gerade ausbleibt. So auch gestern am «Allmend rockt». Kaum war es trocken, dominierte die Angst, dass es bald wieder «schüttet wie aus Kübeln». Immerhin: Nach 18 Uhr kübelte es nicht mehr. Den Boden konnte das zwar auch nicht mehr retten. Über das Gelände zu laufen, glich einem Eiertanz. Holzschnitzel, Bodenplatten und Plachen konnten da bestenfalls optisch etwas Abhilfe verschaffen.

Die Rammstein Show am Samstag am Allmend Rockt. (Bild: Philipp Schmidli)
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Die Show von Rammstein-Sänger  Till Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann)
Rammstein am Samstag. (Bild: Philipp Schmidli)
Die feurige Show von Rammstein am Samstag auf der Allmend. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Rockfans freuen sich über die «Gitarrenwände», die hier über sie hinwegbrechen. (Bild: Corinne Glanzmann)
Der Headliner Rammstein mit Frontmann Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann)
Allmend Rockt am Samstagabend. Till Lindemann in Bestform. (Bild: Corinne Glanzmann)
Rammstein-Frontmann 
Till Lindemann auf der Luzerner Bühne. (Bild: Corinne Glanzmann)
Knaller und Funken gehören wesentlich zur Rammstein-Show. (Bild: Corinne Glanzmann)
Rammstein (Bild: Philipp Schmidli)
Rund ums Gelände finden sich auch zahlreiche Musikfans. (Bild: Corinne Glanzmann)
Der Samstag ist bedeutend trockener. (Bild: Corinne Glanzmann)
Harte Klassiker des harten Rocks: Slayer. (Bild: Corinne Glanzmann)
Harte Klassiker des harten Rocks: Slayer. (Bild: Corinne Glanzmann)
Da wird gebrüllt, was das Zeug hällt. (Bild: Corinne Glanzmann)
Das geht schon auch: Apocalyptica bringt ein klassisches Cello auf die Metal-Bühne. (Bild: Corinne Glanzmann)
Yeah Yeah Yeah! Der Samstag ist bedeutend trockener als noch der Freitag. Aber ebenso laut. (Bild: Corinne Glanzmann)
Am Freitag noch wirken die Fans in den Pellerinen vielleicht etwas weniger 'hard rocky', aber sie gehen dennoch ganz mit. (Bild: Roger Grütter)
Bruce Dickinson bei der Arbeit in typischer Sänger-Pose. (Bild: Roger Grütter)
Sänger Bruce Dickinson auf der imposanten Bühne in Luzern. (Bild: Roger Grütter)
Zuschauer applaudieren  für Iron Maidens grosse Show. (Bild: Roger Grütter)
Ein Spektakel: Der Auftritt von Iron Maiden - und hier im Zentrum aller Aufmerksamkeit: eine wunderbare schwarze Gibson Les Paul Custom. (Bild: Roger Grütter)
Iron Maiden - angejahrt ja, aber sehr erfahren! (Bild: Roger Grütter)
Iron Maiden rockt mit sehr viel Freude. Und das Luzerner Publikum dankts mit Jubel. (Bild: Roger Grütter)
Steve Harris und Janick Gers. (Bild: Roger Grütter)
Steve Harris bei der Arbeit. (Bild: Roger Grütter)
Iron Maiden aus Überzeugung: Auch als Musiker lässt sich das Shirt der Band tragen. (Bild: Roger Grütter)
Bruce Dickinson bei der grossartigen Show auf der Luzerner Allmend. (Bild: Roger Grütter)
Sabaton, die Vorgruppe von Iron Maiden, heizen schon mal richtig ein. (Bild: Roger Grütter)
Zuschauer während des Konzertes der Vorgruppe Sabaton. (Bild: Roger Grütter)
Die Zuschauer müssen sich während des Konzertes von Sabaton in Regenkleider hüllen. (Bild: Roger Grütter)
Trotz Regen kommt Festivalstimmung auf. (Bild: Roger Grütter)
Die Allmend einmal anders: Zuschauer während des Konzertes von Sabaton. (Bild: Roger Grütter)
Head bangen mit Regenmütze. (Bild: Roger Grütter)
Ein Gitarre der anderen Art. (Bild: Roger Grütter)
Zuschauer im Schlamm. (Bild: Roger Grütter)
Zuschauer im Schlamm. (Bild: Roger Grütter)
20'000 Zuschauer haben dem Konzert am Freitagabend beigewohnt, weitere 50'000 sind am Samstag aus der ganzen Schweiz auf die Allmend gepilgert. Somit kamen insgesamt rund 70'000 Zuschauer auf die Luzerner Allmend. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Iron Maiden: Ein einmaliges Bild auf einem Jumbo Jet. (Bild: Leserbild Lanski Werner)
Damit ist «Allmend rockt» der publikumsreichste Anlass auf der Allmend seit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2004, als an zwei Tagen insgesamt rund 140'000 Personen vor Ort waren. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Aufbauarbeiten haben rund eine Woche gedauert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Während maximal zwei Stunden fanden am Donnerstag Soundchecks statt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
In den Nächten auf Freitag und Samstag haben wegen des dichten Zeitplans Um- und Abbauarbeiten stattgefunden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Produktion von Iron Maiden wurde aus Berlin herangefahren, diejenige von Rammstein aus dem italienischen Monza, wo die Band am 1. Juni ihre Tour startete. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
An beiden Abenden mussten die Konzerte um 23 Uhr fertig sein, die Musik in den Bars musste um 24 Uhr abgeschaltet werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Die Firma Toitoi stellte auf dem Zirkusplatz rund 300 mobile Toiletten auf, die mit 15 Lastwagen aus Emmen und Buchs ZH herangefahren wurden. Sechs Arbeiter waren von Freitag bis Sonntagmorgen rund um die Uhr im Einsatz und haben sich laufend um die Reinigung gekümmert. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Marketingleiter Roland Mettler sagte im Vorfeld des Festivals: «Wir rechnen mit rund 80 Kubikmetern Abwasser.» Das entspricht 80 000 Litern. Die Firma Toitoi habe in diesem Jahr neun Aufträge in dieser Grössenordnung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Eindrücke der Aufbauarbeiten für das Open Air "Allmend Rockt" auf der Allmend in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Eindrücke der Aufbauarbeiten für das Open Air "Allmend Rockt" auf der Allmend in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Eindrücke der Aufbauarbeiten für das Open Air "Allmend Rockt" auf der Allmend in Luzern. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Iron Maiden rockt. (Bild: Roger Grütter)
Die Bühne ist eine der drei grössten Europas und wiegt rund 320 Tonnen. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Die Rammstein Show am Samstag am Allmend Rockt. (Bild: Philipp Schmidli)

Deutlich Besorgnis erregender war die Warteschlange vor dem Eingang. Je näher das Konzert von Rammstein rückte, desto länger wurde sie. Der Einlass war dem Ansturm ganz offensichtlich nicht gewachsen – was einigermassen absurd ist, da man die Anzahl Besucher im Vorfeld (50 000, das Konzert war ausverkauft) exakt wusste. Ein grosses Kränzchen geht an dieser Stelle an die anstehenden Besucher. Sie blieben erstaunlich ruhig und gelassen. Reichlich Bier und etwas Sonnenschein dürften das Ihrige zu dieser positiven Grundstimmung beigetragen haben.

Schweizerische Pünktlichkeit

Weitaus hektischer trommelten, schrien und hämmerten drinnen derweil Bands wie Anthrax (erstaunlich grossartig) und Apocalyptica (erstaunlich langweilig). Trotz ihrem herzlichen Engagement konnten ihre Auftritte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es am gestrigen Abend eigentlich nur um eine Band ging. Was am Freitag Iron Maiden war, war am Samstag Rammstein. Die Rocker mit den stampfenden Effekten und den knalligen Melodien (oder wars umgekehrt?) betraten mehr oder weniger pünktlich (alles an diesem Festival war sonst zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk) um 21.10 Uhr die Bühne.

Die Band um Sänger Till Lindemann setzte auf wenige musikalische Überraschungen und viel Show. Das klingt negativer, als es gemeint ist. Rammstein sind ein Ereignis, aber vor allem als Gesamtpaket. Neue Songs sind ebenso Fehlanzeige wie grosse Variation. Rammstein lebt vom Mythos Rammstein. Das Spiel mit all dem rollenden R, den ganzen teutonischen Elementen und den messerscharfen Riffs funktioniert auch über zwanzig Jahre nach der Gründung noch hervorragend.

Das wirkt auch in seinen harmlosesten Momenten noch wunderbar brachial. Immer wieder knallt es, und Rakten schiessen in die Höhe. Auch die Bühne selbst steht mal in showtechnischen Flammen. Eben: Bumm-Bumm-Total. Dem Volk gefällts.

Imposante Musik

Bewundernswert ist der Druck, den Rammstein aufbauen können. Schon nach wenigen Sekunden entsteht ein Sog über das ganze Gelände – und das ist dicht an dicht gefüllt. So dicht, dass es beinahe etwas unangenehm ist. Raum, um zu entkommen und zu pausieren gibt es aber genügend – anders als bei Iron Maiden am Vorabend wird wohl auch kein Konzertbesucher über zu geringe Lautstärke motzen.

Bei all dem Peng und Bumm: Auch auf die Musik reduziert ist Rammstein imposant. Das ist weit mehr als Show. So vorhersehbar die Raketen zwar manchmal explodieren, so selten verfehlen sie ihre Wirkung. Der stampfende Grundbeat passt herrlich in die Kulisse mit Pilatus und Lopper. Die blinkende Lichtshow wirkt bis in die letzte Reihe.

Zerstampfte Wiese

Mit Rammstein ging auch das «Allmend rockt» 2016 zu Ende. Das war alles mindestens eine Schuhnummer grösser als noch bei der Ausgabe 2014, als Gölä noch in der Swissporarena spielte. Ob es zu einer Wiederholung in der Grössenordnung dieses Jahres kommt, entscheidet wohl vor allem das Angebot an Bands. Rammstein war ein sehr würdiger Headliner.

Die Wiese war jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit zerstampft am Ende. Schlamm nennen böse Zungen so was. Aber das sind alles Leute, die noch nie an einem Open Air waren.

Die Show von Rammstein wollte sich Dölf Wigger nicht entgehen lassen – dem Schlamm zum Trotz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Show von Rammstein wollte sich Dölf Wigger nicht entgehen lassen – dem Schlamm zum Trotz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Allem Schlamm zum Trotz strömten Tausende auf die Allmend. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Allem Schlamm zum Trotz strömten Tausende auf die Allmend. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)