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ALLMEND: Schweizer Meister wird, wer die Nase voll hat

Geschnupft wird im Fliegerschuppen nicht aus Spass, sondern im Wettkampf. Es gilt, fünf Gramm Tabak in die Nase zu stopfen und dabei sauber zu bleiben.
Der amtierende Schweizer Schnupf-Meister Markus Albisser (54) aus Willisau beim «Training». (Bild Pius Amrein)

Der amtierende Schweizer Schnupf-Meister Markus Albisser (54) aus Willisau beim «Training». (Bild Pius Amrein)

Roger Rüegger

Wer kennt es nicht? Daumen und kleiner Finger abspreizen, zwei Häufchen Tabak auf den linken Handrücken, ein derber Spruch – und hoch damit. So wird landauf landab geschnupft.

Die wahren Meister aber gehen die Sache ganz anders an. Seriös, mit entsprechender Vorbereitung und ohne Sprüche. Wers nicht glaubt, kann sich am Samstag im Fliegerschuppen auf der Luzerner Allmend persönlich ein Bild davon machen. Dort schnupfen die Besten der Besten um nicht weniger als den Schweizer-Meister-Titel.

Champion will Titel verteidigen

Am Start ist auch der amtierende Schweizer Meister Markus Albisser vom Napf-Schnupf-Club Willisau. Der 54-jährige Maschinist hat den Titel fünf Mal in Folge geholt und will ihn natürlich verteidigen. Damit dies gelingt, überlässt er nichts dem Zufall und schnupft derzeit fleissig. «Vor Meisterschaften trainiere ich praktisch jeden Tag. Ohne dieses regelmässige Schnupfen ist gar nichts zu holen», erklärt der Mann, der seit 1984 bei Wettkämpfen antritt und in den letzten drei Monaten zu Trainingszwecken rund drei Kilogramm Tabak in die Nase drückte.

Bevor sich nun jemand inspiriert fühlt, wollen wir darauf hinweisen, dass bei Meisterschaften nicht derselbe Tabak verwendet wird wie im Alltag, sondern ausschliesslich der sogenannte Schmalzler, eine Tabakmischung, der Öle hinzugefügt werden.

Sauberkeit und Menge zählen

Der Tabak wird bei Meisterschaften auch nicht hochgezogen. «Das Wettkampfschnupfen ist etwas ganz anderes», erklärt Peti Federer, OK-Präsident der 16. Schweizer Schnupfmeisterschaft. Laut Reglement müssen die Teilnehmer in einer Minute möglichst viel Tabak mit einem oder zwei Fingern in die Nase stopfen. Jeder erhält fünf Gramm, die es gilt, sauber zu versorgen. Der Tabak, der nicht in der Nase verschwindet, sondern auf dem Latz, den jeder Wettkämpfer um den Hals trägt, wird gewogen. Entscheidend ist nicht allein die Menge, die geschnupft wird. Bei der Wertung wird auch die Sauberkeit mit einbezogen und mit Punkten bewertet.

Dabei wird präzise gemessen. Bei einer Maximalmenge von fünf Gramm Tabak sind naturgemäss wenige Milligramm entscheidend. Markus Albisser hat bei der letzten Schweizer Meisterschaft 2013 in Altdorf mit 4,966 Gramm vor seinem Klubkamerad Uli Walpen mit 4,895 Gramm gesiegt. Die 71 Milligram Differenz sind bei Meisterschaften laut Albisser Welten. An der letzten Weltmeisterschaft wäre er damit nicht unter den Top 40 gelandet. Bei den Frauen dominiert seit Jahren die zweifache Weltmeisterin Pia Walpen. Auch sie ist Mitglied des Napf-Schnupf-Clubs Willisau. Ihre Ausbeute in Altdorf: 4,912 Gramm.

Aber der Spass steht bei vielen Teilnehmern der Schweizer Meisterschaft im Vordergrund. Für die Organisatoren, die Guuggenmusig Chottlebotzer aus Luzern, die jeweils das vorfasnächtliche Schnopf- ond Hudigääggeler-Fäscht im Stadtkeller durchführen, sowieso. Peti Federer legt darauf grossen Wert. «Wir sind dem Schnupf-Verband Schweiz 2011 beigetreten. Neben der Geselligkeit war für uns von Beginn weg wichtig, auch aktiv mitzuwirken, weshalb wir uns schon vor einiger Zeit bereiterklärt haben, eine Schweizer Meisterschaft durchzuführen – und natürlich auch selber daran teilzunehmen.»

Auch heuer unter «ferner liefen»

Als die Chottlebotzer zum ersten Mal an einer Schweizer Meisterschaft teilgenommen haben, seien sie von einem Urner herzlich begrüsst worden mit den Worten: «Freut mich, dass ihr mitmacht, nun sind wir Urner nicht mehr am Schluss der Rangliste anzutreffen.» Federer lacht und macht keinen Hehl daraus, dass die Chottlebotzer wohl auch dieses Jahr unter «ferner liefen» im Klassement agieren werden.

Am Samstagabend werden im Fliegerschuppen 60 bis 80 Personen antreten. Ab 18 Uhr werden vorwiegend Innerschweizer und Walliser sowie einige Schnupfer aus Deutschland ihre Nase zuvorderst haben. Sehr viele Schnupf-Klubs existieren nicht in der Schweiz. Dem Verband sind nur deren neun angeschlossen.

An der Schweizer Meisterschaft findet auch ein Plauschschnupfen statt. Die Technik muss man dabei nicht beherrschen. Im Festprogramm ist von der grössten Schnupfbar der Schweiz die Rede. Lauf Federer sind genügend Schnupfmaschinen vor Ort. Diese funktionieren alle mehr oder weniger nach demselben Prinzip: hinsetzen und geniessen. Wobei geniessen relativ ist. Allein der Gedanke, sich Schnupftabak maschinell in die Nase katapultieren zu lassen, lässt wohl einigen die Augen tränen.

Hinweis

16. Schweizer Schnupfmeisterschaft am Samstag, 19. September, im Fliegerschuppen auf der Luzerner Allmend. Türöffnung: 18 Uhr. Eintritt frei. www.schnopf.ch

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