Seit 32 Jahren bauen diese Luzerner im Keller Alphörner

Erika und Werner Neuenschwander bauen in ihrem Hobbyraum Alphörner. Mit diesen sind sie schon bis nach Toronto gereist.

Mirjam Weiss
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Werner und Erika Neuenschwander beim «Schnäfle» und «Fuuschte» in ihrem Bastelraum. (Bild Pius Amrein)

Werner und Erika Neuenschwander beim «Schnäfle» und «Fuuschte» in ihrem Bastelraum. (Bild Pius Amrein)

Ein kleiner Hobbyraum im Keller eines Wohnblocks in Luzern. Holzstaub hängt in der Luft. Auf der Werkbank am Fenster liegen verschiedene Werkzeuge und Holzklötze. Seit 32 Jahren bauen Erika (83) und Werner (84) Neuenschwander hier in Handarbeit kunstvolle Alphörner jeder Grösse, vom kleinen Souvenir-«Hörnli» von 40 Zentimetern Länge bis zum 130 Zentimeter grossen Instrument.

«Meine Frau ist eine Künstlerin»

Geduldig erklärt Werner Neuenschwander, wie er die «Hörnli» aus einem Klotz Fichtenholz herausschleift. Bei den kleineren Alphörnern werden die Rohre mit der Maschine gebohrt, bei den grösseren zwei Hälften ausgehöhlt und später zusammengesetzt. Für das Aushöhlen und das Umwickeln der Hörner mit Peddigrohr (zum Schutz) und das spätere Lackieren sei vor allem seine Frau zuständig, sagt Werner Neuenschwander. «Sie hat Freude am Hämmern und am Handwerkeln und ist eine grosse Künstlerin.»

Als ihr Mann beim Arbeiten auswärts war und sie Zeit gehabt habe, sei sie jeweils in den Hobbyraum «go fuuschte», erzählt Erika Neuenschwander schmunzelnd. Dort sind unter anderem auch ihre geschnitzten «Löffeli» und «Chlefeli» entstanden.

Seit 60 Jahren verheiratet

Die Liebe zum Handwerken teilt das Ehepaar, das vor wenigen Monaten seinen 60. Hochzeitstag feierte. Er sei schon als kleiner Bub ein «Schnäfler» gewesen, wie man auf Berndeutsch einen Bastler nenne, erzählt der gebürtige Berner schmunzelnd. Einmal selber ein Alphorn zu bauen, sei sein Bubentraum gewesen. 1982 hat er seinen Traum wahr gemacht. Er habe sich das Alphornbauen selber beigebracht, erzählt er voller Stolz. Jeweils in seiner Freizeit widmete sich der ehemalige Vulkaniseurmeister, der beruflich Gummipneus erneuerte, den Alphörnern.

«Ich mache die Alphörner nicht zum Geldverdienen», sagt Werner Neuenschwander. Er sucht kurz nach den richtigen Worten und ergänzt dann: «Sie sind einfach mein Stolz.» Viele der Alphörner habe er verschenkt, beispielsweise als Gabe an Schwingfesten. «Denn ich bin ein grosser Schwingfan.»

Der unumstrittene Höhepunkt ihrer Tätigkeit als Alphornbauer war für Erika und Werner Neuenschwander eine Einladung nach Toronto 1991. «An einer Ausstellung, zu der die Schweiz als Gastland eingeladen war, durften wir drei Wochen lang zeigen, wie wir Alphörner bauen», erinnert sich Werner Neuenschwander. Seine Frau ergänzt: «Das war eine Erinnerung, die man nie vergisst.»

Auf ihren Alphörnern haben Erika und Werner Neuenschwander auch selber gespielt. Ein Kollege habe die Musikinstrumente jeweils gestimmt, erzählt Werner Neuenschwander. Heutzutage seien die Anforderungen an die Alphörner allerdings so hoch, dass diese vom Klang her absolut perfekt sein müssten, meint er mit leisem Bedauern.

Enkel hat selber Alphorn gebaut

In ihrer Hütte unterhalb der Krienser­egg, wo sich die beiden gerne aufhalten, habe er kleine Musikstücke für die Alphörner komponiert, fährt er fort. «Abends haben wir diese dann auf unseren Alphörnern gespielt.» Schmunzelnd ergänzt er: «Heute fehlt uns aber der Pfuus.» Von ihren drei Kindern spiele keines Alphorn, erzählt Werner Neuenschwander. «Aber einer unserer Enkel hat in seiner Maturaarbeit selber zwei Alphörner gebaut; eines von Hand und eines maschinell, und die hat er dann verglichen.»