Als Dank an die Bevölkerung: Neu steht in Reiden ein «Chrütergarte för alli»

Seit Montag gibt es in Reiden einen öffentlich zugänglichen Kräutergarten. Mit der Aktion wollen die Initianten ein positives Zeichen im Kampf gegen das Coronavirus setzen.

Livia Fischer
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Haben den Kräutergarten erstellt: Marietta Vogel vom Hess Muldenservice, Brigit Spiegelberg von der Papeterie Spiegelberg, Simon Arnold von der Sonne-Metzg, Ueli Müller vom Blumenhaus Müller und Manuela Müller von der Drogerie Solaris (v.l.n.r.).

Haben den Kräutergarten erstellt: Marietta Vogel vom Hess Muldenservice, Brigit Spiegelberg von der Papeterie Spiegelberg, Simon Arnold von der Sonne-Metzg, Ueli Müller vom Blumenhaus Müller und Manuela Müller von der Drogerie Solaris (v.l.n.r.).

Bild: Livia Fischer (Reiden, 27. April 2020)

Es ist gerade einmal sieben Uhr, als sich Marietta Vogel vom Hess Muldenservice, Brigit Spiegelberg von der gleichnamigen Papeterie, Manuela Müller von der Drogerie Solaris, Simon Arnold von der Sonne-Metzg und Ueli Müller vom Blumenhaus Müller am Montagmorgen in Reiden Mitte treffen. Die fünf haben Grosses vor: Sie wollen einen Kräutergarten anlegen.

Drei Stunden später stehen sie vor vollendetem Werk. Sechs grosse Säcke, bepflanzt mit den verschiedensten Kräutern von Thymian über Lorbeeren bis hin zu Lavendel, schmücken den Kiesplatz im Dorfkern. Ganz so einfach war das Unterfangen aber nicht. Der Knackpunkt: Die Erde wurde mit einem Traktor transportiert. «Sagen wir es mal so, das hat nicht von Anfang an geklappt», sagt Marietta Vogel und lacht. «Ich habe den Rückwärtsgang nicht gefunden und dann ist mir auch noch der Motor abgewürgt», erklärt sich daraufhin Ueli Müller, der zum ersten Mal mit einem Traktor gefahren ist. Immerhin: So hatte die Gruppe schon in der Früh etwas zu lachen.

Rund um die Uhr zugänglich

Der Kräutergarten zieht die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich. Eine Frau bleibt stehen, begutachtet die Pflanzen und ruft den Machern begeistert zu: «Super Sache!». Kurz darauf läuft eine zweite Frau durchs Dorf, bleibt beim Kräutergarten stehen. «Jetzt ist endlich wieder etwas los, die frischen Kräuter sind toll», lobt auch sie die Idee.

Über 100 Kräuter haben die Reidener Unternehmer am Montagmorgen gesetzt.

Über 100 Kräuter haben die Reidener Unternehmer am Montagmorgen gesetzt.

Bild: Livia Fischer (Reiden, 27. April)

Die Überraschung scheint gelungen zu sein. Ab sofort dürfen sich alle, die daran vorbeilaufen, umsonst mit einigen Kräutern eindecken. Viel falsch machen könne man laut Müller dabei nicht – einfach nicht zu tief unten abschneiden. Der Gärtner ist sich sicher: «Jene, die mit Kräutern kochen, wissen, wie man die schneidet. Das kommt schon gut, da habe ich keine Bedenken». Einzig ein Messer müssen die Benutzer selbst mitbringen – wegen der Hygienevorschriften. Dass sich beim Kräutergarten nun viele Leute auf kleiner Fläche versammeln und sich zu nahe kommen, befürchten die Unternehmer nicht. Sie appellieren an die Eigenverantwortung und Müller fügt hinzu:

«Wir hoffen natürlich, dass das Angebot rege genutzt wird, aber wir erwarten keinen grossen Ansturm. Ausserdem ist der Kräutergarten ja 24 Stunden am Tag zugänglich.»

Kräuter als Symbol für die Lockerungen

Es ist nicht das erste Projekt, das die fünf Reidener auf die Beine gestellt haben. Schon zu Beginn der Coronakrise taten sie sich zusammen und verteilten Flyer mit allen wichtigen Informationen betreffend ihrer Geschäfte. Dann lancierten sie einen Malwettbewerb; seit Ostern hängen die Zeichnungen an den Schaufenstern der Geschäfte. Der Kräutergarten sei jetzt der «dritte Streich». Die Idee entstand vor zwei Wochen. «Wir haben einen guten Draht zueinander und wissen, wie die jeweils anderen ticken. Da ging das zackig», sagt die Drogistin Manuela Müller.

Der Kräutergarten dient als Dank an die örtliche Bevölkerung, in der in den letzten Wochen überall ein «besonderer Zusammenhalt und eine grosse Solidarität» spürbar gewesen seien. Das Ziel: den Leuten eine Freude bereiten. Dass das Projekt genau jetzt, zum Zeitpunkt der ersten Lockerungen nach dem Lockdown, ins Leben gerufen wurde, ist kein Zufall. «Das Wachstum der Kräuter soll den schrittweisen Weg zurück ins Alltagsleben symbolisieren», sagt Simon Arnold.

Pflege des Gärtchens ist noch umstritten

Unterstützt wird das Projekt finanziell auch durch die Firma Grossenbacher Grüngutveredlung und die Schreinerei Häfliger-Mösch. Den Rest tragen die Initianten selbst. Wie viel der Kräutergarten kostet, verraten sie nicht – es handle sich aber um keine grosse Summe. Müller bestätigt:

«Die Manpower und der ganze Aufwand sind teurer als die Finanzkosten.»

Nur über eine Sache sind sie sich noch nicht ganz einig: die Pflege des Gartens. Damit die Kräuter wie geplant bis in den Herbst hinein blühen, müssen sie zweimal wöchentlich gegossen und ab und an zurückgeschnitten werden. Hauptsächlich soll sich Müller als Experte darum kümmern. Sein Plan ist es allerdings, die Aufgabe Brigit Spiegelberg zu übertragen. Schnell wehrt sich die Papeteristin: «Ich habe keinen grünen Daumen! Bei mir bekommen die Kräuter entweder zu viel oder zu wenig Wasser.» Scheint, als müsse sich doch Müller um den kleinen Garten kümmern.

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