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Erste Landi-Präsidentin: «Als Frau wird man kritischer angeschaut»

Marlis Krummenacher aus Root ist die erste Landi-Präsidentin in der Zentralschweiz. Sie erklärt, weshalb das System für den Frauenanteil lange hinderlich war – und nimmt zu immer wiederkehrender Kritik an der Landi Stellung.
Gabriela Jordan
Marlis Krummenacher auf ihrem Hof Hinterwies in Root. (Bild: Boris Bürgisser (21. Juni 2018))

Marlis Krummenacher auf ihrem Hof Hinterwies in Root. (Bild: Boris Bürgisser (21. Juni 2018))

Die Bäuerin und CVP-Kantonsrätin (Root) Marlis Krummenacher (48) hat vor kurzem ein kleines Stück Geschichte geschrieben – zumindest, was die Geschichte der Landwirtschaftlichen Genossenschaft (Landi) angeht. Ende April wurde sie zur ersten Präsidentin einer Landi mit einer aktiven Geschäftstätigkeit in der Zentralschweiz gewählt. Die Rede ist von der Landi Buchrain, eine von schweizweit 162 aktiven Genossenschaften. Sie zählt 130 Mitglieder und beschäftigt knapp 30 Mitarbeiter. Krummenacher ist dort bereits seit 17 Jahren im Vorstand, die letzten acht Jahre als Vizepräsidentin. Jetzt ersetzt sie Franz Birrer, der nach 23-jähriger Tätigkeit zurücktritt.

Marlis Krummenacher, weshalb musste es 2018 werden, dass es in der Zentralschweiz eine Frau an die Spitze einer Landi schafft?

Häufig haben Bäuerinnen einfach zu wenig Zeit. Mit dem Hof und den Kindern gibt es weiss Gott genug zu tun. Vielen Frauen fehlt manchmal aber auch der Mut zu diesem Schritt. Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine Männerdomäne. Aber ich denke, dass mittlerweile anerkannt ist, dass Frauen in Führungspositionen eine Bereicherung sind. Neben mir gibt es bereits zehn weitere Frauen, die Mitglied einer Landi-Verwaltung sind.

Werden Frauen bei der Landi in Führungspositionen denn weniger akzeptiert?

Nicht unbedingt, aber man wird als Frau schon kritischer angeschaut. Ich denke, dass Frauen immer gefordert sind, wenn sie sich in von Männern dominierten Strukturen bewegen. Dass Frauen lange Zeit nicht in Führungspositionen bei einer Landi gewählt werden konnten, liegt auch am System: Früher durfte nur Mitglied einer Landi werden, der einen Bauernhof besitzt. Dies war in der Regel nun mal der Mann.

«Wenn man wie ich seit Längerem dabei ist, wird man schon ernst genommen.»

Acht Jahre lang waren sie ja bereits Vizepräsidentin. Ist Ihnen die Entscheidung, fürs Präsidium zu kandidieren, trotzdem schwergefallen?

Ich hatte schon Respekt davor und habe es mir gut überlegt. Als Präsidentin habe ich eine grosse Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden und gegenüber den 130 Mitgliedern – das Geschäft muss einfach laufen. Jetzt bin ich bereits seit ein paar Wochen im Amt und froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Wenn man wie ich seit Längerem dabei ist, wird man auch ernst genommen. Zudem werde ich von meinen vier sehr jungen Vorstandskollegen tatkräftig unterstützt.

Für das Geschäftliche ist ja primär der Geschäftsführer zuständig. Was sind denn ihre Aufgaben als Präsidentin?

Vor allem repräsentiere ich unsere Mitglieder gegenüber der Agrargenossenschaft Fenaco, welche in Besitz der Landi ist. Mit der Fenaco gibt es immer wieder strategische Fragen, die diskutiert werden müssen. Dann ist es meine Aufgabe, mit ihr zu verhandeln. Hinzu kommen personelle Aufgaben wie Mitarbeitergespräche.

Marlis Krummenacher vor der Landi Buchrain. (Bild: Boris Bürgisser (21. Juni 2018))

Marlis Krummenacher vor der Landi Buchrain. (Bild: Boris Bürgisser (21. Juni 2018))

In welchen Punkten eckt man mit der Fenaco denn an?

Die Fragen drehen sich häufig um die Sortimentsgestaltung des Ladens. Die Landi-Genossenschaften, welche die Läden betreiben, haben aber nicht alle die gleichen Vorstellungen. In Buchrain, einer Agglomerationsgemeinde, ist es wichtig, sich auch auf die breite Kundschaft auszurichten und nicht-agrarische Produkte anzubieten. In ländlicheren Gebieten haben wiederum Produkte für Bauern wie Futtermittel einen höheren Absatz.

«Unser Spielraum ist zum Glück recht gross. Trotzdem streiten auch wir mit manchmal über einzelne Produkte im Sortiment.»

Als einzige Landi führt die Landi Buchrain Wein, Spirituosen und Zigarren vom Fachgeschäft Smuggler in ihrem Sortiment. Ein gewisser Spielraum besteht also?

Ja, und unser Spielraum ist zum Glück recht gross, weil wir erfolgreich sind. Wir können also eigene Akzente setzen. Trotzdem streiten auch wir manchmal über einzelne Produkte – aktuell zum Beispiel über die Birnenweggen vom Napf und ob diese als regionales Produkt verkauft werden dürfen. Grundsätzlich läuft die Zusammenarbeit aber ganz gut.

Wie stark sind Sie als Präsidentin in solche Entscheide, des Tagesgeschäfts involviert?

Nicht sehr stark, das Tagesgeschäft ist Sache unseres Geschäftsführers. Ich bin zum Beispiel dann gefragt, wenn es darum geht, bei unseren Mitgliedern einen Kredit für ein Bauprojekt zu beantragen. Das war kürzlich bei der Tankstelle in Root der Fall, die wir jetzt ausbauen und modernisieren werden.

Stichwort Bauen: Landis stehen immer wieder wegen Landverschleiss in der Kritik. Auch die Landi Buchrain, die es an diesem Ort erst seit 2014 gibt, wurde mit einem riesigen Parkplatz und einer nur eingeschossigen Ladenfläche gebaut. Dabei wird Land immer knapper, das gilt auch für Kulturland. Müsste die Landi beim Bauen nicht mit gutem Beispiel voran gehen?

Es stimmt, dass der Parkplatz viel Platz braucht. Weil in der Landi jedoch häufig sperrige Waren gekauft werden, war eine Tiefgarage aus unserer Sicht keine Option. So ist das Einladen für die Kunden einfacher. Zudem könnte die Fläche einst für einen Erweiterungsbau dienen. Die Landi ist übrigens nicht eingeschossig, es hat auch eine Wohnung, Büroräume und einen Keller.

Spielen nicht vor allem finanzielle Gründe eine Rolle?

Natürlich auch. Eine Tiefgarage wäre im Fall der Landi Buchrain aber hauptsächlich wegen des hohen Grundwasserpegels schwierig zu realisieren gewesen. Der Nachhaltigkeit wollten wir aber auf verschiedenen Ebenen gerecht werden und haben deshalb unter anderem eine Wärmepumpe und Fotovoltaikanlage installiert.

Hinweis: Marlis Krummenacher wuchs auf einem Bauernbetrieb in Römerswil auf. Sie lernte Köchin und bildete sich später zur Bäuerin aus. Mit ihrem Mann Urs betreibt sie den Hof Hinterwies in Root. Sie haben vier teils erwachsene Kinder.

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