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Jahrestag einer Tragödie: Als «Schnitter Tod» Pfaffnau heimsuchte

Heute vor 50 Jahren kam es im Unterwallis zu einem fürchterlichen Eisenbahnunfall. 12 Menschen verloren beim Unglück ihr Leben, mehr als 100 Personen wurden teils schwer verletzt. Zehn der Verstorbenen kamen aus der Luzerner Gemeinde Pfaffnau.
Thomas Heer
Am 24. Juni 1968 kollidierte ein Sonderzug mit 270 Passagieren mit einem Güterzug – dabei starben zwölf Menschen. (Bild: Philippe Schmid, Médiathèque Vailais)

Am 24. Juni 1968 kollidierte ein Sonderzug mit 270 Passagieren mit einem Güterzug – dabei starben zwölf Menschen. (Bild: Philippe Schmid, Médiathèque Vailais)

«Jäh hat der Schnitter Tod reiche Ernte gehalten, ohne uns zu fragen weshalb. Tief erschüttert stehen wir an der Grabesgruft von lieben Menschen, die uns im besten Alter auf so tragische Weise entrissen wurden. Zahlreiche Kinder und Angehörige warteten vergebens auf die frohe Rückkehr ihrer Lieben.» Mit diesen Sätzen beschrieb der «Willisauer Bote» in seiner Ausgabe vom 27. Juni 1968 das erschütternde Ereignis.

Drei Tage zuvor verloren bei einem Zugunfall in der Nähe von Sion zehn Männer und Frauen aus Pfaffnau ihr Leben. Das jüngste Opfer wurde nur 25 Jahre alt. Die Toten waren alle Mitglieder des Landwirtschaftlichen Verbandes Reiden, der mit dem Ausflug in die Westschweiz sein 75-jähriges Bestehen feierte.

Heutiger Regierungsrat war Kreuzträger

Unter den Trauernden jener Zeit befand sich auch der damals 10-jährige Guido Graf, heute Regierungsrat des Kantons Luzern. Graf blickt 50 Jahre zurück: «Das war ein Schock für die ganze Gemeinde. Es herrschte tiefe Trauer.» Der Politiker erinnert sich an den Tag, als die Dorfbewohner in der Pfarrkirche, geweiht dem heiligen Vincentius von Saragossa, von ihren Liebsten, Verwandten und Bekannten Abschied nehmen mussten. «Es herrschten hohe Temperaturen. Auf dem Weg zum Friedhof marschierte vor jedem Sarg ein Kreuzträger. Ich war einer davon.» Ein Denkmal, ein Rad aus Granit, so Graf, erinnere noch heute an das Unfassbare von damals.

Das Unglück passierte am 24. Juni 1968, wenige Minuten vor 14 Uhr. Der Sonderzug 51070 mit den 270 Reisenden an Bord bewegte sich mit 80 bis 100 km/h auf der eingleisigen Strecke zwischen St. Léonard und Sion. Gleichzeitig aber brauste aus entgegengesetzter Richtung ein Güterzug heran. Der Lokomotivführer dieser Komposition hatte kurz zuvor ein Haltesignal überfahren. Die Katastrophe war nicht mehr abzuwenden. Die beiden Züge prallten mit hoher Geschwindigkeit aufeinander. Neben den Toten mussten Dutzende von Schwerverletzten hospitalisiert werden.

«Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Gemeindeammann und der Pfarrer bei uns vorbeikamen und mitteilten, dass die Mutter den Unfall nicht überlebte und der Vater im Spital von Sion liege», erzählt Hansrudolf Scheidegger, heute 76-jährig. «Das war ein riesiger Schock. Meine Mutter verliess das Dorf als gesunder Mensch und kam wenig später im Sarg zurück.» Scheideggers Vater erlitt schwere Rückenverletzungen und eines seiner Ohren wurde beim Crash durchtrennt.

«Das war ein riesiger Schock. Meine Mutter verliess das Dorf als gesunder Mensch und kam wenig später im Sarg zurück.»

Tragisch auch: Die Reise ins Wallis zählte zu den wenigen Ausflügen, die das Landwirtehepaar Margaritha und Vincenz Scheidegger in ihrem Leben überhaupt erleben durften. Sohn Hansrudolf ist sich jedoch bewusst, dass ihn und seine Familie das Schicksal noch schlimmer hätte treffen können. Immerhin waren er und seine Geschwister beim Tod der Mutter mindestens alle knapp 20 Jahre alt. Denn in Pfaffnau trauerten damals auch Mädchen und Knaben um den Tod beider Elternteile. Sie lebten fortan als Vollwaisen.

Beim Zugunglück im Unterwallis müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. So schrieb der «Walliser Bote» vor drei Jahren: «Pfarrer Brunner, der durch das Dach in die zertrümmerten Wagen einstieg, spendete Schwerverletzten die Sterbesakramente.»

Auch in Pfaffnau kam es gemäss Werner Steger damals zu ausserordentlichen Vorkommnissen. Und das hing gemäss dem pensionierten Lehrer, der sich damals auch in der freiwilligen Feuerwehr engagierte, mit dem unsachgemässen Transport der Leichen durch die SBB zusammen. Die toten Körper kamen laut Steger nämlich ungekühlt im Hinterland an. Was dies bedeutete, beschrieb er detailreich, ohne dass an dieser Stelle aber näher darauf eingegangen wird.

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