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ALTBÜRON: Ein Urgestein der Politik sagt leise Adieu

Nach 35 Jahren tritt Oswin Bättig (64) von der politischen Bühne ab. Wehmut schwingt zwar mit – aber auch Freude auf das Kommende.
Oswin Bättig tritt nach 15 Jahren als Gemeindepräsident von Altbüron zurück – im Hintergrund seine Gemeinde. (Bild Pius Amrein)

Oswin Bättig tritt nach 15 Jahren als Gemeindepräsident von Altbüron zurück – im Hintergrund seine Gemeinde. (Bild Pius Amrein)

Ernesto Piazza

Oswin Bättigs Blick schweift hinüber zur Hiltbrunnenhalle und bleibt schliesslich beim Fussballplatz des Drittligisten Altbüron/Grossdietwil stehen: Der nach 15 Jahren als Altbürer Gemeindepräsident Abtretende geniesst diesen Moment sichtlich, und er sagt: Wenn an einem frühen Samstagabend die Sonne bei einem Spiel auf dem grünen Rasen praktisch mitkicke und eine Fernsicht bis in die Juragegend erlaube, «schätze ich diesen Flecken Erde besonders».

Diese Bauten sind ihm ans Herz gewachsen. In deren Erstellung hat er viel Energie fliessen lassen. Sein politisches und ehrenamtliches Schaffen aber nur auf diese beiden Pfeiler zu stellen, würde ihm nicht gerecht. Bättig packte in all den Jahren immer wieder an und wollte mithelfen, in der Gesellschaft etwas zu bewegen. Teamwork war für ihn alles andere als eine leere Worthülse. Genauso das Gemeinwohl. Bei allen Entscheiden sei ihm deren Bedeutung für die Bevölkerung jedoch immer sehr wichtig gewesen, sagt Bättig. «Ich kann mich nicht daran erinnern, in all den Jahren einen parteipolitischen Beschluss gefasst zu haben.»

Vertrauen beim Bürger schaffen

Als Politiker hatte seine Karriere 1979 seinen Anfang genommen. Damals wurde er von der Jungen CVP des Amtes Willisau für einen Sitz im heutigen Kantonsrat ins Rennen geschickt. Oswin Bättig wurde auf Anhieb gewählt und verschrieb sich fortan während 20 Jahren der kantonalen Politik. 1996 präsidierte er das Gremium sogar. 2000 führte ihn sein Weg dann praktisch nahtlos zurück nach Altbüron und damit hin zum Amt des Gemeindepräsidenten. Heute sagt er: «Ich habe gerne mit der Bevölkerung zusammengearbeitet.» In all den Jahren stand für ihn die Freude am Job im Zentrum. «Vertrauen beim Bürger schaffen, das war für mich ein besonderes Anliegen», so Bättig. Dieses Credo begleitete ihn: Ob als Inhaber eines Architekturbüros, als Verwalter der Raiffeisenbank Altbüron oder in seiner langjährigen Funktion des Präsidenten der Krankenkasse Luzerner Hinterland.

Sich nun per Ende Mai offiziell aus der Gemeindepolitik zu verabschieden, sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Bättig. In seinen Worten ist eine Portion Wehmut unüberhörbar. Trotzdem leitete er schon im Herbst im Stile eines Unternehmers seine Nachfolge ein. Strategisch denkend rückte er bereits das Jahr 2016 – das Wahljahr für Gemeindepolitiker – ins Blickfeld. «Ich habe immer versucht, soweit möglich, auch eine Gemeinde als KMU zu führen», betont der gelernte Hochbauzeichner und Maurer.

Und dies mit Erfolg: Im Jahre 2000 – vorher hatte die Gemeinde kräftig in Schul- und Zivilschutzanlage, Strassenprojekte und die Hiltbrunnenhalle investiert – lag die Nettoverschuldung pro Kopf bei 11 000 Franken. Heute beträgt sie noch einen Drittel, und auch der Steuerertrag ist während seiner Amtszeit von 760 auf 1150 Franken pro Einwohner und Einheit gestiegen. Zudem seien in Altbüron auch zwei Quartiere mit Einfamilienhäusern für junge Familien entstanden, weiss der Vater von drei mittlerweile erwachsenen Söhnen.

Rückendeckung durch seine Frau

Die enorme Entwicklung bezüglich Solarenergie bezeichnet Oswin Bättig ebenfalls als Highlight in «seinem» Dorf. Hierzu hätten sowohl Private wie auch die Gemeinde mit entsprechenden Investitionen beigetragen, sagt er. Dies führte mitunter dazu, dass man 2013 den Schweizerischen Solarpreis erhielt. Dass Altbüron zuweilen auch als Rosinenpicker bezeichnet wird, nimmt er so zur Kenntnis, erklärt aber: «Wir prüfen halt von Fall zu Fall, ob wir Kooperationen eingehen. Im Kern wollen wir unsere Eigenständigkeit aber bewahren».

Dass er während seiner 35 Jahre am politischen Puls meistens gut schlafen konnte, «hat ebenfalls mit meiner Frau Ruth zu tun», sagt er. «Sie ist eine starke Partnerin und gab mir immer die nötige Rückendeckung.» Wohl auch deshalb sei er von eigentlichen Rückschlägen verschont geblieben. Sieht man vielleicht einmal davon ab, dass er 1999 bei der Nationalratskandidatur erfolglos blieb.

Während Oswin Bättig sein Wissen meist durch «learning by doing» aneignete, hat er sein weitverzweigtes Beziehungsnetz vor allem durch das Pflegen von vielen Kontakten aufgebaut. Politisch bezeichnet er den ehemaligen Dagmerseller Regierungsrat Klaus Fellmann als «langjährigen Weggefährten».

Doch auch ohne Politik wird es dem 64-Jährigen nicht langweilig. Künftig will er sich nämlich mehr Zeit für die Familien – speziell für seine sieben Enkelkinder – nehmen. Längere Reisen hat er ebenfalls auf seinem persönlichen Radar. Zudem soll das Handharmonikaspiel beim Fasnächtler Bättig wieder vermehrt einen Platz finden. Zusammen mit dem ehemaligen Altbürer Gemeindeammann Edwin Bütikofer möchte der kulturaffine, rüstige Frührentner die Proben intensivieren und kleinere Auftritte geniessen. Und zwar mit zwei gleichen Musikinstrumenten: FDP-Mann Bütikofer mit einer weissen, CVP-Politiker Bättig mit der schwarzen Handorgel.

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