ALTER: Berset hatte launigen Auftritt

Bundesrat Alain Berset hat gestern im KKL vor vollem Haus über die Altersmedizin gesprochen. Er kam nicht um die Rolling Stones herum.

Rainer Rickenbach
Drucken
Teilen
Moderator Kurt Aeschbacher moderierte das Gespräch über die Altersmedizin mit Bundesrat Alain Berset. (Bild Roger Grütter)

Moderator Kurt Aeschbacher moderierte das Gespräch über die Altersmedizin mit Bundesrat Alain Berset. (Bild Roger Grütter)

Der 41-jährige Berset gab launige Zitate zum Besten, als er gestern vor 1500 Zuhörerinnen und Zuhörern an der Sommer-Veranstaltung von Pro Senectute Luzern seinen Auftritt hatte. Zum Beispiel das: «Mit zunehmendem Alter wechselt der Fokus: Mit 20 beschäftigt, was die andern über mich denken. Mit 40 ist mir das egal. Mit 60 merkt man, dass sich die andern gar nie Gedanken über mich gemacht haben.» Auf die Frage von Moderator Kurt Aeschbacher, ob es ihn als Bundesrat wirklich nicht beschäftige, was man über ihn rede, schlug Berset den Bogen zur Aktualität. «Wenn mich beschäftigen würde, was alles Falsches über die Rentenreform in die Welt gesetzt wird, könnte ich das nur schwer ertragen.»

Evolution, nicht Revolution

Der Innenminister genoss es im grossen KKL-Saal sichtlich, sich für einmal nicht mit dem Pensionskassen-Umwandlungssatz und dem Frauen-Rentenalter 64 abmühen zu müssen. Die gut besuchte Veranstaltung von Pro Senectute war dem Thema «Lebensqualität im Alter – was leistet die Medizin?» gewidmet. Berset nutzte die Gelegenheit, für sein Reformprojekt Gesundheit 2020 zu werben. «Die Schweiz hat ein sehr gutes Gesundheitssystem. Wir brauchen also keine Revolution, sondern eine Evolution, um das Niveau weiterhin zu gewährleisten.»

Wie stark sich das Bild des Alters in den letzten dreissig Jahren gewandelt hat, verdeutlichte er an den standhaft rockenden Pop-Ikonen der Rolling Stones, die in ihren Anfängen als Inbegriff einer aufmüpfigen Jugend galten. «Und heute machen sie sich zum wiederholten Male auf zu ihrer letzten Welttournee», so Alain Berset.

Hochkarätige Gesprächsrunde

Vertieft gingen nach Bersets Auftritt verschiedene Exponenten des Gesundheitswesens unter Aeschbachers Leitung auf das Tagungsthema ein. Verena Briner vertrat als Chefärztin am Luzerner Kantonsspital die Perspektive der Mediziner («Wir fällen medizinische Entscheide nicht aufgrund des Patientenalters.»). Der Freiburger Universitätsprofessor Markus Zimmermann brachte ethische Erkenntnisse ein («Beim Therapieentscheid stellen sich die Fragen, ob sie wirksam, sinnvoll, wirtschaftlich und zweckmässig sind.»). Erika Ziltener, früher Pflegefachfrau und heute Präsidentin des Dachverbandes Schweizerische Patientenstellen, brachte die Patienten-Sichtweise ein («Ärzte sollen so aufklären, dass die Patienten mündig entscheiden können.»). Und Christoffel Brändli vertrat als Präsident von Santésuisse die Krankenkassen («Die medizinischen Kosten sind nicht so sehr das Problem. Die Pflegekosten sind das weitaus grössere.»).