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ALTER: Büro-Spitex bändigt Papierberg

Steuererklärung oder Vermögensvorsorge: Solche Aufgaben übernimmt die Büro-Spitex für Senioren. Ein Marktsegment, um das auch die Pro Senectute buhlt.
Evelyne Fischer
«Es braucht Fingerspitzengefühl. Mit buchhalterischen Fähigkeiten alleine ist es nicht getan.» Armin Beck, Regionalleiter Büro-Spitex Luzern, Ob- und Nidwalden. (Bild: pd)

«Es braucht Fingerspitzengefühl. Mit buchhalterischen Fähigkeiten alleine ist es nicht getan.» Armin Beck, Regionalleiter Büro-Spitex Luzern, Ob- und Nidwalden. (Bild: pd)

In einem Luzerner Altersheim wohnt Marie Lindauer. Sie trägt im echten Leben einen anderen Namen. Marie Lindauer ist 81 Jahre alt, eine Steuererklärung kann sie nicht mehr alleine ausfüllen. Helfen könnte ihr einzig der Sohn. Doch dieser lebt in Belgien. Was nun? «Ältere Menschen bekunden Mühe, sich im Administrationsdschungel zurechtzufinden», sagt Armin Beck aus Kerns OW. Dies habe er als Mitglied der Sozialkommission der Gemeinde hautnah miterlebt. «Rückforderungen von Arztrechnungen, das Errichten von Vorsorgeaufträgen oder nur schon das Begleichen von Rechnungen überfordert sie», sagt Armin Beck. Der selbstständige Versicherungsbroker will ihnen deshalb unter die Arme greifen.

In mehreren Kantonen präsent

Beck baut derzeit für Luzern, Ob- und Nidwalden eine Regionalstelle der Büro-Spitex auf. Damit ist der nächste Expansionsschritt jener Firma eingeleitet, die ihre Leistungen bereits in den Kantonen Zug, Basel, Aargau, St. Gallen und Zürich anbietet. Hier wurde die Büro-Spitex 2012 gegründet. Bislang beschäftigt die Firma 40 Mitarbeiter, die 200 Kunden betreuen. Jene sind im Schnitt 85 Jahre alt. Unter den Klienten finden sich auch Burn-out-Patienten oder Behinderte. Die Kunden der Zentralschweiz kann Beck bislang noch an einer Hand abzählen. Bereits arbeitet die Büro-Spitex in Luzern mit der Caritas zusammen.

Beratungen bei Senioren zu Hause

Die Büro-Spitex hilft älteren Menschen, den Alltag zu meistern. Da, wo er stattfindet – bei Senioren zu Hause. «Dies braucht Fingerspitzengefühl. Mit buchhalterischen Fähigkeiten alleine ist es nicht getan», sagt Beck. Es gelte, Vertrauen aufzubauen, das Umfeld miteinzubeziehen. Nur im Notfall mische er sich in die Vermögensvorsorge ein. «Dies ist ein heikles Thema, das ich wenn möglich der Familie überlasse.»

Für Leistungen wie das Erledigen von Korrespondenz, Willensvollstreckung, Budgetplanung, Immobilienverwaltung oder Gespräche mit Versicherungen hat die Büro-Spitex einen Stundenansatz von 80 Franken. Fahrdienste und Botengänge kosten 60 Franken stündlich. Bei Steuererklärungen beträgt die Pauschale mindestens 140 Franken. Pro Besuch werden für den Weg 15 Franken verlangt. «Als Sozialunternehmen bewegen sich unsere Preise auf einem tiefen Niveau», sagt Beck. «Die meisten Treuhänder verlangen mehr, übernehmen die Personenvorsorge nicht und haben keine Erfahrung in der Betreuung von älteren Menschen.»

Pro Senectute: Tarife variieren

Eine Organisation, die das Marktsegment der Senioren ebenfalls bestens kennt, ist die Pro Senectute. «Im Treuhand-Dienst laufen bei uns derzeit über 200 Mandate, rund 1200 Senioren gaben ihre Steuererklärung in unsere Hände», sagt Jürg Lauber, Leiter Kommunikation bei der Pro Senectute des Kantons Luzern. Die Non-Profit-Organisation ist auch bei Fragen rund um Immobilien eine Anlaufstelle. «Für solche Beratungen ziehen wir Fachleute des Hausvereins Zentralschweiz hinzu.»

Für Steuererklärungen kann Pro Senectute «auf Profis zurückgreifen», die sich nach der Pensionierung als Freiwillige mit Spesenentschädigung engagieren. Die Tarife für diese Dienstleistung sind einkommens- und vermögensabhängig. So fallen für eine Steuererklärung in der Regel Kosten zwischen 30 und 400 Franken an. Im Treuhand-Dienst – den festangestellte Fachleute betreuen – sind die Tarife vermögensabhängig. Maximal 4000 Franken zahlen Kunden pro Jahr. «Bei rund 40 Prozent der Klienten lassen die Finanzen überhaupt keine Beteiligung zu», sagt Lauber. Heisst: Ihr Vermögen beträgt weniger als 12 000 Franken.

Buhlen um die ältere Generation

Um kostendeckend arbeiten zu können, muss Pro Senectute ihre Dienstleistungen quersubventionieren. «Deshalb brauchen wir finanzkräftige Senioren. Gerade jene sind aber auch für Mitbewerber interessant», sagt Lauber. «Daher ist der Spagat zwischen traditionellem Hilfswerk und modernem Dienstleister eine Herausforderung.» Hinzu komme: Mit der Alterung der Gesellschaft werde dieses Geschäftsfeld immer grösser. «Folglich wird stets stärker um Senioren gebuhlt.» Um ihre Position im Markt zu sichern, könne Pro Senectute vor allem «mit Qualität punkten», so Lauber. «Wir haben uns einen soliden Ruf als Kompetenzzentrum in vielen Altersfragen erarbeitet. Diesen gilt es zu wahren.»

Weder Lauber noch Beck wollen die eine Einrichtung gegen die andere ausspielen. «Die Büro-Spitex sieht sich nicht als Konkurrenz der Pro Senectute, sondern als Ergänzung», sagt Armin Beck. «Unter anderem, weil wir auch Kunden unter 60 betreuen.» Die Arbeit der Sozialbegleitung sei gerade in der heutigen Zeit «unglaublich wichtig».

Beim Ausfüllen von amtlichen Dokumenten und der oft damit einhergehenden Papierflut soll neu eine Büro-Spitex helfen. (Symbolbild / Keystone / Gaetan Bally)

Beim Ausfüllen von amtlichen Dokumenten und der oft damit einhergehenden Papierflut soll neu eine Büro-Spitex helfen. (Symbolbild / Keystone / Gaetan Bally)

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