ALTER: Heime fördern Öffnung für alle

Regionale Pflegeheime öffnen ihre Tore für die Bevölkerung: Das Pflegeheim Höchweid in Ebikon positioniert sich als Begegnungsort, und in Emmen zieht eine Kita ins neue Alterszentrum.

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Im Zentrum Höchweid in Ebikon sollen künftig mehr Veranstaltungen stattfinden - wie hier das Konzert der Blaskapelle Viscosuisse gestern Nachmittag. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Im Zentrum Höchweid in Ebikon sollen künftig mehr Veranstaltungen stattfinden - wie hier das Konzert der Blaskapelle Viscosuisse gestern Nachmittag. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Das «Höchweid» in Ebikon will mehr als nur ein Pflegeheim sein. Seit diesem Monat tritt es neu unter dem Namen Zentrum Höchweid auf. Dies soll deutlich machen, dass man sich stärker zur Bevölkerung hin öffnen will. Das sei durchaus nötig, findet der zuständige Gemeinderat Andreas Michel. «Die Auswahl an geeigneten Räumen für bis zu 130 Personen ist in Ebikon in den letzten Jahren durch die Reduktion der Restaurants sehr beschränkt worden. Und diese Lücke schliessen wir mit dem Zentrum Höchweid», sagt Michel.

Höchweid baut Gastrobereich aus

Im Höchweid wurde der Gastrobereich ausgebaut. Seit rund zwei Jahren wird dort nicht mehr nur für die Heimbewohner gekocht, sondern auch für die Tagesstrukturen der Volksschulen Ebikon und für den Mahlzeitendienst der Spitex Rontal plus. Nun sollen auch vermehrt Anlässe im Zentrum Höchweid durchgeführt werden. Damit wolle man zusätzliche Einnahmen generieren, bestätigt Michel auf Nachfrage.

Das Zentrum Höchweid bietet einen Rundum-Service bei Mittagessen, Feiern, Seminaren oder Vereinsanlässen. Neben den Dienstleistungen in der Gastronomie gibt es neu auch Abendforen rund um das Thema Gesundheit. So soll das Zentrum auch zu einem Begegnungsort werden. «Ein Pflegeheim als ‹geschlossene Institution› und als Hemmschwelle zum öffentlichen Leben zu sehen – diese Zeiten sollten vorbei sein», sagt Michel. Schon in der Vergangenheit fanden verschiedene Anlässe im Zentrum Höchweid statt. Beispielsweise Samichlausbesuche, die Höchweid-Chilbi, die Verleihung des «Seerosepris» oder Konzerte. Die Bewohner und Angehörigen würden offen auf solche Anlässe reagieren, betont Andreas Michel. Bei vielen Veranstaltungen gehören sie zum Zielpublikum. «Viele neue Bewohner blühen wieder richtig auf, denn die Begegnungen und den Kontakt zum sozialen Umfeld hatten sie vielfach nicht mehr in ihren zum Teil allein bewohnten Wohnungen.» Wer nicht an den Anlässen teilnehmen wolle, habe genügend Rückzugsmöglichkeiten, so Michel weiter. Er betont, dass das Pflegeheim trotz der neuen Angebote in erster Linie ein Pflegeheim bleibt: «Das Kerngeschäft ist und bleibt, eine gute und qualitativ einwandfreie Pflege anzubieten. Jedes Veranstaltungsgesuch wird überprüft und mit den vorhandenen Ressourcen abgeglichen.»

Grosse Nachfrage in Emmer Heim

Auch in Emmen beginnt ein neues Zeitalter im Sinne der Öffnung für ein breites Publikum. Momentan wird mit dem «Emmenfeld» das grösste Betagtenzentrum der Zentralschweiz gebaut: Auf einer Fläche von 21 000 Quadratmetern entsteht bis im Spätsommer ein Betagtenzentrum mit 162 Betten sowie 53 Alterswohnungen. «Das Zentrum als Begegnungsort – darauf richten wir ganz klar unseren Fokus», sagt Richard Kolly, Geschäftsführer der Betagtenzentren Emmen AG. Aus diesem Grund ziehen in die neue Überbauung auch diverse öffentlich zugängliche Dienstleistungsbetriebe wie etwa für Kosmetik, Podologie, Fitness und Pediküre sowie ein Coiffeur ein. «Unser Zentrum erhält zudem – ein Novum im Kanton Luzern – eine Kindertagesstätte», so Kolly. Diese Einrichtungen werden mit einem Gastrobetrieb mit Selbstbedienung und einem bedienten Bereich für je 100 Personen ergänzt. «Mit der Gastronomie wollen wir neben unserem Kerngeschäft, der Pflege und Betreuung, ein weiteres Standbein etablieren, das sich auch finanziell auszahlt», erklärt der Geschäftsführer. Dazu gehört auch ein Saal, der bei Konzertbestuhlung Platz für bis zu 400 Gäste bietet. Kolly: «Der Saal kann mittels Trennwänden unterteilt werden und bietet für Vereine oder Seminare viel Platz.» Die Nachfrage danach ist gross: Noch bevor das Zentrum im September überhaupt seine Tore öffne, seien die Monate Oktober und November bereits ausgebucht, sagt Kolly. Geplant seien zudem öffentliche Konzerte und Veranstaltungen für die Bevölkerung.

Neuer Mittagstisch in Luzern

Die Öffnung für die Bevölkerung ist auch in den städtischen Pflegeheimen ein grosses Thema. «Mit öffentlichen Anlässen, Auftritten von Vereinen und Themenwochen wollen wir mehr Leben ins Heim bringen», sagt Joel Früh, Leiter Geschäftsentwicklung von Viva Luzern AG. «Seit diesem Monat gibt es beispielsweise im Betagtenzentrum Wesemlin neu einen öffentlichen Mittagstisch», sagt Früh. Dieser findet jeweils am ersten Donnerstag im Monat statt. Ausserdem gebe es Angebote für Seminare im Betagtenzentrum Eichhof und weitere öffentliche Veranstaltungen.

Die Begegnung von Jung und Alt wird auch in Horw aktiv praktiziert. «Dank unserer Lage mitten in der Naherholungszone, einem Spielplatz und einem Tiergehege wird die öffentliche Cafeteria oft von Wandernden und Eltern mit ihren Kindern besucht», sagt Sabine Schultze, Leiterin des Pflegeheims Kirchfeld. Die Durchmischung von Bewohnern und Bevölkerung sei ein wichtiges Bedürfnis und funktioniere sehr gut.

Christian Glaus und Yves Portmann