ALTERSFRAGEN: «Beim Thema Altern geht die Post ab»

Er ist das neue Gesicht der Pro Senec­tute Luzern: Geschäftsführer Stefan Brändlin (57) spricht über die Herausforderungen und Chancen des Alterns.

Ismail Osman
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Bereit loszulegen: Stefan Brändlin im Geschäftssitz der Luzerner Pro Senectute beim Bundesplatz in Luzern. Im Sommer wird Brändlin der neue Geschäftsführer. (Bild Dominik Wunderli)

Bereit loszulegen: Stefan Brändlin im Geschäftssitz der Luzerner Pro Senectute beim Bundesplatz in Luzern. Im Sommer wird Brändlin der neue Geschäftsführer. (Bild Dominik Wunderli)

«Luzerner», «Babyboomer», «Menschenfreund» – auf drei Begriffe beschränkt, beschreibt sich Stefan Brändlin mit diesen Schlagworten. Letzteres ziehe sich wie ein roter Faden durch sein Leben, sagt der 57-Jährige. Von seiner Ausbildung als Krankenpfleger über seine Zeit als Sozialarbeiter bis hin zu seiner Arbeit bei der Pro Senectute: «Menschen standen immer im Zentrum meines Handelns», sagt der gebürtige Stadtluzerner, der mittlerweile in Altwis im Seetal lebt. Nach rund zwei Jahren als Leiter der Fachstelle für Gemeinwesenarbeit der Pro Senectute Kanton Luzern hat ihn der achtköpfige Stiftungsrat nun einstimmig zum Geschäftsleiter der Organisation berufen. Brändlin tritt die Nachfolge von Peter Dietschi per 1. Juli an. Brändlin nahm seine Berufung mit einer Mischung aus Überraschung und Freude entgegen – aber nicht nur: «Ich musste zwei Tage Bedenkzeit einfordern, denn der Respekt vor dieser Aufgabe war sehr gross», gesteht Brändlin. Der verheiratete Vater von drei Töchtern amtet beispielsweise auch noch als Sozialvorsteher im Altwiser Gemeinderat. «Aufgrund meiner neuen Position bei der Pro Senectute, die mich voll beanspruchen wird, habe ich nun aber meinen Rücktritt eingereicht.» Letztlich überzeugte ihn die Tatsache, dass ihm der Stiftungsrat einstimmig sein Vertrauen aussprach: «Das gibt mir unheimlich viel Kraft.»

Keine Lust auf lange Sitzungen

Diese Kraft wird er in seiner zukünftigen Position durchaus brauchen, dessen ist sich Brändlin bewusst: «In erster Linie will ich die strukturellen und finanziellen Rahmenbedingen weiterhin so gestalten, dass unsere 40 festangestellten und unsere rund 1300 freiwilligen Helferinnen und Helfer ihre Aufgaben erfolgreich erfüllen können.» Eine seiner Hauptaufgaben wird in der Koordination liegen. Etwa zwischen der Geschäftsstelle in Luzern, den drei regionalen Beratungsstellen und weiteren Dienstleistungsstandorten. Aber auch das Netzwerken und Akquirieren von Geldmitteln gehört zu seinen Aufgaben.

Das klingt vor allem nach sehr vielen Sitzungen. Nur: Wer schon einmal etwas Zeit mit Brändlin verbracht hat, der kann sich kaum vorstellen, dass sich dieses Energiebündel gerne freiwillig stundenlang in irgendwelchen Sitzungszimmern einsperren lässt. «Das ist so», sagt Brändlin mit einem Lachen. «Meine Sitzungen müssen effizient und ergebnisreich sein – lange müssen sie nicht dauern.»

«Neue Lösungen finden»

Nebst der internen Arbeit will Brändlin aber nicht den Kontakt zu den Menschen verlieren: «In meiner Funktion will ich unseren älteren Mitmenschen eine Stimme geben, ihnen Wertschätzung vermitteln und sie wenn nötig auch schützen.»

Die demografische Entwicklung hin zu immer mehr körperlich und geistig gesunden Senioren habe Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft, sagt Brändlin. «Altersgerechtes Wohnen ist beispielsweise heute in fast allen Gemeinden ein grosses Thema.» Diesbezüglich möchte Brändlin in Zukunft die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Partnerorganisationen wie der Spitex und der Pro Senectute selbst verstärken. «Auch bei Themen wie Demenz oder Altersarmut müssen alle beteiligten Stellen gemeinsam neue Lösungen finden.»

Brändlin sieht aber nicht nur Probleme, sondern auch Chancen, die es anzupacken gelte: «Diese neue Generation von Senioren und Seniorinnen bringt ein grosses Ressourcen-Potenzial mit», sagt Brändlin und erklärt: «Durch ihre geistige und körperliche Fitness und die Tatsache, dass sie oft zeitlich ungebunden sind, eröffnet sich eine Vielzahl von Möglichkeiten», sagt Brändlin und erklärt: «Etwa, wie sie ihre Erfahrungen, ihr Wissen oder auch ihr Einfühlungsvermögen in die Gesellschaft einbringen können.» Er denkt dabei etwa an Einsätze in der Freiwilligenarbeit, beispielsweise in Klassenzimmern oder in Besuchsdiensten für alleinstehende Personen.

Gemeinderat und Wandervogel

Brändlin will vorhandenes Potenzial nutzen – auch sein eigenes. Vor zwei Jahren, im Alter von 55, schloss er sein Studium in Public Health (Öffentliche Gesundheit) an der Universität Bremen mit seiner Promotion und dem entsprechenden Doktortitel ab. Auch vorhandenes körperliches Potenzial wird genutzt. So wandert er im Rahmen einer Westalpentraverse auch schon mal von Altwis zu Fuss bis nach Nizza ans Mittelmeer.

Seine grösste Passion bleiben jedoch die Altersthemen – das habe sich während seines Master-Studiums herauskristallisiert: «Ich realisierte schnell, dass derzeit in kaum einem anderen Gebiet dermassen die Post abgeht», sagt Brändlin mit Nachdruck. «Und hier will ich meinen Beitrag leisten.» In diesem Sinne scheint Brändlin als neuer Geschäftsleiter der Pro Senectute genau am richtigen Ort angekommen zu sein.