Gemeinde Horw
Kirchfeld plant Alterszentrum der Zukunft – Zürcher Architekten erhalten Zuschlag

Ab 2024 wird das Alterszentrum Kirchfeld zur Grossbaustelle. Das Siegerprojekt sieht Platz für spezialisierte Wohngruppen und eine stärkere Durchmischung vor – auch dank einer Piazza.

Roman Hodel
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Jetzt steht fest, wer das Horwer Alterszentrum Kirchfeld um- und ausbauen wird: Bob Gysin Partner und Noa Landschaftsarchitektur, beide aus Zürich, haben den Studienauftrag gewonnen – und damit sieben Teams hinter sich gelassen, wie die Kirchfeld AG mitteilt. Ursprünglich hatten sich 30 Teams dafür beworben. Das Siegerprojekt namens Egli sieht anstelle des bestehenden rosaroten Gebäudes Kirchfeld 2 zwei Neubauten vor:

Neubau 1: Spezialisierte Pflege und Betreuung (drei Etagen)

  • Im Erdgeschoss finden öffentliche Dienstleistungen wie Coiffure, Podologie, Physiotherapie und ärztliche Behandlungsräume Platz.
  • Mit einem Tages- und Nachtzentrum zur Entlastung von betreuenden und pflegenden Angehörigen wird ein viel nachgefragtes neues Angebot geschaffen.
  • Fünf Pflegewohngruppen à 14 Plätze: zwei davon für an Demenz erkrankte Menschen, unter anderem mit weglaufgeschütztem Garten. Eine Gruppe für betreutes Wohnen, eine für Geriatrie (etwa für Ferienbett oder Kurzzeitaufenthalt nach Spital) und eine spezialisiert auf ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen.
So könnte die Aufenthaltsnische einer Demenzgruppe aussehen.

So könnte die Aufenthaltsnische einer Demenzgruppe aussehen.

Visualisierung: PD/Renderisch

Neubau 2: Alterswohnungen (vier Etagen)

  • Hier gibt's 21 pflegenahe Alterswohnungen je mit eigener Küche. Diese richten sich beispielsweise an Paare, bei denen die eine Person körperlich und geistig noch fit ist, derweil die andere Pflege braucht, etwa wegen Demenz. Die Wohnungen profitieren vom ganzen Kirchfeld-Service, vom Essen bis zum Notfallknopf.

Das 2002 letztmals umgebaute Kirchfeld 1 bleibt das Pflegezentrum und behält auch seine Optik. Jedoch werden die 26 Doppel- in Einzelzimmer umgebaut, sodass es in Zukunft insgesamt 81 Einzelzimmer sein werden. Erneuert und vergrössert werden Lobby, Restaurant und Mehrzweckraum.

Blick auf das heutige Areal mit dem Kirchfeld 2 (wird ersetzt) links und dem Kirchfeld 1 (bleibt stehen) dahinter.

Blick auf das heutige Areal mit dem Kirchfeld 2 (wird ersetzt) links und dem Kirchfeld 1 (bleibt stehen) dahinter.

Bild: Patrick Hürlimann, (Horw, 6. August 2021)

Autos verschwinden in den Untergrund

Alle drei Gebäude sind künftig unterirdisch miteinander verbunden. Im Untergrund verschwinden werden zudem die Autos, in einer Tiefgarage mit 70 bewirtschafteten Parkplätzen. Dafür entsteht zwischen dem Kirchfeld 1 und den neuen Gebäuden ein piazzaähnlicher Dorfplatz. Hier sollen sich Bewohnende, Kinder der geplanten Kita und des Doppelkindergartens oder auch Restaurantgäste und Nachbarn treffen.

So stellen sich die Architekten die Piazza vor, links das Kirchfeld 1, rechts der Neubau, wo die spezialisierte Pflege untergebracht wird.

So stellen sich die Architekten die Piazza vor, links das Kirchfeld 1, rechts der Neubau, wo die spezialisierte Pflege untergebracht wird.

Visualisierung: PD/Renderisch

Das Siegerprojekt hat die Jury laut Kirchfeld-Geschäftsführer Marco Müller aus folgenden drei Punkten am meisten überzeugt:

  • Betriebliche Bedürfnisse: Das Siegerteam habe diese am besten umgesetzt. So seien die Wege zwischen den Gebäuden und auch innerhalb der Pflegestationen kurz. «Man merkt, dass die Architekten schon verschiedene Alterszentren realisiert haben», sagt Müller.
  • Sensible Architektur. «Das Projekt hat eine gewisse Zurückhaltung und fügt sich gut in die Landschaft ein», so Müller. Die Volumen seien im Gegensatz zu anderen Projektvorschlägen weder klotzig noch pompös. Auch die Gestaltung des Aussenraums überzeuge, etwa rollstuhlgängige Spazierwege.
  • Offen für Inputs. Sämtliche Anregungen der Jury bei der Zwischenpräsentation habe das Siegerteam umgesetzt. «Wir sind überzeugt, dass sie auch in der Bauphase für Inputs offen sein werden», so Müller.

Baueingabe Anfang nächstes Jahr

Bis zur Bauphase dauert es aber noch eine Weile. Die Baueingabe ist auf Anfang 2023 terminiert. Geht alles glatt, sollen die Neubauten 2024/25 erstellt werden. «Unser Ziel ist, dass alle Bewohnenden und Angestellten während der Bauphase im Kirchfeld bleiben können», sagt Müller. Weil das Kirchfeld 2 den Neubauten weichen muss, wird in Etappen gebaut. Die Demenzabteilung beispielsweise muss in ein Provisorium umziehen.

Gipsmodell der künftigen Kirchfeld: Links der Neubau spezialisierte Pflege, in der Mitte die Alterswohnungen und rechts davon ein möglicher späterer Ausbau, ganz rechts Kita/Kindergarten und hinter den Neubauten das Kirchfeld 1.

Gipsmodell der künftigen Kirchfeld: Links der Neubau spezialisierte Pflege, in der Mitte die Alterswohnungen und rechts davon ein möglicher späterer Ausbau, ganz rechts Kita/Kindergarten und hinter den Neubauten das Kirchfeld 1.

Bild: PD/Bob Gysin und Partner

Nach wie vor noch nicht äussern will sich Müller zu den Kosten. Bevor das Kirchfeld 2018 in eine AG ausgelagert wurde, hegte die Gemeinde bereits Ausbaupläne. Damals war von 28 Millionen Franken die Rede. Das wird bestimmt nicht reichen. Müller sagt nur soviel:

«Eine Grobkostenschätzung existiert und wir sind innerhalb dieses finanziellen Rahmens.»

Dass die Auslastungen in Alters- und Pflegezentren generell eher etwas rückläufig sind, sieht Müller nicht als Problem: «Wir bauen ja keine zusätzlichen Pflegebetten, sondern spezialisieren uns – darum sind wir überzeugt, dass die Nachfrage nach solchen Wohnformen da sein wird.» Er rechnet sogar damit, dass in ein paar Jahrzehnten nochmals ein Ausbau nötig sein wird – das Bauland dafür hat man sich jedenfalls gesichert.

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