ALTISHOFEN: Er reist extra aus China an

210 Musiker messen sich am Schweizer Drummer- und Perkussionistenwettbewerb. Auch ein 11-jähriger Chinese rechnet sich Chancen aus.

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Der elfjährige Leo Peixuan nimmt am kommenden Wochenende am
Schweizerischen Drummer- und Perkussionistenwettbewerb in Altishofen teil. (Bild: pd)

Der elfjährige Leo Peixuan nimmt am kommenden Wochenende am Schweizerischen Drummer- und Perkussionistenwettbewerb in Altishofen teil. (Bild: pd)

Über 8000 Kilometer und 10 Flugstunden trennen Leo Peixuan (11) von seinem grossen Traum. Fast sein halbes Leben spielt er Schlagzeug – nun will er dieses Wochenende am Schweizerischen Drummer- und Perkussionistenwettbewerb in Altishofen zum besten Drummer in seiner Kategorie gekürt werden. «Mein Vater hat mir erzählt, dass der Wettbewerb sehr bekannt ist, weil er in der Schweiz eine lange Tradition hat», teilt Peixuan per Mail mit. Sein Ziel sei es, ein bekannter Drummer in China zu werden. Und: einmal im Leben ein Foto mit seinem Vorbild zu machen, dem österreichischen Schlagzeuger Thomas Lang, der unter anderem auch schon für Robbie Williams und Bonnie Tyler den Takt schlug.

Schweizer Premiere in Altishofen

Zumindest einem der 210 Schlagwerkern und Drummer, die sich am Wochenende in 17 Kategorien am Schweizer Drummer- und Perkussionistenwettbewerb messen, wird ein Treffen mit dem Stardrummer aus Österreich ermöglicht. Dem Sieger der Kategorie «Drum Battle» vom Samstagabend winkt ein mehrtägiger Workshop mit Thomas Lang. «Diese Kategorie findet dieses Jahr zum ersten Mal statt und ist einzigartig in der Schweiz», sagt OK-Mitglied Jonas Glanzmann. Zehn Schlagzeuger treten jeweils im Duell gegeneinander an. Sie spielen abwechslungsweise zu einer vorher nicht bekannten Rock-, Funk- oder Hip-Hop-Komposition, live begleitet von der Band des Luzerner Musikers Henrik Belden. Glanzmann: «Für diese Art von Wettbewerb brauchen die Drummer Improvisationstalent. Und für die Zuschauer ist es mit der Liveband extrem unterhaltsam.» Drei Juroren bewerten die Battles und geben umgehend den Sieger bekannt – nach vier Runden steht der Gesamtgewinner fest.

Immer wieder Musiker aus Ausland

Insgesamt vier Schweizer-Meister-Titel werden am Wochenende verliehen – in den Kategorien Drumset, Klassik Felle, Klassik Platten und Ensemble. Doch was, wenn sich in einer Kategorie ein ausländischer Teilnehmer die höchste Punktzahl erspielt – etwa der Chinese Leo Peixuan bei den Drummern unter 14 Jahren? «Dann wird er zwar als Sieger anerkannt, aber der Schweizer-Meister-Titel gehört dem bestplatzierten Schlagwerker oder Drummer mit Schweizer Wohnsitz», sagt Glanzmann. Der Drummer- und Perkussionistenwettbewerb stehe seit Beginn seiner Durchführung vor 22 Jahren allen Teilnehmern offen. Im Durchschnitt würden jeweils «eine Handvoll Musiker» aus dem Ausland nach Altishofen reisen, um ihr Spiel zu präsentieren. Etwa aus Frankreich, Deutschland oder Österreich. «Wir hatten aber auch schon Drummer aus Polen. Eine Anmeldung aus Asien ging bei uns jedoch noch nie ein», sagt Glanzmann. «Wir haben bei Leo Peixuan zwei Mal nachgefragt, ob er es mit seiner Teilnahme wirklich ernst meine.»

Für den Pekinger scheint der Wettbewerb eine todernste Sache zu sein. In einer Mail schreibt er in Deutsch – sein Vater hat 7 Jahre in Deutschland studiert: «Ich reise sehr weit aus China an und würde gerne von anderen Teilnehmern in meinem Alter lernen. Und natürlich möchte ich was gewinnen. Aber versprechen kann ich nichts.»

Christian Hodel