ALTISHOFEN: Er wird höchster Schweinezüchter

Meinrad Pfister (46) wird Präsident der Schweizer Schweinezüchter. Als besondere Herausforderungen für die Schweinehalter sieht er den Druck aus dem Ausland und Tierkrankheiten.

Roseline Troxler
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Meinrad Pfister in seinem Stall in Altishofen mit einer Muttersau und ihren Ferkeln. (Bild Dominik Wunderli)

Meinrad Pfister in seinem Stall in Altishofen mit einer Muttersau und ihren Ferkeln. (Bild Dominik Wunderli)

Jedes vierte Schwein der Schweiz wird im Kanton Luzern gehalten. Nun präsidiert ab Mitte Juni mit Meinrad Pfister (46) ein Luzerner den Schweizerischen Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs. Der Altishofer sagt: «Die Luzerner Bauern sind bekannt als Schweinespezialisten. Das ist für mich als Präsident sicher kein schlechtes Omen.» Der Vater von drei Kindern war bei Suisseporcs während mehrerer Jahre Leiter der Sektion Zentralschweiz. Der Verband vertritt die Interessen der Schweinehalter gegenüber Politik, Markt, Behörden und Konsumenten. Bis zum Amtsantritt am 11. Juni ist er noch Verwaltungsratspräsident der Suisag, eines Dienstleistungsunternehmens im Bereich Schweinezucht.

Vater setzte früh auf Schweine

Pfister besitzt ausserhalb von Altishofen einen Betrieb mit 100 Mutterschweinen, 500 Mastplätzen und einer Biogasanlage. Zudem leitet er die Solevia GmbH, ein Unternehmen, welches Solar- und Biogasanlagen plant und baut. Der Hof wird heute von einer Betriebsleiterin geführt, weshalb Pfister nur noch selten dort anzutreffen ist. Dennoch geniesse er die Zeit auf dem Hof, etwa wenn er Ferienablösung macht oder bei der Kartoffelernte mithilft. Zudem sei er als Fischer oft in der Natur unterwegs.

Pfister ist als zweitjüngstes von sieben Kindern aufgewachsen. Er hat eine Lehre als Elektriker begonnen, diese aber nach einem Jahr abgebrochen. Denn der älteste Bruder, der als Nachfolger des Hofs galt, hatte plötzlich andere Pläne. So machte Meinrad Pfister kurzerhand die Ausbildung zum Landwirt und übernahm später den Hof. Diese Entscheidung habe er nie bereut, wie er sagt: «Für mich war zudem immer klar, dass ich auf meinem Hof auf Schweine setze. Sie sind meine Leidenschaft.» Sein Vater habe 1964 zu einem der ersten Bauern in der Schweiz gezählt, die professionell auf die Schweinehaltung setzten. «Dafür wurde er anfangs belächelt.»

Heute ist Schweinefleisch das meistkonsumierte Fleisch der Schweiz. Trotz der Beliebtheit sieht Pfister Herausforderungen auf die Schweinehalter zukommen. «Der Pro-Kopf-Konsum sinkt. Zudem laufen zwischen der EU und den USA sowie der Schweiz mit Brasilien und Indien Gespräche bezüglich möglicher Freihandelsabkommen. Wenn diese zu Stande kommen, würde ein enormer Druck auf den Schweizer Markt entstehen.» So gehört zu den Zielen von Pfister, das Schweizer Schweinefleisch attraktiver zu machen. Die Marktlage sei erfreulich, der Preis gut. «Die Produktion steigt allerdings schon wieder an, weshalb der Verband an die Mitglieder appelliert, die Produktion tief zu halten.»

«Zeit der Alleingänge ist vorbei»

Als Präsident repräsentiert Pfister künftig verschiedene Gremien und vermittelt zwischen der Basis und den Behörden. «Die Ansichten bei den Schweinehaltern gehen von Ost nach West wie auch vom Kleinstbetrieb bis zum hoch professionellen Betrieb, der wachsen möchte, enorm auseinander», so Pfister. An der Delegiertenversammlung Mitte Mai sagte Pfister, dass die Zeit der Alleingänge vorbei sei. Nun ergänzt er: «In der Vergangenheit hat vom Futterproduzenten bis zum Detailhändler jeder versucht, selber das grösste Kuchenstück zu erhalten. Wenn wir für Schweizer Schweinefleisch in unserem hohen Kosten­umfeld kämpfen wollen, dürfen sich Schweinehalter nicht wie Guerillakämpfer verhalten.» Die Basis von diesem Verständnis zu überzeugen, sei schwierig.

Weniger Tierkrankheiten

Handlungsbedarf sieht Pfister auch bei der Tiergesundheit. So laufen Projekte, welche die Rückverfolgbarkeit von Fleischprodukten verbessern wollen. «Wir verweigern uns diesen Neuerungen nicht, sondern erachten die ethischen Fragen als wichtig. Diese sind für die Schweizer Produzenten auch eine Chance. Wir haben gute Trümpfe, da viele Tierkrankheiten bei uns nicht vorkommen.» Zudem habe der Konsument das Recht, zu erfahren, woher das Fleisch stamme. Im November 2012 traten in der Schweiz erstmals Fälle von PRRS auf. Bei der Tierkrankheit handelt es sich um Porcines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom. Weil sofort gehandelt worden sei, habe der Seuchenzug schnell wieder gestoppt werden können. Die Virusinfektion kann bei Schweinen Fruchtbarkeitsstörungen, Aborte oder Atemwegserkrankungen auslösen. «Wir sind zum Glück mit einem blauen Auge davongekommen. Bei PRRS handelt es sich um die Tierkrankheit, welche weltweit den grössten wirtschaftlichen Schaden anrichtet.»

Selbstversorgungsgrad hoch halten

Eines der Ziele von Pfister ist es, den Selbstversorgungsgrad beim Schweinefleisch möglichst hoch zu halten. «Wir spüren hier immer wieder Widerstände. So gibt es Stimmen, die fragen, weshalb es die Produktion in der Schweiz überhaupt braucht.» Für Pfister hat Schweizer Fleisch durchaus seine Legitimation. «Schweizer Fleisch ist teurer. Deshalb müssen wir den Qualitätsunterschied gegenüber dem Ausland halten.» Schweizer Fleisch müsse geschmacklich besser sein und sich auch von der Haltung her vom Ausland abheben.