Altishofer Gemeindepräsident: «Den richtigen Zeitpunkt für den Abgang habe ich nicht verpasst»

Fast 20 Jahre lang war Urs Kaufmann (CVP) Gemeindepräsident von Altishofen. Jetzt tritt er ab – und dies nicht ohne Wehmut.

Ernesto Piazza
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Ist mit seiner Heimat tief verbunden: Altishofens langjähriger Gemeindepräsident Urs Kaufmann.

Ist mit seiner Heimat tief verbunden: Altishofens langjähriger Gemeindepräsident Urs Kaufmann. 

(Bild: Dominik Wunderli, Altishofen, 4. Dezember 2019)

Nach 19 Jahren und vier Monaten ist Schluss. Der Altishofer Gemeindepräsident Urs Kaufmann (62, CVP) leitete unlängst seine letzte Gemeindeversammlung. Und diese war zugleich die erste der vereinigten Gemeinde Altishofen und Ebersecken, die per 1. Januar Tatsache wird. «Ich danke allen, die mich während dieser Zeit in irgend einer Form unterstützt haben», sagte er und es war unschwer festzustellen: Seine Worte klangen nicht völlig frei von Emotionen.

Einige Tage später, sitzt derselbe Politiker im altehrwürdigen Gartensaal des Schlosses Altishofen. Dieser war über all die Jahre mit sein berufliches Zuhause. Kaufmann lächelt, während er resümiert:

«Es ist ein schöner Lebensabschnitt, eine bewegte, aber auch bewegende Zeit gewesen.»

Und schnell wird deutlich: Da sitzt einer, der politisch mit sich im Reinen ist. In Altishofen geboren, zog es Kaufmann nur einmal – für einen dreijährigen Abstecher nach Zürich – weg von der Heimatgemeinde. In seinem Dorf haben den verheirateten zweifachen Familienvater die Schul- und Jugendzeit, die Fasnacht – fast 20 Jahre war er bei der Guuggenmusig Schlossruugger aktiv dabei – und viele Freunde gehalten und geprägt. Und wenn er von Altishofen spricht, schätzt er ebenfalls, dass das Dorf frei von Durchgangsverkehr ist, Luzern, Basel, Bern und Zürich praktisch vor der Haustüre liegen. «Trotz viel Industrie in Autobahnnähe hat die Gemeinde ihren ländlichen Charakter mit dem historischen Dorfkern und dem Schloss als eigentlichem Wahrzeichen behalten können.»

Während Kaufmanns Präsidialzeit ist Altishofen um rund 350 auf knapp 1600 Einwohner gewachsen. Das sei eine vernünftige Entwicklung. Zwar ist die Kommune keine Auszonungsgemeinde, hingegen aber eine Kompensationsgemeinde. Das heisst: In Altishofen darf aktuell kein Land eingezont werden, es obliegen aber auch keine Flächen einer Auszonung. Und daher sagt er: «Die Gemeinde wird sich gemächlich entwickeln.» Ein jährlicher Wachstum bis ein Prozent reichte. Man müsse zum Dorf Sorge tragen. «Verdichten ja, wo es Sinn macht, aber mit einem gesunden Augenmass.»

«Natürliche Abgänge genutzt, um zu optimieren»

In seinen knapp 20 Präsidialjahren hat Kaufmann diverse Herausforderungen meistern müssen. Eine echte Challenge seien die Diskussionen in Bezug auf die Erweiterung einer Natelantenne im Dorf gewesen. Die Ablösung des langjährigen Gemeindeschreibers Niklaus Haas beschreibt er als «längeren, aber guten Prozess». «Wir haben natürliche Abgänge auch genützt, um Prozesse und Abläufe zu optimieren», erklärt Kaufmann. So hat Altishofen das Gemeindeführungsmodell überarbeitet. Und seit August 2016 ist die Gemeinde Bestandteil des Regionalen Bauamts, mit Sitz in Dagmersellen. Bauliche Veränderungen wie diejenigen im Klösterli oder bei der Schule fielen mit in seine Präsidialzeit. Ein spezielles Highlight will Kaufmann aber nicht herausstreichen. Vielmehr sagt er:

«Ich durfte all die Jahre im Gemeinderat in einem guten Team politisieren und in einer Gemeinde wohnen, die uns Ratsmitglieder getragen hat.»

Er habe immer das Gefühl gehabt, in unterschiedlichen Konstellationen zwar, aber stets gemeinsam unterwegs zu sein. Und so redet der Wirtschaftsinformatiker, welcher in einem einheimischen KMU für die IT tätig ist, auf kommunaler Ebene von «keinen schwierigen Momenten». Mehr Mühe bereiteten ihm hingegen Entscheide «auf höheren Stufen». Als Bund und Kanton beispielsweise aus Spargründen finanzielle Mittel für Pro Senectute Schweiz oder für die Beförderung von Behinderten (Tixi Taxi) wegstrichen. «Dafür aufzukommen, überliess man einfach den Gemeinden», erklärt Kaufmann.

Wenn man bedenkt, dass die Firmen in Altishofen einen nicht geringen fiskalen Beitrag leisten, hat die Halbierung der Unternehmenssteuern die Kommune sehr hart getroffen. «Diese Massnahme war gleichbedeutend mit dem Verlust von drei Steuerzehntel», erinnert sich der abtretende Gemeindepräsident. Kompensiert hat Altishofen dieses finanzielle Loch mit zuvor geschaffenen Reserven. «Wir versuchten möglichst vorausschauend, Ereignisse und deren Folgen proaktiv zu begegnen», so Kaufmann. Als Folge musste Altishofen im besagten Fall aber trotzdem die Steuern noch um einen Zehntel erhöhen.

Die grössten Veränderungen während seiner Präsidialzeit stellt er bei der Arbeitsweise fest. Früher habe er sich für die Vorbereitung von Sitzungen jeweils auf die Verwaltung begeben müssen. Für die Gemeinderatstermine lagen dort die Akten zwei Tage vorher auf. Er machte Handnotizen. «Heute kann ich alles von Zuhause aus erledigen. Das erleichtert Arbeit und Zeitmanagement».

Fusion mit Ebersecken sein grösstes Projekt

Sein letztes und zugleich grösstes Projekt während seiner knapp 20-jährigen Amtstätigkeit war die Fusion mit Ebersecken. Und bei dieser herausfordernden «Kiste» war für ihn von Beginn weg klar: «Ich wollte Hand für eine gute Lösung bieten und ein Teil davon sein.»

Bei all seinen persönlichen Entscheiden war für ihn die Kontinuität im Gemeinderat sein wichtigstes Credo. Die verschiedenen Gespräche beurteilt er als «ausgesprochen gut, offen und sachlich». Den Zusammenschluss sieht er aus heutiger Sicht «ganz klar positiv». Und er sei überzeugt, dies auch in fünf bis zehn Jahren noch sagen zu können. «Doch das soll dann mal die Geschichte beurteilen.» Seinem Nachfolger in der fusionierten Gemeinde Altishofen, dem ehemaligen Ebersecker Ratspräsidenten Thomas Roos (CVP), will er keine Tipps mit auf den Weg geben. «Erstens hat er als Gemeindepräsident bereits Erfahrung, zweitens pflegt jeder seinen eigenen Führungsstil.» Drittens sei er aber offen, wenn sein Ratschlag doch mal gefragt sein sollte.

Jetzt freut sich Kaufmann aber, Verantwortung abgeben zu dürfen. Es habe den einen oder andern Moment gegeben, wo er nicht so gut geschlafen habe, gibt er zu. Vielmehr würden ihm aber die «guten und inspirierenden Kontakte» fehlen. Der Altishofer Gemeindepräsident hat immer mit viel Herzblut politisiert. Daher ist dieser Abschied ebenfalls mit Wehmut verbunden:

«Ich darf aber behaupten, den richtigen Zeitpunkt für einen Abgang nicht verpasst zu haben.»

Sein Interesse an der Politik wird – wenn auch nicht mehr aktiv – bleiben. Die mit dem Schritt gewonnene Freizeit will er geniessen, sie auch vermehrt in die Hobbys, Ski- und Töfffahren sowie ins Reisen, investieren. «Und ich wäre nicht abgeneigt, noch mal was komplett anderes zu machen. Etwas, das nicht mit Politik oder Informatik zu tun hat.» Was, lässt Kaufmann offen.

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