Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ALTSTADT: Anerkennungspreis für gute Vermieter?

Hausbesitzer, die sich für einen gesunden Branchenmix einsetzen, sollen belohnt werden. Die Idee eines «Vermieter-Preises» stösst bei der Stadt auf offene Ohren.
Die Moser Uhren Bijouterie: Eines der letzten lokalen Uhren-Familiengeschäfte in der Luzerner Altstadt. (Bild Nadia Schärli)

Die Moser Uhren Bijouterie: Eines der letzten lokalen Uhren-Familiengeschäfte in der Luzerner Altstadt. (Bild Nadia Schärli)

Robert Knobel

Der Branchenmix in der Altstadt wird kontrovers diskutiert. Uhren- und Schmuckfirmen sowie Kleiderboutiquen verdrängen Kleingewerbe wie Restaurants oder Detailhändler. Einer der Gründe für diese Entwicklung: Die horrenden Mieten in der Luzerner Altstadt können sich nur grössere Firmen überhaupt leisten. Würden allerdings alle Hausbesitzer das maximal Mögliche aus ihren Liegenschaften herausholen, gäbe es vermutlich schon heute keine Drogerien, Papeterien oder Cafés mehr in der Altstadt. In der Luzerner Altstadt gibt es nach wie vor viele private Hausbesitzer (Ausgabe vom Samstag). Und etliche von ihnen verzichten freiwillig auf eine Maximierung der Mieteinnahmen – etwa, weil sie lieber ein alteingesessenes Geschäft im Haus haben als eine internationale Modekette. Solche Vermieter sollte man belohnen, finden CVP-Grossstadtrat Albert Schwarzenbach und Bruno Heini, Geschäftsleiter der Confiserie Heini – Letztere betreibt in der Altstadt selber zwei Filialen mit Café, davon eine auf eigenem Grund (Falkenplatz).

Anerkennung statt Geld

Konkret wollen Schwarzenbach und Heini einen Preis für vorbildliche Vermieter lancieren. «Wir wollen diejenigen auf die Bühne heben, die etwas Positives zur Branchenvielfalt beitragen», sagt Albert Schwarzenbach. Es gehe darum, positives Verhalten herauszuheben, statt den Verdrängungskampf aufgrund der ständig steigenden Mietzinse zu bedauern. Der Preis solle dabei nicht in erster Linie ein Geldpreis sein, sondern eher symbolischen Charakter haben. Vergeben könnte den «Vermieter-Preis» beispielsweise der städtische ALI-Fonds. Dieser wird pro Jahr mit 250 000 Franken mit Einnahmen aus Parkgebühren gespiesen und unterstützt Projekte zur Attraktivierung der Innenstadt.

In der Luzerner Bevölkerung ist der Branchenmix immer dann ein grosses Thema, wenn wieder ein Geschäft in der Altstadt schliesst. So etwa jüngst Musik Hug am Kapellplatz. «Es besteht die Gefahr der Einöde», sagt Bruno Heini. Noch sei die Situation zwar nicht dramatisch – es gebe nach wie vor eine erfreuliche Vielfalt von Branchen in der Altstadt. Doch der Trend zur Verarmung der Vielfalt komme schleichend.

Stadtrat muss den Mix überwachen

Der Branchenmix war kürzlich auch im Stadtparlament ein Thema, als es um die Umgestaltung des Grendels und des Löwengrabens ging. So befürchteten einige Parlamentarier, durch eine bauliche Aufwertung des Löwengrabens würden dort die Immobilienpreise steigen – mit der Folge, dass sich die teure Uhrenmeile vom Grendel weiter ausdehnt Richtung Löwengraben. Die Baukommission des Stadtparlaments forderte deshalb, dass die Stadt den Branchenmix in der gesamten Altstadt langfristig beobachten soll. Der Antrag wurde allerdings im Parlament abgeschwächt – der Stadtrat muss zwar ein Monitoring über den Branchenmix einleiten, aber nur für Grendel und Löwengraben.

Aktiv in den Markt eingreifen kann die Stadt selbstverständlich nicht, wie auch Stadtpräsident Stefan Roth gegenüber unserer Zeitung betonte. Doch die Stadt könne mit den Liegenschaftsbesitzern das Gespräch suchen, sie fürs Thema Branchenmix sensibilisieren. Das versucht der Stadtrat, indem er Anfang September alle Liegenschaftsbesitzer in der Altstadt zu einem Treffen einlädt. Man wolle die «Bedürfnisse und Anliegen besser kennen lernen», wie es im Schreiben von Stadtpräsident Stefan Roth an die Eigentümer heisst. Doch sind diese Bedürfnisse überhaupt mit dem Wunsch vieler Luzerner, eine vielfältige Altstadt zu haben, vereinbar? Zumal gerade grosse Immobilienbesitzer wie Pensionskassen auch eine Verantwortung gegenüber ihren eigenen Kunden haben, die Liegenschaften möglichst rentabel zu bewirtschaften. «Selbst Pensionskassen haben einen gewissen Spielraum, um individuelle Wertvorstellungen einzubringen», findet Albert Schwarzenbach.

Es geht nicht nur um Mietzinse

Dem städtischen Wirtschaftsbeauftragten Peter Bucher gefällt die Stossrichtung eines «Vermieter-Preises», und er findet die Idee positiv. Die Attraktivierung der Innenstadt sei für die Stadt ein zentrales Anliegen. «Ein solcher Preis kann helfen, eine Diskussion anzuregen», sagt Peter Bucher. Es wäre allerdings noch zu definieren, welche Leistungen mit dem Preis genau ausgezeichnet werden soll. «Der richtige Branchenmix ist je nach Standort verschieden und nicht allein von günstigen Mietzinsen abhängig», sagt Bucher. Und es gehe nicht darum, einfach möglichst viele verschiedene Branchen vor Ort zu haben. Vielmehr brauche es Angebote, die auch aus Sicht der Kunden zueinander passten und so die Geschäfte von der jeweiligen Laufkundschaft der anderen Geschäfte profitieren liessen. Ein gesunder Branchenmix basiert also nicht allein auf Vielfalt, sondern auf einem komplexen Zusammenspiel verschiedenster Interessen. Komme hinzu, dass der Branchenmix nur ein Kriterium für eine attraktive Innenstadt sei, so Peter Bucher: «Bewohner der Altstadt haben wohl andere Ansprüche an die Liegenschaftsbesitzer als ein Tagesgast aus dem In- und Ausland.»

Daher müsste man auch klären, wer denn einen allfälligen Preis vergeben soll, sagt Peter Bucher. Gemäss Bucher kann das nicht der ALI-Fonds im Alleingang durchführen. Er könnte sich viel eher eine möglichst breite Trägerschaft von Detailhandel, Mietern und Liegenschaftsbesitzern bis hin zu Quartiervereinen und Wirtschaftsorganisationen vorstellen.

Zürcher Bahnhofstrasse mehr als dreimal teurer als Weggisgasse

Eine Studie des Beratungsunternehmens Wüest & Partner über die Einkaufsmeilen in der Schweiz kam 2010 zum Schluss: Im nationalen und internationalen Vergleich ist die Luzerner Altstadt vergleichsweise günstig. Die Studie hat die Spitzenpreise an den Top-Einkaufsmeilen in ausgewählten Städten untersucht. Zuoberst steht dabei die 5th Avenue in New York mit fast 20 000 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Die Zürcher Bahnhofstrasse bringt es auf 6800 Franken, während die Spitzenpreise an der Luzerner Weggisgasse 1880 Franken betragen.

Doppelt so viele Luxusmarken in Luzern

Die Studie untersuchte auch die Branchenstruktur. An den Haupt-Einkaufsachsen in der Luzerner Altstadt waren vor fünf Jahren 21 Prozent der Verkaufsfläche von internationalen Ketten besetzt. Dieser Wert liegt leicht unter dem Schweizer Durchschnitt. 40 Prozent waren nationale Ketten – was etwa dem nationalen Durchschnitt entspricht. Die Präsenz von Luxusmarken war mit 11 Prozent in Luzern doppelt so gross wie im Schweizer Schnitt.

Die Studie beobachtet einen klaren Trend zur «Filialisierung» in der Schweiz. Das bedeutet: Grosse nationale und internationale Ketten breiten sich auf Kosten von lokalem Gewerbe aus. Von Verhältnissen in manchen Metropolen, wo über 90 Prozent der Verkaufsflächen von Ketten besetzt sind, sei man aber noch weit entfernt, halten die Autoren der Studie fest. Und was wird verkauft? 40 Prozent der Fläche werden in Luzern gemäss der Studie von Modegeschäften besetzt. Lediglich rund 10 Prozent der Fläche sind Uhren- und Schmuckgeschäfte. Das ist deutlich weniger als etwa in Lugano oder Genf.Studie:

Die Studie zu den Einkaufsmeilen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bonus

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.