Am Freitag demonstrieren in der Stadt Luzern Schuhe fürs Klima – was steckt dahinter?

Da sich die Klima-Aktivisten derzeit nicht auf der Strasse versammeln können, lassen sie stattdessen ihre Schuhe sprechen. Die Aktion sei zwar nicht bewilligt, entspreche aber den Coronavorschriften des Bundes, sagt einer der Organisatoren.

Simon Mathis
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Carlo Schmid von Klimastreik Zentralschweiz

Carlo Schmid von Klimastreik Zentralschweiz

Am Freitag stellt die Organisation Klimastreik Zentralschweiz in der Stadt Luzern eine sogenannte «Schuhdemo» auf die Beine. Die Idee dahinter: Die Demonstranten erscheinen aufgrund der Coronakrise nicht persönlich, sondern lassen stellvertretend ihre Schuhe demonstrieren. Die Demo erfolgt im Rahmen der schweizweiten Aktion «Challenge for Future». Was dahinter steckt, erläutert Carlo Schmid, Aktivist beim Klimastreik, im Interview.

Eine Demo zu Zeiten von Corona – bringt's das?

Eine berechtigte Frage. Wir sind der Meinung, dass die Demokratie auch während der Coronakrise nicht schlafen sollte. Auch das Schweizer Parlament tagt wieder. Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit haben, ihre Meinung auszudrücken.

Wie lautet die Meinung in diesem Fall?

Konkret fordern wir, dass die wirtschaftlichen Massnahmen gegen die Coronakrise nicht die Klimakrise verschärfen. Gerade die Unterstützung der Flugbranche hätte mit Auflagen verknüpft werden sollen, wie es etwa in Frankreich geschehen ist. Das Parlament hat hier eine entscheidende Chance verpasst. Wir müssen ökologisch aus der Krise kommen.

Die Schuhdemo erfolgt ohne Bewilligung. Weshalb?

Wir haben die Stadt Luzern um keine Bewilligung ersucht, da wir ohnehin keine erhalten hätten. Das zeigt unsere Erfahrung. Denn wir haben in einer anderen Gemeinde bereits eine Absage erhalten. Die Begründung ist klar: Die Behörden fürchten, dass es zu einer Menschenansammlung kommt.

Ist das denn ausgeschlossen?

Wir verhindern das, indem wir den Ort und die Zeit der Aktion geheim halten. Es werden nur fünf Aktivistinnen und Aktivisten auf dem öffentlichen Platz sein. Sie verteilen die Schuhe, die vorgängig bei uns abgegeben werden. Wir halten die Abstandsregeln und Hygienemassnahmen des Bundesamtes für Gesundheit jederzeit ein. Und natürlich ist die Demo komplett friedlich und gewaltfrei.

Ist es nicht paradox, eine geheime Demo zu veranstalten?

Klar, die Sichtbarkeit der Aktion ist stark eingeschränkt. Es ist das Beste, was wir tun können; mehr ist zurzeit nicht möglich. Einige Passantinnen und Passanten bekommen die Schuhe sicher zu sehen. Ausserdem halten wir die Demo fotografisch und filmisch fest – und streuen sie über die sozialen Medien.

Wie viele Schuhe erwarten Sie?

Das ist schwierig abzuschätzen. Ich bin optimistisch und gehe von 50 bis 100 Schuhen aus.