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Am Jodlerfest ist er mehrmals am Start

Alphornbläser Josef Erni (89) (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Alphornbläser Josef Erni (89) (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

mit Josef Erni (89), Alphornbläser

Josef Erni (89) hat mit 64 zum ersten Mal in ein Alphorn geblasen. Dann hat es ihm den Ärmel reingezogen. Der frühere Landwirt nimmt jedes Jahr an mindestens einem Jodlerfest teil. In Schüpfheim tritt er mit vier Formationen an. Zweimal im Duo, mit seinem Sohn Andreas und mit Willi Marti aus Willisau – und zweimal mit Grossformationen: Der Alphorngruppe Dagmersellen und der Alphornbläsergruppe Santenberg. Warum eine kräftige Puste nicht so wichtig ist wie man denkt, und warum seine Frau manchmal mit ihm schimpft, erzählte uns der Musiker letzte Woche.

Andere Männer denken mit 64 an den Ruhestand. Sie aber haben mit dem Alphornblasen begonnen. Kann man sagen, dass Sie ein Spätzünder sind?

Josef Erni: Wenn sie so wollen, war ich schon spät dran. Das sind aber noch viele Alphornbläser.

Warum wählten Sie ausgerechnet dieses riesige Instrument?

Erni: Das Alphorn war zur Zeit, als ich mich dafür entschied, nicht so populär. Mein Sohn Andreas bat mich Ende 1990, dass ich zusammen mit ihm in einem Alphorn-Duo am Zentralschweizerischen Jodlerfest im Juli 1991 in Engelberg auftrete.

Sie zögerten damals nicht lange. Hatten Sie Angst, dass Ihnen langweilig wird als Rentner?

Erni: Nein, dass mir langweilig wird, war nie die Gefahr.

Sie spielten zuvor nie Alphorn?

Erni: Nein. Alphorn nicht. Ich war jedoch 60 Jahre lang aktives Mitglied im Musikverein Ruswil. Seit meiner Jugend spielte ich Flügelhorn, danach Bariton. Eine gewisse Voraussetzung brachte ich deshalb schon mit.

Wie lange hatten Sie Zeit, vom Moment der Zusage an bis zum Auftritt am Jodlerfest?

Erni: Ein halbes Jahr. Ich musste mich zuerst bemühen, möglichst rasch zu einem Alphorn zu kommen.

So auf die Schnelle. Wurden Sie rasch fündig?

Erni: Eigentlich schon. Aber mit Kompromissen. Beim Emmenegger Julius in Eich wollte ich ein Occasion-Alphorn kaufen. Der hatte aber keines auf Lager – und ein neues konnte er mir in der Zeit bis zum Jodlerfest nicht anfertigen. So kaufte ich an einem anderen Ort eines ab der Stange.

Was offensichtlich auch kein schlechtes Instrument war. Am Jodlerfest schnitten Sie damit ja recht ordentlich ab.

Erni: Ja, wir waren sehr zufrieden. Wir holten die Note 1.

Eigentlich fast frech, dass Sie als Anfänger dermassen gepunktet haben, nicht wahr?

Erni: Wir nutzten unsere Zeit intensiv. Damals hatte ich den Hof bereits einem meiner Söhne abgegeben und deshalb genug Zeit, mich vorzubereiten. Und wie gesagt, hatte ich als Bläser im Musikverein musikalisch einige Vorteile. Ein Anfänger war ich musikalisch gesehen nicht.

Sie leben seit zirka einem Jahr in einem Mehrfamilienhaus und sind fleissig am proben. Üben Sie etwa in Ihrer Wohnung im zweiten Stock?

Erni: Meine Frau schimpft manchmal schon ... (lächelt schelmisch)

Die Frage meinte ich eigentlich als Scherz.

Erni: Nein, im ernst. Aber ich schliesse meistens die Fenster.

Da werden sich die Nachbarn, die nicht in Ihrem Haus wohnen, aber freuen. Und das funktioniert?

Erni: Es tönt nicht immer optimal. Beim Einüben von Melodien kann es manchmal schon etwas langweilig tönen. Mit den Grossformationen übe ich für ein Fest aber schon im Freien.

Sie sprechen es an. Sie tanzen ja in Schüpfheim gleich auf mehreren Hochzeiten. Warum sind Sie in vier Formationen?

Erni: Weil ich den Plausch am Alphorn habe, und weil ich Zeit habe.

Weil Sie Zeit haben? Ich wollte Sie als Nächstes fragen, ob Sie das Paradebeispiel des Pensionärs sind, der nie Zeit für irgendetwas hat – ausser eben für Ihre Musik?

Erni: Man könnte fast denken dass es so ist ...

Für Ihre Frau nehmen Sie sich aber auch noch etwas Zeit?

Erni: Ja. Sie hat mich auch ab und zu auf die Jodlerfeste und auch auf Konzerte begleitet – und sie hat sogar versucht, zu spielen. Aber jetzt ist sie 90 und rennt mir nicht mehr überall hinterher.

Es ist ja auch schwierig, mit Ihnen mitzuhalten. Spielen Sie mit 89 eigentlich noch so gut wie ein junger Alphornbläser?

Erni: Es ist ein eine glückliche Fügung und keine Selbstverständlichkeit, dass man sich in diesem Alter einer guten Gesundheit erfreuen kann. Dank meiner Gesundheit und der langjährigen musikalischen Ausbildung und Tätigkeit im Musikverein, ist es mir heute noch möglich, Alphorn zu spielen. (Josef Erni beginnt eine Melodie zu singen, und erklärt dann, dass das Alphorn ein Naturton-Instrument sei. Die Tonreihe umfasse 16 Naturtöne.)

Welche Ziele verfolgen Sie am Jodlerfest in Schüpfheim?

Erni: Wir hoffen, dass uns die eingespielten Alphornmelodien vor der Jury gut gelingen, dass wir dafür eine gute Note erhalten, und somit ein fröhliches Jodlerfest erleben können.

Und wie lange wollen Sie noch dermassen aktiv sein?

Erni: So lange ich Freude habe an der Musik, blase ich noch Alphorn. Wenn die Leute das Gefühl haben, ich müsse damit aufhören, dann lasse ich es bleiben – oder vielleicht besser etwas vorher.

Wie schwer ist so ein Alphorn?

Erni: Nicht so schwer. Das Alphorn ist ausschliesslich aus Holz gefertigt, auch das Mundstück. Und es ist hohl.

Tragen Sie Ihr Alphorn immer selber?

Erni: Natürlich, auch wenn es etwas unhandlich ist.

Warum gaben Sie als eingefleischter Blechbläser im Musikverein die Mitgliedschaft ab und haben stattdessen auf Holz gewechselt?

Erni: Der Aufwand im Verein und mit dem Alphorn wäre mir dann doch zu gross gewesen. 60 Jahre Aktivzeit sind ja eine schöne Zahl. Ich habe viel persönlichen Einsatz geleistet und erlebte grosse Befriedigung. Es war ein guter Zeitpunkt, um abzugeben.

Wie schaffen Sie es, mit 89 immer noch ausreichend Puste für ein Alphorn zu haben?

Erni: Es ist eben nicht wie viele Leute denken. Nämlich, dass man zum Alphornblasen in erster Linie viel Luft braucht. Bei diesem Instrument ist die Blastechnik entscheidend. Gottlob konnte ich mir im Verlauf der Jahre eine ansprechende Atemtechnik angewöhnen. Eine gute richtige Atemtechnik ist wie beim Gesang das A und O.

Roger Rüegger

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