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AM-RHYN-HAUS: Altstadt-Bijou wird endlich gerettet

Ein wichtiger «Zeuge der Stadtgeschichte» wird für 6 Millionen Franken saniert. Nachher soll der ehemalige Sitz des Picasso-Museums zumindest teilweise öffentlich werden.
Bei ersten Notsanierungsmassnahmen im Am-Rhyn-Haus wurden in einigen Räumen Wände geöffnet, um die Streben zu verstärken. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. März 2017))

Bei ersten Notsanierungsmassnahmen im Am-Rhyn-Haus wurden in einigen Räumen Wände geöffnet, um die Streben zu verstärken. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. März 2017))

Hugo Bischof
hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Es steht an bester Lage in Luzerns Altstadt, direkt neben dem Rathaus. Der Eingang liegt etwas verschämt in der engen, dunklen Furrengasse. Die Rede ist vom historischen Am-Rhyn-Haus. Bis 2008 war hier das Picasso-Museum einquartiert. Seit dessen Überführung ins Rosengart-Museum steht das Am-Rhyn-Haus weitgehend leer – ausser der Nutzung durch das Restaurant Rathaus-Brauerei im Kellergeschoss, mit Zugang unter der Egg.

Nun sollen auch die oberen Stockwerke zumindest teilweise wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Doch zuvor muss das Am-Rhyn-Haus aufwendig saniert werden. Der Stadtrat rechnet dafür mit Kosten von 6 Millionen Franken. Das Stadtparlament soll darüber am 11. Mai befinden.

Massive Schädigung der Tragstruktur

Das Vorderhaus des Gebäudes an der Furrengasse wurde zwischen 1616 und 1618 erbaut. Bewohnt wurde es zuerst von Schultheiss Walter am Rhyn (1570–1635), danach von dessen Nachfahren. Es gilt als eine der kunstgeschichtlich wichtigsten Profanbauten im Stil der Renaissance und ist als einzige in Luzern als Ganzes erhalten. Das reussseitige Hinterhaus wurde 1707 bis 1710 weitgehend neu erbaut und 1785/1786 im damals zeitgemässen Louis-XVI-Stil fast vollständig neu ausgestattet. Der Zahn der Zeit hat am denkmalgeschützten Bau arg genagt. Abblätternde Farben und abbröckelnder Putz sind noch die geringsten Schäden. Gravierender ist die massive Schädigung der Tragstruktur. Es gibt Risse in den Balken. Decken hängen um mehrere Zentimeter durch. Türen lassen sich nicht mehr öffnen, weil der Druck von oben und von den Seiten zu gross ist.
«Es ist tatsächlich so, dass an einigen Stellen im Gebäude Einsturzgefahr drohte», sagte Nicole Pfeiffer, Projektleiterin Immobilien in der Stadtverwaltung, gestern bei einer Führung durch das Haus. Um die Statik des Gebäudes zu sichern, wurde von Ende Mai 2016 bis Anfang 2017 für 1,2 Millionen Franken eine erste Notsanierung durchgeführt.

«Ruppiger Umgang mit Denkmälern»

Zurzeit ist das Am-Rhyn-Haus im Innern eine grosse Baustelle. Zur Durchführung der Notmassnahmen mussten Böden geöffnet und Wände aufgerissen werden. Zudem wurden unter anderem dicke Stahlträger eingebaut. «Nun sind weitere Sanierungen notwendig, um die kunsthistorisch wertvolle Substanz des Gebäudes und seiner Ausstattung zu erhalten», sagt Stadträtin und Baudirektorin Manuela Jost.

Laut Nicole Pfeiffer entstanden Schäden auch dadurch, dass bei der letzten Sanierung 1977/78 unter anderem eine Tür im Untergeschoss entfernt wurde, «die im Lauf der Jahrhunderte eine tragende Funktion übernommen hatte». Zudem seien durch den Einsatz von Gasbrennern die historisch wertvollen Kachelöfen erheblich beschädigt worden. «Damals ging man mit vielen Denkmälern eher ruppig um», bedauert Pfeiffer.

Die jetzigen Kosten für den Substanzerhalt betragen 4,5 Millionen Franken. Dazu gehört unter anderem die Restaurierung der Parkettböden aus der Umbauphase von 1785/1786. Dazu kommen rund 1,5 Millionen Franken, um das Am-Rhyn-Haus für zukünftige Nutzungen bereitzumachen. Teil davon ist der Einbau eines Lifts für die Behinderten-Zugänglichkeit, der allein 650 000 Franken kostet.

Künftig Hochzeitsapéros und Geburtstagsfeiern

Im historischen Haus, insbesondere im prächtigen Festsaal im dritten Obergeschoss, sollen wie bisher formelle Anlässe und Empfänge des Stadtrats stattfinden. Zusätzlich soll es im Am-Rhyn-Haus künftig eine begrenzte öffentliche Nutzung geben. «Hip-Hop-Partys wird es im Am-Rhyn-Haus sicher nicht geben», sagt Stadträtin Manuela Jost. Möglich sein sollen aber private Anlässe wie Hochzeitsapéros oder Geburtstage, aber auch Lesungen und kulturelle Veranstaltungen. Dafür können einzelne Räume gemietet werden.

Gerade was Hochzeitsapéros betrifft, werden Synergien mit dem angrenzen Rathaus möglich.
Zurzeit werden dort jeden Freitag durchschnittlich sieben Paare getraut. Das sind jährlich zirka 350 Trauungen. «Für die anschliessenden Apéros gibts im Rathaus schlicht keinen Platz», so Jost. «Da ist das Am-Rhyn-Haus eine willkommene Ergänzung.» Zudem soll die Bevölkerung an Tagen der offenen Tür das Gebäude besichtigen können.

335 000 Franken Ertrag – auch dank Büronutzung

Das Untergeschoss soll wie bisher durch die Rathaus-Brauerei genutzt werden. Künftig werden aber das erste und zweite Obergeschoss des Vorderhauses an der Furrengasse für eine Büronutzung oder Ähnliches zur Verfügung stehen. Durch die verstärkte Vermietung des Gebäudes erhofft der Stadtrat sich künftig jährliche Erträge von 335 000 Franken. Verschiedene Räume bleiben als Gedenkzimmer den Luzerner Persönlichkeiten Kuno Müller, Cécile Lauber, Anton von Segesser und Carl Spitteler gewidmet. Vorausgesetzt, das Stadtparlament stimmt der Vorlage im Mai zu, soll das Am-Rhyn-Haus im Frühjahr 2019 fertig saniert sein.

Das denkmalgeschützte Am-Rhyn-Haus wird für sechs Millionen Franken saniert. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. März 2017))

Das denkmalgeschützte Am-Rhyn-Haus wird für sechs Millionen Franken saniert. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 31. März 2017))

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