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Ambitiöser Zeitplan für den Neubau des Kinderspitals in Luzern

Dass ein Neubau des Kinderspitals nötig ist, wurde schon vor Jahren erkannt. Ein entsprechendes Projekt scheiterte aber. Nun soll die neue Kinderklinik bereits 2025 definitiv stehen – und vereint die Behandlung von Neugeborene, Kindern und Frauen.
Yasmin Kunz
Spitaldirektor Benno Fuchs, Corina Christmann von der Frauenklinik, Thomas Neuhaus vom Kinderspital und Spitalratspräsident Ulrich Fricker vor dem jetzigen Kinderspital am Standort Luzern. Bild: Dominik Wunderli (13. Februar 2019)

Spitaldirektor Benno Fuchs, Corina Christmann von der Frauenklinik, Thomas Neuhaus vom Kinderspital und Spitalratspräsident Ulrich Fricker vor dem jetzigen Kinderspital am Standort Luzern. Bild: Dominik Wunderli (13. Februar 2019)

Ein Spitalgebäude hat einen Lebenszyklus von gut 30 Jahren. Beim Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals (Luks) ist dieser längst überschritten. Die Immobilie ist seit 1971 in Betrieb. Schon alt Regierungsrat Markus Dürr (CVP) hat während seiner Amtszeit darauf hingewiesen, dass ein Neubau zwingend ist, weil das Gebäude unter Abnutzungserscheinungen leidet und die Platzverhältnisse eng sind.

Das Prozedere hat allerdings noch Jahre gedauert und ein fortgeschrittenes Projekt wurde 2010 sistiert. Dies, weil der Spitalrat zur Erkenntnis kam, dass der Neubau bereits bei Baubeginn deutlich zu klein gewesen wäre und weil es zudem sinnvoller sei, die Kinderklinik im Rahmen der gesamten 900 Millionen Franken teuren Osterweiterung des Luzerner Kantonsspitals zu realisieren – und nicht als Einzelprojekt.

2022 sollen auf dem Luks-Areal die Bagger auffahren

Nun stehen die Neubaupläne für das Kinderspital fest, in welchem Patienten aus der ganzen Zentralschweiz behandelt werden. An einer Medienkonferenz haben Luks-Direktor Benno Fuchs, Spitalratspräsident Ulrich Fricker, Spitalrat und FDP-Nationalrat Peter Schilliger sowie Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) die Pläne gestern vorgestellt. Der Fahrplan für den Neubau ist ambitiös, darin sind sich alle Involvierten einig.

Denn schon 2025 soll das neue Kinderspital in Betrieb genommen werden. Im März dieses Jahres wird der Architekturwettbewerb ausgeschrieben und im Sommer 2020 soll der Sieger feststehen. Der eigentliche Bau startet voraussichtlich 2022. Dennoch, man ist zuversichtlich, dieses Projekt innert der vorgegebenen Zeit realisieren zu können. Das sagt jedenfalls Pius Jenni, Leiter Bau und Architektur am Luks – er hat schon etliche Bauprojekte geführt und begleitet. Und für Spitaldirektor Benno Fuchs ist der Neubau eine Herzensangelegenheit, wie er schon früher betonte.

Nicht nur der Zeitplan ist ambitiös, auch der Bau an sich weicht stark von den ursprünglichen Plänen ab. Künftig sollen sich das Kinderspital und die Frauenklinik Tür an Tür befinden. Spitalrat Peter Schilliger sagt dazu: «Ein losgelöstes Kinderspital ist nicht zweckdienlich.» Eine räumliche Anbindung vom Kispi an die Frauenklinik sei künftig zwingend, wenn man im heutigen Spitalmarkt mithalten wolle. Zudem sei eine solche Zusammenführung auf dem bestehenden Spitalareal «gut möglich».

Tür an Tür-Variante vermeidet Transporte

Heute ist es so, dass die beiden Kliniken rund 200 Meter auseinanderliegen. Das heisst: Kommt in der Frauenklinik ein krankes Neugeborenes zur Welt, welches von einem Kinderarzt behandelt werden muss, ist ein Transport durch die unterirdischen Gänge nötig. Genau das will man mit der Tür-an-Tür-Variante vermeiden. Spitaldirektor Fuchs weist zudem darauf hin: «Um das Perinatalzentrum zu zertifizieren, ist dieses ‹Tür an Tür› künftig eine Voraussetzung.» Perinatal umfasst alle medizinischen Behandlungen rund um die Geburt. Das Gebäude soll dereinst östlich des jetzigen Kinderspitals gebaut werden (siehe Grafik).

Bis zu dessen Bezug bleibt das jetzige Kinderspital in Betrieb. Die Nutzungen, die aktuell noch am künftigen Standort untergebracht sind, können innerhalb des Spitalareals umziehen. Für Thomas Neuhaus, der seit 2008 Departementsleiter des Kinderspitals und Chefarzt Pädiatrie ist, sind die Baupläne erfreuliche Nachrichten: «Wir sind das Kinderspital für die ganze Zentralschweiz, können auf universitärem Niveau mithalten und bieten hoch spezialisierte Medizin. Um das auch weiterhin zu ermöglichen, ist dieser Bau, so wie er geplant ist, nötig und richtig.» Das lange Warten habe sich angesichts des Vorhabens gelohnt. Das betont auch Gesundheitsdirektor Guido Graf:

«Auch wenn schon vor Jahren auf einen schnellen Neubau gepocht wurde, ist es richtig und wichtig, dass wir zugewartet haben.»

Mit der aktuellen Gesamtplanung mache der Neubau erst richtig Sinn. Er ist überzeugt: «Der Bau ist sowohl für die Patienten als auch für die Mitarbeiter ein Gewinn.»

Dem schliesst sich Corina Christmann an. Sie ist seit Juli 2018 Chefärztin ad interim und Co-Leiterin an der Frauenklinik. «Wir sind erleichtert über diese Lösung. Uns ist es sehr wichtig, dass beide medizinischen Angebote künftig nahe beieinanderliegen.» Es gebe pro Jahr über 100 Risikoschwangerschaften- und -geburten, bei denen von Beginn weg ein Kinderarzt involviert sein müsse. Es gehe unter anderem auch darum, Synergien zu nutzen. Doch sei es auch wichtig, die Fachgebiete zu vereinen, damit die hohe Qualität der Medizin erhalten und gar gestärkt werden könne.

Kispi: 50'000 ambulante Patienten im Jahr 2018

Die Frauenklinik ist mittlerweile auch schon fast 18 Jahre alt – 2025 werden es gar 25 Jahre sein. Abgerissen wird der Bau jedoch nicht; er soll weiterhin genutzt werden. Wie genau, darüber kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genauen Angaben machen. Die Rede ist derzeit, die bestehenden Ambulatorien – mit der Strategie «ambulant vor stationär» naheliegend –, Bettenstationen oder Operationssäle weiterhin zu nutzen. Das Kinderspital hingegen wird abgerissen.

Bis zum Neubau, so Fuchs, muss als Überbrückung nicht mehr viel saniert werden. In den vergangenen Jahren hat das Luks Bereiche des Kinderspitals immer wieder saniert und mehr Platz geschaffen. Die Paul und Gertrud Fischbacher-Labhardt Stiftung hat einen Operationssaal und einen neuen Aufwachraum im Kinderspital Luzern finanziert. Auch für den bevorstehenden Ausbau der Notfallstation in der jetzigen Kinderklinik kommt sie auf. 2018 wurden im Kispi mehr als 4000 Patienten stationär und rund 50000 ambulant behandelt.

Kinder-und Frauenklinik kostet bis zu 200 Millionen Franken

Ein Knackpunkt im ganzen Prozedere dürfte die Finanzierung sein. Die Kosten für den Neubau Kinderspital/Frauenklinik werden sich voraussichtlich auf 170 bis 200 Millionen Franken belaufen. Und das ist bei weitem nicht das einzige Bauvorhaben: Die Spitäler in Wolhusen und Sursee, beides Aussenstandorte des Luzerner Kantonsspitals, werden in den nächsten Jahren auch durch Neubauten ersetzt. Für Wolhusen gilt ein Kostendach von 110 Millionen Franken, für Sursee können noch keine konkreten Angaben gemacht werde, da bis dato noch unklar ist, wo das Spital dereinst stehen soll (Ausgabe vom Samstag).

Fest steht: Im Finanzplan des Luzerner Kantonsspitals sind für 2025 bis 2028 pauschal 200 Millionen Franken für Gesamtinvestitionen am Standort Sursee eingestellt. In Anbetracht dessen, dass dem Luzerner Kantonsspital mit seinen Standorten pro Jahr zwischen 50 und 60 Millionen Franken für Bautätigkeiten zur Verfügung stehen, ist davon auszugehen, dass man beim Neubau für das Kinderspital auf Spenden angewiesen ist.

Peter Schilliger sagt dazu: «Die meisten Kinderspitäler in der Schweiz werden von Stiftungen subventioniert.» Die Rede ist nicht von Hunderttausenden, sondern von Millionen von Franken. Fest steht zudem: In den vergangenen Jahren konnte der Kanton vom Spitalgewinn jeweils mit bis zu 18 Millionen Franken profitieren. Im Zusammenhang mit den Spitalverbünden (Kantonsspital Nidwalden und allenfalls Kantonsspital Obwalden) würde das Unternehmen in eine als gemeinnützig definierte Aktiengesellschaft überführt. Dabei kann der Kanton Luzern als Alleinaktionär vom Gewinn maximal 1,5 Prozent des Aktienkapitals von 354 Millionen Franken für sich beanspruchen. Bis dato wurden bis zu 5 Prozent des Dotationskapitals als Gewinn an den Kanton zurückgeführt.

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