AMBULANZ: Die Kleinsten sicher ins Spital bringen

Gerade für Frühgeborene ist der Transport ins Kinderspital heikel. Mit einer neuen Spezialambulanz können sie während der Fahrt optimal versorgt werden.

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Ab September werden Neu- und Frühgeborene bei Bedarf in einem speziell für sie eingerichteten Ambulanzwagen ins Kantonsspital Luzern gefahren. (Bild: pd)

Ab September werden Neu- und Frühgeborene bei Bedarf in einem speziell für sie eingerichteten Ambulanzwagen ins Kantonsspital Luzern gefahren. (Bild: pd)

Sarah Weissmann

Rund 150 Früh- und Neugeborene müssen jährlich aus der gesamten Zentralschweiz sowie dem Tessin ins Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals (Luks) verlegt werden. Benötigt ein Neugeborenes in den umliegenden Spitälern also mehr medizinische Hilfe als erwartet, ist es bislang mit der gewöhnlichen Ambulanz nach Luzern transportiert worden. Vor allem für die zu früh geborenen Babys bedeutet ein solcher Transport aber immer Stress.

Aus diesem Grund investiert das Luzerner Kantonsspital 250 000 Franken in eine neue Babyambulanz, die ab September für die heiklen Transporte im Einsatz stehen wird. «Mit der Babyambulanz wird der bestmögliche und schonendste Transport ins Kinderspital gewährleistet», schreibt das Luzerner Kantonsspital in einer Mitteilung.

Speziell geschultes Personal nötig

Nötig wird die Babyambulanz beispielsweise, wenn in der Hirslanden-Klinik St. Anna ein Baby zu früh zur Welt kommt. Da für die Versorgung von kranken Früh- und Neugeborenen speziell geschultes Personal nötig ist, sind die Ärzte der Neo-Intensivstation des Luzerner Kantonsspitals bereits im St. Anna anwesend. «Die Klinik St. Anna unterhält in Zusammenarbeit mit dem Luzerner Kantonsspital einen neonatologischen Dienst rund um die Uhr», erklärt Patric Bürge, Mediensprecher Klinik St. Anna. Den Entscheid für eine Verlegung des Neugeborenen in das Kinderspital würden die in die Behandlung involvierten Ärzte treffen. «Eine Verlegung wird durch den Neonatologen begleitet.» Die Ambulanz komme aber auch dann zum Zug, wenn etwa im Kantonsspital Nidwalden ein Neugeborenes zur Welt komme und das Baby nach der Geburt eine kinderärztliche Dauerversorgung benötige, erklärt Anja Radojewski, Mediensprecherin des Kantonsspitals Nidwalden. Das sei dann der Fall, wenn beispielsweise der Verdacht auf einen Infekt bestehe.

Innerhalb von 5 Minuten parat

Nach Eingang eines Notrufs von einem auswärtigen Spital ist das Team der Neo-Intensivstation im Luks bei Bedarf innerhalb von 5 Minuten bereit. Der grösste Zeitbedarf besteht laut Luks im Fahrtweg. In Zukunft würden all diese Transporte mit der Babyambulanz durchgeführt. Die primäre Erstversorgung der Kinder müsse vor Ort gewährleistet werden, und jede Geburts­klinik müsse diese sicherstellen können.

Der Bedarf steigt

Da die herkömmlichen Rettungsfahrzeuge vorwiegend für die Rettung und Bergung von Kindern und erwachsenen Patienten eingesetzt werden, generiert die Babyambulanz laut Esther Schmid, ärztliche Leitung Rettungsdienst am Luks, einen «wertvollen Mehrwert in der primären Versorgung der Neugeborenen». Die Ambulanz sei gleichwertig mit einer Intensivstation nur halt eben auf Rädern. «Mit der Babyambulanz kann das Luzerner Kantonsspital auf die Bedürfnisse der kleinsten Patienten eingehen», sagt Schmid.

Zudem steige der Bedarf an spezialisierten Fahrten weiter an. «Durch die immer besser werdenden medizinischen Möglichkeiten in der Behandlung von beispielsweise Mehrlingsgeburten, Frühgeburten oder schwangeren Frauen mit schweren Grunderkrankungen gehen wir davon aus, dass solche Einsätze tendenziell zunehmen», sagt Schmid. Denn das Kinderspital des Luzerner Kantonsspitals sei das einzige Kinderspital in der Zentralschweiz, und die Intensivpflegestation betreue als einzige in unserer Region kranke Früh- und Neugeborene. «Die Neue Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals gilt als Kompetenzzentrum für Risikogeburten. Deshalb haben auch die Rettungseinsätze zugenommen.»

Babys sind besser geschützt

Kernstück im Innern der Ambulanz ist die sogenannte Isolette eine Art Brutkasten für Frühgeborene. Sie stellt sicher, dass Neugeborene während der Fahrt warm genug gehalten werden können. «Die Isolette ermöglicht es, jederzeit medizinische Massnahmen vorzunehmen», sagt Schmid.

Die direkte Behandlungsqualität am Neugeborenen selber bleibe medizinisch hochstehend. «Verbessertes Platzangebot sowie die Einzugshilfe für die Isolette wie auch der erhöhte Fahrkomfort gehören zu den Neuerungen.»

Die Isolette wurde laut Esther Schmid bewusst so platziert, dass die Babys quer zur Fahrtrichtung liegen. «Dadurch ist der Säugling optimal bei unvorhergesehenen Bremsmanövern geschützt», sagt Schmid. Ausserdem würden so zwei Personen sitzend den kleinen Patienten gleichzeitig betreuen können. Mit an Bord seien neben dem Rettungssanitäter immer ein Kinderarzt und eine erfahrene Pflegefachperson der Kinderintensivstation.

Weniger Zusatzaufwand

Die neue Babyambulanz ist gemäss Schmid mit modernsten medizinischen Geräten ausgestattet. «Kommt es zu einem lebensbedrohlichen Zustand, steht den Fachpersonen eine eigens konzipierte Behandlungseinheit mit integrierter Wärmelampe zur Verfügung.» Zwar seien Isolettentransporte bereits mit den bestehenden Rettungsfahrzeugen durchgeführt worden. «Zu diesem Zweck musste aber das Rettungsfahrzeug zunächst vorbereitet und mit kinderspezifischem Material ergänzt werden», erklärt Esther Schmid. Dieser Zusatzaufwand falle nun weg, zudem sei mit der neuen Ambulanz ein neuer hochstehender technischer Standard erreicht worden.