An der Diplomfeier der Luzerner Fach- und Wirtschaftsmittelschüler ging es um Da Vinci und Capital Bra

227 Luzerner Fach- und Wirtschaftsmittelschüler konnten am Montag ihr Diplom entgegen nehmen. Die Festredner griffen zu untypischen Vergleichen – mit Rappern und Gelehrten.

Hannes Bucher
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Geschafft: Philip Schumacher (links) und Marco Baumeler hielten eine Rede im Namen der Absolventen. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 1. Juli 2019)

Geschafft: Philip Schumacher (links) und Marco Baumeler hielten eine Rede im Namen der Absolventen. (Bild: Roger Grütter, Luzern, 1. Juli 2019)

Für die 227 Absolventen des Fach- und Wirtschaftsmittelschulzentrums (FMZ) Luzern ist auch nach den Abschlussprüfungen noch nicht fertig geschwitzt. Es war heiss vor dem KKL, am Montagnachmittag, am Tag ihrer Abschlussfeier. Drinnen im Luzerner Saal durfte aber eher die Vorfreude, endlich das angestrebte Diplom in den Händen zu halten, da und dort bei den festlich aufgemachten jungen Leuten für Schweissperlen auf der Stirn gesorgt haben. «Sing» von «My Chemical Romance» trug der FMZ-Chor zu Beginn vor. Darin der Text: «You’ve got to be, what tomorrow needs!» – Sei, was morgen gebraucht wird.

«Genug gelernt für das Leben? Was ist damit gemeint? Was braucht es für morgen?» So fragte Rektor Helmut Bühler die Absolventen, die nun davor stehen, in eine andere Phase eben dieses Lebens aufzubrechen. Die Frage war mehr rhetorisch gemeint – denn: «Wir wollen keine Tests mehr mit Ihnen machen», schmunzelte Bühler. Der FMZ-Rektor gestand zudem: «So genau wissen auch wir Bildungssachverständigen und Lehrpersonen die Antwort auf diese Frage nicht.»

Die gängigen Denkmuster hinterfragen

Bühler erwähnte die Befunde der australischen Sterbebegleiterin Bronnie Ware, welche Menschen am Schluss ihres Lebens befragte, was sie im Nachhinein anders machen würden. Unter den meistgenannten Aspekten: Das eigene Leben leben und auch «nicht zu viel arbeiten, um mehr Zeit für Kinder, Partner und Freundschaften zu haben». Helmut Bühler setzte diesen Ratschlag gleich um. Er forderte die jungen Leute auf, aufzustehen und mit ihren Angehörigen und Freunden im Saal Augenkontakt aufzunehmen, «den Gefühlen freien Lauf zu lassen», so Bühler. «Dies ist eine Investition für die Zukunft», schlussfolgerte er.

Einen spannenden Vergleich stellte auch Festredner Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, zwischen dem Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci und dem Rapper Capital Bra her. Beide hätten sie «Ruhm» und beide seien sie «anders». Beim Rapper sei die andere Fassade aber «ein gemachtes Kunstprodukt». Da Vincis Verstoss gegen die Konventionen sei dagegen echt und ein Bestandteil seiner Wesensart. Aldo Magno lud die Absolventen ein, im Sinne von da Vinci «die gängigen Denkmuster der Gesellschaft zu hinterfragen» und gelegentlich den «Musterbruch» zu wagen. Sein Appell:

«Reiten Sie keine toten
Pferde, steigen Sie ab.»

Auf charmante und originelle Weise hielten mit Philip Schumacher und Marco Baumeler zwei Lernende der Fachmittelschule Rückblick auf «Typisches, Spezielles, Durchschnittliches» des insgesamt «coolen Schulalltags».

Und dann war es so weit: Die begehrten Abschlusszeugnisse und Diplome wurden von den Prorektoren verteilt. Es durfte gejubelt und applaudiert werden.