An der Reuss in Luzern lagert Käse für 30 Millionen Franken

Das grösste Reifelager für Sbrinz befindet sich in Luzern. Als Marketingmassnahme wird der Käsekeller jetzt für öffentliche Führungen geöffnet. Chinesengruppen werden aber wohl keine kommen.

Marc Benedetti
Drucken
Teilen
Die ersten Besucher des Reifekellers an der St. Karlistrasse in Luzern staunen über die vielen Käselaibe. Das Lagergefährt aus Holz wird von Hand betrieben und ist beinahe 100 Jahre alt. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Die ersten Besucher des Reifekellers an der St. Karlistrasse in Luzern staunen über die vielen Käselaibe. Das Lagergefährt aus Holz wird von Hand betrieben und ist beinahe 100 Jahre alt. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Wer mit dem Zug von Luzern wegfährt, sieht rechts an einem Industriegebäude nahe der Reuss den Schriftzug «Sbrinz». Das ist nicht nur eine Werbung. Im unscheinbaren, 1926 erstellten Gebäude, das der Emmi gehört, lagert die gesamte Sbrinz-Produktion der Schweiz. Das sind zeitweise bis zu 60'000 Laibe. Bei einem Einkaufspreis von durchschnittlich 500 Franken pro Laib ab der Käserei ist das Käse im Wert von 30 Millionen Franken.

«Das Reifelager St. Karli ist unser Tresor», sagte Stefan Heller, CEO der Sbrinz Käse GmbH, bei der Besichtigung des Käselagers am Mittwochmorgen. Er habe als gelernter Koch die Lehre im Hotel Palace absolviert und sich oft gefragt, was hinter diesen Mauern vor sich gehe. Ab November kann das nun jeder selbst erfahren, dann wird der Reife-Keller für Besuchergruppen geöffnet.

In 60 Räumen reift der Käse bis zu drei Jahre lang

«Es geht uns nicht darum, Geld damit zu verdienen», sagte Heller, «wir wollen einfach zeigen, was wir haben.» Es gebe kaum ein Lebensmittel, das mehr mit der Zentralschweiz verbunden sei, als der Sbrinz AOP. Man habe im Gegensatz zu anderen Käsesorten auch keine Geheimnisse. «Dafür viel Tradition.»

Stefan Heller, CEO der Sbrinz Käse GmbH, erklärt den Herstellungsprozess des bekannten Innerschweizer Käses. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Stefan Heller, CEO der Sbrinz Käse GmbH, erklärt den Herstellungsprozess des bekannten Innerschweizer Käses. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Im Gebäude reifen in rund 60 Räumen die rund 40 Kilo schweren Laibe zwei bis drei Jahre lang. Sie liegen nicht, sondern stehen in Gestellen aus Weisstannenholz. Die Temperatur beträgt 10 bis 14 Grad, die Luftfeuchtigkeit 70 Prozent. Trotzdem riecht es gar nicht stark nach Käse im Gebäude. Die Laibe werden von neun Mitarbeitern regelmässig in Handarbeit gehegt und gepflegt. Am Anfang werden sie alle zwei Wochen mit Leinentüchern abgerieben, später einmal im Monat.

Wohl kein neues Ziel des Massentourismus

Die Besichtigung wird unter anderem über Luzern Tourismus angeboten werden. Ein neues Ziel des Massentourismus wird der Reife-Keller allerdings kaum werden. Chinesengruppen dürften sich laut Stefan Heller kaum anmelden. Zumal Chinesen gereiften Käse in der Regel nicht mögen.

Ausserdem ist die Besichtigung an Auflagen geknüpft. Man muss sich auf der Homepage anmelden. Wie in allen Lebensmittel-Produktionsbetrieben ist Schutzkleidung ein Muss. Anfassen darf man die Laibe nicht. Fotografieren schon. Maximal 15 Personen werden an einer Führung teilnehmen können. Der Preis für die Führung wird sich laut Heller bei 250 bis 300 Franken bewegen.

Geschützte Marke

Sbrinz AOP darf nicht überall produziert werden. Das AOP steht für «appelation d’origine protegeé» – eine geschützte Ursprungsbezeichnung, die an diverse Bedingungen geknüpft ist. 330 Landwirte aus den Kantonen Obwalden, Nidwalden, Luzern und Zug sowie einige wenige ausserhalb der Zentralschweiz liefern die Milch für den Sbrinz. Die Höfe müssen im Umkreis von 30 Kilometern von den Käsereien liegen.

Ein Sbrinz AOP der Käserei Flüeler aus Alpnach OW. Diese Käserei verziert die Laibe noch mit Reliefs. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Ein Sbrinz AOP der Käserei Flüeler aus Alpnach OW. Diese Käserei verziert die Laibe noch mit Reliefs. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)

Die Bauern dürfen keine Melkroboter einsetzen und ihre Kühe nur mit Gras und Heu füttern. Der Namen des Käses leitet sich übrigens von Brienz ab, wo sich früher der Sammelplatz befand. Von dort wurde der Innerschweizer Käse, der seit dem 16. Jahrhundert hergestellt wird, auf Säumerpfaden über die Alpen nach Domodossola gebracht. Die Italiener sollen ihn dort «Lo Sbrinzo» genannt haben sollen. – Und der viel mehr verbreitete Parmesan ist selbstverständlich eine Imitation des Sbrinz.

Der Präsident der Sbrinz-Sortenorganisation Peter Hegglin (rechts) zusammen mit Josef Wyss von Emmi Schweiz auf einem handbetriebenen Gefährt zwischen den Gestellen des Käselagers (Bild: PPR/Aladin Klieber)
9 Bilder
Stefan Heller, CEO der Sortenorganisation Sbrinz Käse GmbH, zeigt ersten Besuchern den Reifekeller im Luzerner Stadtteil St. Karli. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)
Ein Mitarbeiter im Käsekeller an der Arbeit. Die Käselaibe werden regelmässig von Hand mit Leinentüchern abgerieben. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)
Stefan Heller hofft auf grösseren Absatz für den Innerschweizer Extrahartkäse in der Romandie, wo der italienische Parmesan der Leader ist. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018)
Die Besucher lauschen den Ausführungen von Andrea Fischer von der Sbrinz Käse Gmbh. Die Sortenorganisation hat ihren Sitz in Sursee. (Bild: PPR/Aladin Klieber)
Der Präsident der Sortenorganisation Sprinz Käse GmbH und Zuger CVP-Ständerat Peter Hegglin (rechts) bei seiner Ansprache. Links von ihm der Luzerner CVP-Regierungsrat Reto Wyss (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018).
Tourismusdirektor Marcel Perren (Mitte) sowie Journalisten an der Feier für die Eröffnung des Käsekellers. (Bild: Eveline Beerkircher, Luzern 24. Oktober 2018).
Peter Hegglin (Mitte) und Reto Wyss (rechts) mit Besuchern bei der Besichtigung und dem anschliessenden Apéro. (Bild: PPR/Aladin Klieber)
Die offiziellen Redner (links) mit den Besuchern aus Politik, Wirtschaft und Medien. Im Hintergrund das Gebäude der Firma Emmi, in dem sich der Reifungskeller befindet. (Bild: PPR/Aladin Klieber)

Der Präsident der Sbrinz-Sortenorganisation Peter Hegglin (rechts) zusammen mit Josef Wyss von Emmi Schweiz auf einem handbetriebenen Gefährt zwischen den Gestellen des Käselagers (Bild: PPR/Aladin Klieber)

Peter Hegglin begrüsste 50 Gäste

An die 50 Gäste aus Politik, der Milch- und der Käsebranche, dem Tourismus und Medienschaffende fanden den Weg in den Stadtteil St. Karli, um den Feierlichkeiten rund um die Eröffnung des Sbrinz Käselagers beizuwohnen. Ihnen war es vorbehalten, an den ersten offiziellen Führungen durch die Reife-Lager teilzunehmen.

Die offiziellen Begrüssungsreden hielten der Präsident der Sbrinz Käse GmbH, der Zuger Ständerat Peter Hegglin (siehe auch Video unten) und Josef Wyss, Leiter des Geschäftsbereichs Käse von Emmi Schweiz. Ebenso wandte sich der Luzerner Regierungsrat Reto Wyss in einem Kurzreferat an die Gäste.

Infos zum neuen Angebot

Weitere Infos zum Sbrinz und den weiteren geschützten Produkten der Schweiz.