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ANALYSE: Diskussion um Luzerner Ladenöffnungszeiten: Es braucht eine städtische Lösung

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region, über die Diskussion um die Luzerner Ladenöffnungszeiten.
Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region
Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region.

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region.

Die Diskussion um die Luzerner Ladenöffnungszeiten ist wieder entfacht. Demnächst wird der Luzerner Stadtrat mitteilen, welche Möglichkeiten es gibt, um den Läden in der Innenstadt längere Öffnungszeiten zu erlauben. Grundlage ist die «Tourismusklausel» im kantonalen Ladenschlussgesetz. Diese ermöglicht es speziell auf den Tourismus ausgerichteten Geschäften, abends bis 20 Uhr offen zu haben. Heute profitiert eine Handvoll Läden von dieser Regelung.

Ein Gutachten hat aber gezeigt, dass deutlich mehr Geschäfte davon Gebrauch machen könnten. Der Stadtrat will nun klare Kriterien zur Vergabe der «Tourismus-Lizenzen» definieren. Dies unter Einbezug des Kantons, von Gewerkschaften und Gewerbe. An diesem «runden Tisch» herrscht aber eine explosive Stimmung. Dies zeigte sich an der harschen Reaktion des Luzerner Gewerkschaftsbundes auf ein Interview in unserer Zeitung (Artikel vom 2. Mai). Im Interview vom Dienstag hatte der neue Präsident der City Vereinigung, Josef Williner, erklärt, was er von der Stadt erwartet. So sollen die Läden abends bis 19 Uhr offen haben dürfen. Am Samstag soll der Ladenschluss von 16 auf 18 Uhr verschoben werden. Die City Vereinigung weiss dabei den Stadtrat auf ihrer Seite, der sich schon mehrfach für längere Ladenöffnungszeiten ausgesprochen hat. Auf der anderen Seite stehen der Gewerkschaftsbund und der Detaillistenverband, welche an der jetzigen Regelung kein Jota ändern wollen. Sie beziehen sich auf den Volkswillen: Der Kanton Luzern hat längere Ladenöffnungszeiten schon dreimal verworfen – zuletzt 2013.

Gleichzeitig haben sich Marktumfeld und Konsumverhalten rasant verändert. Der enorm wachsende Onlinehandel macht Shopping rund um die Uhr zum Normalfall – auf Kosten der Detaillisten. Zudem hat in allen Schweizer Kantonen eine Liberalisierung der Öffnungszeiten stattgefunden. Nachdem kürzlich auch Freiburg seine Öffnungszeiten minim verlängert hat, steht Luzern als restriktivster Kanton allein auf weiter Flur.

Handlungsbedarf gibt es in erster Linie für die Luzerner Innenstadt, die stark vom Tourismus abhängig ist. Dabei geht es längst nicht nur um asiatische Gruppenreisende. Die Mehrheit der Tagesgäste sind Schweizer. Sie kommen zum Shopping nach Luzern und sind von ihren Kantonen längere Öffnungszeiten gewohnt. Vor diesem Hintergrund ist eine Ausdehnung auf der Basis der «Tourismus-Klausel» sinnvoll. Es ist nicht einzusehen, weshalb ein chinesischer Tourist um 19 Uhr eine Uhr bei Bucherer auswählen kann, während die Besucherin aus Bern um diese Zeit kein Brot mehr kaufen darf.

Die Gewerkschaften bringen soziale Argumente gegen eine Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten. Ein Blick in Nachbarkantone wie Schwyz und Nidwalden, die gar kein Ladenschlussgesetz kennen, zeigt, dass von einer Ausbeutung des Personals keine Rede sein kann. Vielmehr regulieren sich die Öffnungszeiten von alleine, da kein Laden länger geöffnet ist, als dies rentabel ist. Das haben übrigens auch die Geschäftsinhaber in der Luzerner Altstadt längst gemerkt: Sie öffnen ihre Läden morgens erst um 9 Uhr, da es offenbar kein Kundeninteresse für frühere Öffnungszeiten gibt. Hingegen ist die Altstadt um 18.30 Uhr meist noch voll mit Leuten.

Pikant ist folgendes Rechenbeispiel: Die heute erlaubten zwei Abendverkäufe pro Woche (bis 21 Uhr) bedeuten eine Verlängerung der regulären Öffnungsdauer um 5 Stunden pro Woche. Würde man die Abendverkäufe aufheben und stattdessen den Vorschlag der City Vereinigung umsetzen (werktags bis 19 Uhr, samstags bis 18 Uhr), würde die Verlängerung nur noch 4,5 Stunden pro Woche betragen. Die gesamte Öffnungsdauer würde also sinken. Das zeigt, dass Fundamentalopposition völlig fehl am Platz ist. Die Stadt Luzern ist gut beraten, sämtliche Möglichkeiten, die ihr innerhalb des rechtlichen Rahmens zustehen, auch zu nutzen.

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

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