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Kommentar

Ohne Dialog nützt die Charta über die touristische Nutzung der Rigi nichts

Redaktor Niels Jost zur Vereinbarung über die künftige touristische Entwicklung der «Königin der Berge».
Niels Jost
Redaktor Niels Jost.

Redaktor Niels Jost.

Der Tourismus auf der Rigi soll nur noch moderat wachsen. Darauf haben sich Anspruchsgruppen wie die Rigibahnen, die Rigi Plus AG und Vertreter der Petition «Nein! zu Rigi-Disney-World» geeinigt. Die nun vorliegende Charta enthält Grundsätze wie «moderate wirtschaftliche Entwicklung» oder «hohe Lebensqualität».

Konkrete Zahlen, wie etwa eine Obergrenze der Gästezahlen, fehlen. Offen ist zudem, wie mit Projektideen wie einer Aussichtsplattform, einem «Schwizer Dörfli» auf Rigi Staffel oder einem Streichelzoo umgegangen werden soll. Dies könnte den Eindruck erwecken, die Charta sei bloss ein Lippenbekenntnis. Es stellt sich deshalb die Frage: Werden sich die Betroffenen auch dann noch an die verabschiedeten Charta-Grundsätze halten, wenn sich eine Projekt-Idee konkretisiert?

Von den diskutierten Attraktionen kann man halten, was man will. Fakt ist: Die Rigi als touristisches Ausflugsziel ist auf Investitionen angewiesen. Denn sie steht in einem harten Konkurrenzkampf mit den anderen Zentralschweizer Berggebieten, welche unter anderem um die lukrativen Car-Touristen buhlen. Ausgefallenes ist dabei Trumpf: Auf dem Stoos wurde jüngst die weltweit steilste Standseilbahn eröffnet, das Stanserhorn wirbt seit 2012 mit der ersten Cabrio-Bahn der Welt, der Titlis mit einer Hängebrücke über dem Abgrund. Es ist nur richtig, dass sich auch die Rigi ein Alleinstellungsmerkmal sichern möchte. Eines, das zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter zugänglich ist.

Allein in Attraktionen zu investieren, reicht allerdings nicht. Die Infrastruktur auf dem Berg ist an seine Grenzen gestossen. Kein Wunder: 2009 wurden noch 550000 Gäste auf den Berg befördert. Mit der Einführung der Gratisfahrt für GA-Besitzer im Jahr 2010 und durch die aktive Vermarktung der Rigi im asiatischen Raum stieg die Zahl vor drei Jahren auf 785000. Letztes Jahr beförderten die Rigibahnen sogar rund 850000 Personen. Folgerichtig haben sie in die Bahninfrastruktur investiert, oder haben dies noch vor. So wurden 2017 das Hochperron beim Bahnhof Goldau sowie die Luftseilbahn Kräbel-Rigi Scheidegg neu eröffnet. Noch in Planung sind eine neue Bahn von Weggis auf Rigi Kaltbad sowie Erneuerungen bei der Talstation Vitznau. Diese Beispiele zeigen: Auch die Bevölkerung profitiert von den Investitionen und der Wertschöpfung, welche durch die Rigi generiert wird.

Die Bevölkerung. In diesem Punkt unterscheidet sich die Rigi von der Zentralschweizer Konkurrenz: Die «Königin der Berge» ist auch das Zuhause von zahlreichen Einwohnern. Sie haben das Recht, bei Projekten auf ihrem Berg mitzubestimmen. Denn sie sind es, welche auch die negativen Folgen der Touristenströme zu spüren bekommen, seien es überfüllte Bahnen oder verstopfte Strassen im Dorf. Auf die Anliegen der Anwohner wurde in der Vergangenheit zu wenig Rücksicht genommen.

Mit der Charta soll sich das nun ändern. Ein zentraler Punkt darin ist das Bekenntnis für eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation aller Betroffenen. Man könnte meinen, dass dadurch künftige Projekte ohne Nebengeräusche geplant und realisiert werden können. Doch die grossen Diskussionen stehen erst noch an. Dann nämlich, wenn es um ein konkretes, allenfalls umstrittenes Projekt geht. Es stehen nicht nur die Rigibahnen und die Rigi Plus AG in der Pflicht, ihre Vorhaben frühzeitig bei den Betroffenen zu deponieren, sondern auch die Anwohner. Einfach nur «Nein» zu einem Projekt zu sagen, das geht nicht. Die Anwohner müssen ihre Anliegen aktiv einbringen und ihren Beitrag zu einer konstruktiven Diskussion leisten.

Solche Diskussionen könnten auch institutionalisiert werden. Ein regelmässigerer Austausch zwischen allen Beteiligten würde dem ganzen Berg dienen, wie die Gespräche während der Ausarbeitung der Charta gezeigt haben: Mittlerweile wurde den Rigibahnen klar, dass sie die Anwohner besser in die Planung einbeziehen müssen. Und die Petitionären haben offenbar Verständnis dafür entwickelt, dass sich die Rigi auch wirtschaftlich nachhaltig entwickeln muss und Investitionen unumgänglich sind. Wenn dieses Verständnis künftig auch gelebt wird, dann ist die Charta mehr als nur ein Lippenbekenntnis.

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