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ANALYSE: Warum ist das Theater so teuer?

Hugo Bischof über die Finanzierung und Auslastung des Luzerner Theaters.
Szenenbild aus dem Musical «My Fair Lady», das diese Saison mit grossem Erfolg am Luzerner Theater angelaufen ist. Fast alle bisherigen Aufführungen waren ausverkauft. (Bild Ingo Höhn)

Szenenbild aus dem Musical «My Fair Lady», das diese Saison mit grossem Erfolg am Luzerner Theater angelaufen ist. Fast alle bisherigen Aufführungen waren ausverkauft. (Bild Ingo Höhn)

Die total 346 Aufführungen im Luzerner Theater in der Saison 2011/12 lockten 74 498 Besucher an. Der Gesamtaufwand des Luzerner Theaters betrug 24,7 Millionen Franken. Den grössten Teil davon, 21,2 Millionen Franken, bezahlten Stadt und Kanton Luzern in Form von öffentlichen Subventionen. Warum ist Theater so teuer? Wir versuchen, einige der vordringlichsten Finanzfragen zu beantworten.

Was ist der grösste Ausgaben-Posten im Luzerner Theater-Budget?

Theater ist die personalintensivste aller Kunstformen. Entsprechend hoch ist mit 19,8 Millionen Franken der Personalaufwand. Geradezu bescheiden fällt daneben etwa der künstlerische und technische Sachaufwand aus (1,3 Millionen Franken).

Wie viele Leute sind am Luzerner Theater beschäftigt?

Das Luzerner Theater zählt pro Spielzeit 240 ständige Mitarbeiter in zirka 170 Vollzeitstellen. Sie sind je zur Hälfte im künstlerischen Bereich sowie im technischen/administrativen Bereich tätig. Dazu kommen rund 150 Gastkünstler, technische Aushilfen, Freelancer usw. Das Luzerner Theater ist somit auch ein wichtiger Arbeitgeber.

Wie hoch sind die Theater-Löhne?

Der zwischen den Sozialpartnern verhandelte Mindest-Monatslohn am Luzerner Theater beträgt 3450 Franken.

Wie gross ist der Eigenfinanzierungsgrad des Luzerner Theaters?

Der Eigenfinanzierungsgrad (Anteil Eigenleistungen am Gesamtbudget) betrug in der letzten Saison 14,08 Prozent. Die Eigenleistungen des Theaters beliefen sich auf 3,5 Millionen Franken; 2,5 Millionen davon waren Billetteinnahmen. Dazu kamen unter anderem 270 000 Franken übriger Betriebsertrag (etwa Vermietungen) sowie 702 000 Franken Drittmittel (Sponsoring).

Wie teilen sich die 21,2 Millionen Franken Subventionen auf?

70 Prozent zahlt der Kanton, die restlichen 30 Prozent die Stadt Luzern. Übrigens: Die 21,2 Millionen machen etwa 0,5 Prozent des gesamten Haushalts von Stadt und Kanton Luzern aus.

Muss das Luzerner Theater im Rahmen der städtischen und kantonalen Sparpakete auch bluten?

Ja. Die Subventionen werden ab 2014 um 680 000 Franken gekürzt.

Hatte das Luzerner Theater früher eine höhere Eigenfinanzierung?

Gemäss Leistungsauftrag hat das Luzerner Theater «einen Eigenfinanzierungsgrad von mindestens 20 Prozent anzustreben». Eine so hohe Eigenfinanzierung wurde am Luzerner Theater seit Gründung der Stiftung Luzerner Theater 1996 aber noch nie erreicht.

Gibt es andere Theater, die eine höhere Eigenfinanzierung haben?

  • Das Theater Basel,das über drei Bühnen verfügt und etwa doppelt so gross ist wie das Luzerner Theater, wies letzte Saison einen Eigenwirtschaftlichkeitsgrad von 21,6 Prozent aus. In Basel zahlt die öffentliche Hand 43,8 Millionen Franken an den Theaterbetrieb. Dabei nicht berücksichtigt sind indirekte Beiträge der Stadt Basel in Form von gebundenen Aufwendungen von 4,3 Millionen Franken, unentgeltlicher Überlassung der Liegenschaft (5,7 Millionen Franken) und Unterhaltsleistungen (500 000 Franken). Das Luzerner Theater muss Unterhaltsarbeiten hingegen aus eigenen Rückstellungen finanzieren. Die Besuchereinnahmen in Basel beliefen sich auf 9,5 Millionen Franken, dazu kamen weitere Eigenleistungen von 2,4 Millionen Franken.
  • Am Theater St.Gallen betrug die Eigenwirtschaftlichkeit 30 Prozent. Darin ist aber auch der gesamte Konzertbetrieb des Sinfonieorchesters St. Gallen enthalten, der strukturbedingt eine viel höhere Eigenwirtschaftlichkeit erreichen kann als ein Theaterbetrieb. Stadt und Kanton St. Gallen leisteten 27,6 Millionen Franken Subventionen. Die Zuschauereinnahmen (Theater und Konzert) betrugen 5,3 Millionen. Dazu kamen 4 Millionen weitere Erträge (inklusive Festspiele).
  • An den Betrieb des Theaters Bern zahlt die öffentliche Hand 38,4 Millionen Franken. Daneben stehen 5,9 Millionen Franken Vorstellungseinnahmen plus Sponsoring und weitere Erträge von insgesamt 3 Millionen Franken. Daraus lässt sich ein Eigenfinanzierungsgrad von 18,8 Prozent errechnen, wobei auch in der Berner Erfolgsrechnung der Konzertbetrieb des Berner Symphonieorchesters enthalten ist.
  • In Deutschland haben viele staatliche Theater eine Eigenwirtschaftlichkeit von lediglich 10 Prozent; dort redet man von Einspielquote.

Wie hoch ist die Platz-Auslastung des Luzerner Theaters?

In der vergangenen Saison waren durchschnittlich 68 Prozent der verfügbaren Plätze belegt. Dieser Wert ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. In der Ära Barbara Mundel (1999–2004) lag die Platz-Auslastung zwischen 46 und 58 Prozent.

Wie hoch ist die Platz-Auslastung in anderen Schweizer Theatern?

In Basel betrug die durchschnittliche Platz-Auslastung in der vergangenen Saison auf der grossen Bühne 62 Prozent, im Schauspielhaus 48 Prozent. In Bern betrug die durchschnittliche Platzauslastung 64 Prozent.

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