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Kommentar

Warum sich Lohn-Unterschiede im Kanton Luzern hartnäckig halten

Frauen verdienen im Kanton Luzern durchschnittlich 1100 Franken weniger als Männer. Damit ist der Lohnunterschied grösser als anderswo. Redaktorin Roseline Troxler analysiert mögliche Ursachen.
Roseline Troxler, Redaktorin Ressort Kanton

Frauen werden schlechter entlöhnt als Männer, auch 38 Jahre nach der Aufnahme des Gleichstellungsartikels in die Bundesverfassung. Dieser verankert den Grundsatz vom gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit.

Überraschend ist die Entwicklung im Kanton Luzern: Die Lohnschere zwischen Frauen und Männern hat sich gemäss den neusten Zahlen erstmals seit langem wieder stärker geöffnet. Auf der monatlichen Lohnabrechnung der Frauen steht bei einer Vollzeitstelle in der Privatwirtschaft durchschnittlich ein Brutto-Medianlohn von 5300, bei den Männern liegt dieser mit 6400 Franken deutlich höher.

Ein Teil des Lohnunterschieds ist erklärbar: So haben Frauen derzeit durchschnittlich einen tieferen Bildungsabschluss, besetzen seltener eine Kaderposition und arbeiten eher in Tieflohnbranchen. Die Gründe dafür finden sich bei den Arbeitgebern, in der Politik, der Gesellschaft, aber auch bei den Frauen selber. Zu den erklärbaren Faktoren kommt im Kanton Luzern laut Lustat Statistik ein Lohnunterschied von acht Prozent hinzu, der potenziell diskriminierend ist, weil er nicht erklärbar ist.

In der Pflicht stehen unter anderem die Unternehmen. Da mehr Männer Kaderpositionen innehaben, werden wohl mehr Frauen durch Männer eingestellt als umgekehrt. Es ist bekannt, dass sich Frauen im Bewerbungsprozess weniger aggressiv verkaufen. Dies wird von Personalfachleuten offenbar zu wenig berücksichtigt. Frauen haben andere Fähigkeiten, Probleme anzugehen als Männer. Diese Fähigkeiten werden weniger wahrgenommen. Zudem weisen Frauen in ihrer Biografie oft Unterbrüche auf, weil sie sich der Kinderbetreuung widmen. Arbeitgeber können dazu beitragen, dass die Vereinbarkeit von Job und Familie verbessert und Unterbrüche der Arbeitstätigkeit reduziert werden. Gemäss dem Bund erleiden Frauen, die Mütter werden, Lohneinbussen, auch Muttermalus genannt, während der Lohn bei Männern bei einer Vaterschaft ansteigt.

National- und Ständerat haben im Dezember 2018 beschlossen, dass Unternehmen mit einer Grösse von 100 und mehr Arbeitnehmern Lohnanalysen durchführen müssen. Dies wird die Sensibilisierung für das Thema erhöhen und die Ergebnisse werden wohl in manchem Unternehmen für Erstaunen sorgen. Doch es fehlen Sanktionsmöglichkeiten für fehlbare Firmen. Ausserdem ist Luzern ein Kanton mit vielen kleinen und mittelgrossen Unternehmen. Ein Grossteil dürfte also von der Pflicht der Durchführung solcher Analysen ausgenommen sein.

In der Gesellschaft sind gewisse Berufe noch immer als typische Frauenberufe verankert, während andere als Männerberufe angesehen werden. Hier gilt es, in der Schule Aufklärungsarbeit zu leisten, Schülerinnen zu animieren, auch in sogenannte Männerberufe zu schnuppern und umgekehrt. Platz 1 bei der Berufswahl der jungen Luzernerinnen ist zwar Kauffrau EFZ, genau wie es bei den Männern die Lehre zum Kaufmann ist. Auf Platz 2 und 3 folgen bei den Schulabgängerinnen Fachfrau Gesundheit und Detailhandel, während männliche Jugendliche vielfach eine Lehre als Logistiker oder Elektroinstallateur beginnen, die höhere Löhne bieten. Grosse Unterschiede gibt es auch bei der Studienwahl. Viele weibliche Maturaabsolventen studieren Geistes- und Sozialwissenschaften, obwohl andere Studienrichtungen wie Wirtschaft und Naturwissenschaften lukrativer wären.

Doch sollen Frauen überhaupt dazu bewegt werden, «Männerberufe» zu erlernen und andere Studiengänge zu wählen oder muss sich die Gesellschaft nicht auch die Frage stellen, weshalb sogenannte Männertätigkeiten besser entlöhnt werden? Eine Argumentation, welche insbesondere von linker Seite immer wieder geäussert wird. Da bereits heute und in Zukunft noch verstärkt Nachwuchsmangel in den technischen Berufen besteht, ist allerdings eher zu erwarten, dass die Löhne in diesen Bereichen steigen, während die monetäre Wertschätzung in anderen Branchen stagniert.

Lohnungleichheit hat auch Auswirkungen auf Paare. Sie kann dazu führen, dass sich Eltern gegen eine gleichmässige Aufteilung der Betreuung der Kinder und der Hausarbeit entscheiden, weil der Mann in der Regel mehr verdient. Dies wiederum bedeutet, dass die Lohnungleichheit zementiert wird. Denn Unterbrüche und Teilzeitarbeit haben zur Folge, dass sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verstärkt.

Immer wieder ertönt der Ruf, dass sich Frauen auf dem Arbeitsmarkt selbstbewusster geben und mehr Wille zeigen müssen, Kaderstufen hochzuklettern. Dies mag teils durchaus zutreffen. Fakt ist allerdings, dass Frauen mit den bestbezahlten Kaderjobs gegenüber ihren männlichen Kollegen auf derselben Stufe den grössten Anteil an nicht erklärbaren Faktoren bei der Lohnungleichheit hinnehmen müssen, wie es in einer Analyse des Bundes von 2013 heisst. Lohnungleichheit ist also auch auf der Teppichetage verbreitet.

Ein weiterer Grund für die tieferen Frauensaläre liegt laut Bund darin, dass rund zwei von drei Stellen in den Niedriglohnbranchen von Frauen besetzt werden. Dass sie in diese monetär weniger attraktiven Bereiche getrieben werden, ist wohl auch auf die dort vorhandenen Teilzeitstellen zurückzuführen. Noch immer fehlt es im mittleren und hohen Lohnsegment an kleinen Pensen.

Im Kanton Luzern hat es jüngst einen Zuwachs von Frauen in Niedriglohnbranchen gegeben. Dies ist wohl mit ein Grund, weshalb sich die Lohnschere im Kanton Luzern stärker geöffnet hat. Eine umfassende Analyse fehlt allerdings. Fakt ist, dass der Kanton Luzern noch immer ländlich geprägt ist. Gut möglich ist, dass sich stereotype Rollen- und Berufsbilder in der eher konservativen Zentralschweiz hartnäckiger halten als in anderen Regionen der Schweiz.

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