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ANALYSE: Wie viel Schule erträgt die Freizeit?

Robert Knobel, Leiter Ressort Stadt/Region, zum Wirbel um die Krienser Schülerhorte.
Robert Knobel Leiter Ressort Stadt/Region
Künftig wird die Gemeinde Kriens den Schülerhort selber betreiben. Dieses Vorhaben kommt aber nicht überall gut an. (Archivbild: Stefan Kaiser)

Künftig wird die Gemeinde Kriens den Schülerhort selber betreiben. Dieses Vorhaben kommt aber nicht überall gut an. (Archivbild: Stefan Kaiser)

Ab nächstem Schuljahr übernimmt die Krienser Volksschule den Betrieb der Schülerhorte, welcher bisher in der Verantwortung des Gemeinnützigen Frauenvereins Kriens lag. Anfang März wird der Einwohnerrat über einen entsprechenden Bericht und Antrag befinden (Ausgabe vom Dienstag).Mit dem Entscheid, Schule und Hort zusammenzulegen, endet ein Krienser Sonderfall, der in den letzten Monaten ganz schön für Wirbel gesorgt hat.

Am 20. Oktober 2017 machte unsere Zeitung publik, dass zwischen der Gemeinde Kriens und dem Frauenverein Feuer im Dach ist. Der Grund für den Konflikt kristallisierte sich erst nach und nach heraus. Zunächst war lediglich von einer «Überprüfung der Organisationsstrukturen» die Rede. Einige Wochen später sickerte ein weiteres Puzzleteil durch: Der Kita- Betreiber Smallfoot hatte offen­bar Interesse angemeldet, die Krienser Schülerhorte zu übernehmen. Dies veranlasste den Gemeinderat, eine öffentliche Ausschreibung in Erwägung zu ziehen. Doch Anfang Dezember 2017 überlegte er es sich anders: Er gab bekannt, dass die Gemeinde selber die Schülerhorte führen werde – und zwar bereits ab nächstem Schuljahr.

Der Gemeinnützige Frauenverein Kriens führte die Schülerhorte während rund zehn Jahren – eine im Kanton Luzern einmalige Konstellation. In der Zwischenzeit ist der Hortbetrieb zu einem richtigen Unternehmen herangewachsen, mit einem Jahresbudget von 1 Million Franken und 30 Mitarbeitern. Damit erhalten die Schülerinnen und Schüler in den Augen des Frauenvereins ein sinnvolles Freizeitangebot. Doch genau an dieser Auffassung scheiden sich die pädagogischen Geister. Während der Frauenverein sein Angebot explizit als nicht-schulisch versteht, ist man bei der Gemeinde überzeugt, dass Hort und Schule eine Einheit bilden. «Im Sinne einer ganzheitlichen Bildung soll die Abgrenzung zwischen Schule und Hort­betrieb zusehends durchlässig werden», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Dies habe einerseits administrative Vorteile – Anmeldung und Einteilung in den Hort laufen künftig direkt über die Schule. Andererseits könnten auch räumliche Synergien besser genutzt werden. Künftig soll es einfacher möglich sein, für den Hortbetrieb auch Schulräume zu benutzen. Hinter dieser Philosophie kann der Krienser Frauenverein nicht stehen. «Freizeit ist Freizeit, und Schule ist Schule», brachte es Edith Müller von der Geschäftsleitung des Frauenvereins gegenüber unserer Zeitung auf den Punkt. Dies war einer der Gründe, weshalb der Frauenverein schliesslich auch selber eine Beendigung der Zusammenarbeit nahelegte.

Wie stark soll sich die Schule in die Freizeit ihrer Schüler einmischen? Der Krienser Knatsch um die Horte bringt eine durchaus brisante Debatte ins Rollen. Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der letzten Jahre geben dabei eher dem Krienser Gemeinderat Recht. Für immer mehr berufstätige Eltern ist die Betreuung an einem oder mehreren Tagen pro Woche eine Notwendigkeit. In der Wahrnehmung vieler Eltern ist der Hort dabei fester Bestandteil der Schule und nicht bloss ein Freizeitangebot. Das sieht auch das kantonale Bildungs­departement so. Nicht nur verpflichtet der Kanton Luzern sämtliche Gemeinden, schul­ergänzende Betreuung anzu­bieten. Er macht auch klar, wer dafür verantwortlich sein soll: «Die schul- und familienergänzenden Tagesstrukturen gehören zum Angebot der Volksschulen», heisst es in einer internen Umsetzungshilfe des Bildungsdepartements. Eine möglichst enge Verzahnung von Unterricht und Hortbetrieb sei zudem sehr wünschenswert. «Dies erleichtert die Verknüpfung von Bildung und Betreuung im Rahmen eines ganzheitlichen pädagogischen Konzepts.» Synergien sollen nicht nur räumlich, sondern auch personell genutzt werden. So sei eine Einbindung der Lehrpersonen, etwa für die Hausaufgabenhilfe am Nachmittag, «unerlässlich».

Ob die Annäherung von Schule und Betreuung im Falle von Kriens wirklich «kostenneutral» umgesetzt werden kann, wie das der Gemeinderat anstrebt, bleibt abzuwarten. Der Frauenverein hat etwa darauf hingewiesen, dass er als gemeinnütziger Verein von vergünstigten Lebensmitteln profitiert – ein Privileg, das der Gemeinde wohl kaum gewährt wird. Zudem stehen höhere Lohn­kosten an, weil die Hort-Mitarbeiter künftig wie Kantons­angestellte bezahlt werden.

Trotzdem: Die Krienser Strategie der Auslagerung der Schülerhorte ist gescheitert. Jetzt ist es an der Gemeinde zu beweisen, dass sie in der Lage ist, die Horte zum grösstmöglichen Nutzen der Schülerinnen und Schüler zu führen. Diese sollen von den Betreuungspersonen beim Lernen und Hausaufgabenmachen unterstützt werden – allerdings ohne dass der Hort zum verlängerten Unterricht auf Kosten der Freizeit verkommt. Die meisten Gemeinden meistern diese Gratwanderung ganz gut. Kriens kann sich also ruhig ein Beispiel nehmen.

Robert Knobel Leiter Ressort Stadt/Region

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

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