Analyse
Windkraft im Kanton Luzern: Der Ukraine-Krieg könnte zu einem Umdenken führen

Windkraftprojekte haben in der Bevölkerung oft einen schweren Stand. Die Diskussion um die Energie-Abhängigkeit der Schweiz infolge des Ukraine-Kriegs könnte aber zu einem Umdenken führen – und der Windkraft zu mehr Akzeptanz verhelfen.

Dominik Weingartner
Dominik Weingartner
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Werden neue Windkraftanlagen geplant, formiert sich rasch Widerstand. Im Kanton Luzern war dies zuletzt in Rickenbach besonders stark zu beobachten. Auch das Projekt auf dem Lindenberg im Seetal wurde und wird immer noch vehement bekämpft. In Kulmerau sorgte der Widerstand aus der Bevölkerung sogar dafür, dass die CKW sich vom geplanten Windenergie-Projekt distanzierten.

Dabei sind die Argumente der Windkraft-Gegner immer die gleichen. Sie warnen vor einer Verschandelung der Landschaft, vor unerwünschten Auswirkungen auf Mensch und Tier (zum Beispiel Vogelschlag, Infraschall, Lärm oder Eiswurf) und behaupten, in der Schweiz sei Windkraft sowieso nicht rentabel zu betreiben.

Trotz des lautstarken Widerstands ist die Marschrichtung der Politik klar: Bund und Kanton Luzern wollen das Potenzial der Windkraft ausschöpfen. Bisher ist das überhaupt nicht der Fall, in Sachen Windenergie ist die Schweiz Europas Schlusslicht. Im Kanton Luzern wird zwar viel geplant, aber noch fast nichts ist umgesetzt. Noch immer sind die drei Windräder im Gebiet Lutersarni/Rengg die einzigen auf Luzerner Boden.

Die Windkraftanlage Lutersarni im Entlebuch.

Die Windkraftanlage Lutersarni im Entlebuch.

Bild: Roger Grütter

Die jüngsten Ereignisse geben der Stossrichtung der Politik recht. Zu gross ist die Abhängigkeit der Schweiz von fossilen Energieträgern, die in der Regel aus Ländern mit zweifelhaften politischen Systemen importiert werden müssen. Dreht zum Beispiel Russland den Gashahn zu, hat der städtische Energieversorger EWL ein Problem, die Luzerner Wohnungen zu heizen.

Hinzu kommt der beschlossene Atomausstieg. Er wird die Abhängigkeit von ausländischem Strom erhöhen. Ausser, die Schweiz schafft es, rechtzeitig den Schalter umzulegen. Statt französischen Atomstrom einzukaufen, könnte die Schweiz das Potenzial der Natur nutzen, sei es von Wind oder Sonne.

Die Windkraft hat dabei die zentrale Aufgabe, allfällige Stromlücken im Winter zu decken. Denn während die Wasser- und Solarkraft vor allem im Sommerhalbjahr viel Strom abwirft, produzieren Windkraftanlagen zwei Drittel ihrer Energie im Winterhalbjahr.

Die jüngst erfolgte Ankündigung der Korporation Weggis, die Installation von Windkraftanlagen auf der Rigi zu prüfen, hat – ausser in einschlägig bekannten Kreisen – nicht für einen Aufschrei gesorgt. Das ist erstaunlich, ist die Rigi doch eines der Symbole schlechthin für die Schönheit der Innerschweizer Natur. Auch die Pläne der CKW, zahlreiche neue Windkraftprojekte anzugehen, sorgten bei den betroffenen Gemeinden nicht für Aufruhr.

Offenbar findet zurzeit mit Blick auf den Ukraine-Krieg und den damit verbundenen Energie-Diskussionen ein Umdenken statt. Vielleicht wäre die Abstimmung in Rickenbach, wo eine Mehrheit im vergangenen Herbst für die Errichtung einer Schutzzone gegen Windkraftanlagen auf dem Stierenberg votierte, anders ausgegangen angesichts der uns nun drastisch vor Augen geführten Abhängigkeit von ausländischer Energie.

Wir müssen uns entscheiden: Wollen wir bei der Energie abhängig vom Ausland sein und uns so den Risiken von schwer vorhersehbaren Entwicklungen aussetzen? Oder wollen wir so viel Energie wie möglich vor Ort produzieren und so möglichst krisenresistent bleiben?

Beide Wege haben ihren Preis, die zweite Variante sorgt aber immerhin dafür, dass wir unsere Energiezukunft selber in der Hand haben. Doch es schleckt keine Geiss weg: Erneuerbare Energien gibt es kaum ohne Eingriffe in die Natur. Das war schon beim Bau von Stauseen nicht anders, für die man ganze Alpentäler geflutet hat. In einigen Jahrzehnten wird man sich vermutlich an Windkraftanlagen gewöhnt haben, so wie es für uns heute selbstverständlich ist, dass Eisenbahngleise und Autobahnen sich ihren Weg durch die Landschaft schlagen.

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