Analyse zur regionalen Kulturförderung
Der Kanton Luzern soll und kann Farbe zu den mittelgrossen Kulturhäusern bekennen

Kulturbetriebe wie Südpol und Kleintheater brauchen ein neues regionales Fördermodell. Doch ziehen sich die Verhandlungen in die Länge. Jetzt könnte der Regierungsrat einen positiven Impuls geben.

Simon Mathis
Simon Mathis
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Der Luzerner Kulturförderung droht eine Finanzierungslücke. Während die Gemeinden für ihre jeweilige Lokal- und Vereinskultur verantwortlich sind, übernehmen Kanton und Stadt Luzern die Förderung von grossen Kulturhäusern wie KKL und Verkehrshaus. Wer sich künftig um den «Mittelbau» kümmert, ist hingegen offen. Gemeint sind mittelgrosse Kulturbetriebe, die über die Gemeindegrenzen ausstrahlen: etwa das Kleintheater in Luzern, das Museum Bellpark in Kriens oder die Kunstplattform Akku in Emmen.

Noch zahlt die Regionalkonferenz Kultur (RKK) einen jährlichen Strukturbeitrag von gut 500'000 Franken an diese Betriebe. In den vergangenen Jahren sind jedoch mehrere RKK-Gemeinden abgesprungen, was den Geldfluss über kurz oder lang ins Stocken bringen wird. Bereits im Sommer 2020 hat die Kantonsregierung vom Parlament den Auftrag erhalten, die Finanzierungsfrage zu klären.

Das «B-Sides», das jährlich auf dem Sonnenberg stattfindet, gehört zu den mittelgrossen Kulturbetrieben. Im Bild: die Band Odd Beholder.

Das «B-Sides», das jährlich auf dem Sonnenberg stattfindet, gehört zu den mittelgrossen Kulturbetrieben. Im Bild: die Band Odd Beholder.

Bild: Manuela Jans-Koch (Kriens, 13. Juni 2019)

In die Karten blicken liess sich der Regierungsrat bislang nicht. Die zurzeit laufenden Verhandlungen zwischen Kanton, Gemeinden und Stadt Luzern sind eine Blackbox. Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) machte im Vorfeld allerdings kein Geheimnis daraus, dass er einer Mitfinanzierung durch den Kanton kritisch gegenübersteht. Auch die Gemeinden reissen sich nicht darum, jährlich 500'000 Franken zu zahlen. Das nährt verständlicherweise die Nervosität in Kulturkreisen.

Dass sich Kanton und Gemeinden gegenseitig die Verantwortung zuspielen, ist bedauerlich. In Aussicht gestellt wird ein Planungsbericht im zweiten Halbjahr 2022. Dabei könnte sich der Kanton bereits jetzt einen Ruck geben und Bereitschaft dafür zeigen, einen Teil der Kosten zu übernehmen.

Das grosse Kulturhaus KKL wird von Kanton und Stadt Luzern unterstützt. Im Bild: Chefdirigent Michael Sanderling und die Geigerin Julia Fischer an der Saisoneröffnung des Luzerner Sinfonieorchesters.

Das grosse Kulturhaus KKL wird von Kanton und Stadt Luzern unterstützt. Im Bild: Chefdirigent Michael Sanderling und die Geigerin Julia Fischer an der Saisoneröffnung des Luzerner Sinfonieorchesters.

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Oktober 2021)

Zwar macht der Regierungsrat mit Recht geltend, dass die jetzige Aufgabenteilung auf einer konkreten Abmachung beruht: 2008 übernahmen Stadt und Kanton Luzern die Finanzierung der grossen Kulturbetriebe. Im Gegenzug gründeten die Gemeinden der Region Luzern die RKK, um die regionale und lokale Kultur zu unterstützen.

Doch diese Aufgabenverteilung wurde in jüngster Zeit aufgeweicht: So senkt der Kanton seine Beiträge an die grossen Kulturbetriebe ab 2023 um 2,8 Millionen Franken pro Jahr. Dieses eingesparte Geld könnte er nun in die regionale Kultur investieren – wie das Kulturschaffende in jüngster Zeit vehement gefordert haben.

Zwar kommt der Kanton dieser Forderung teilweise nach, indem er künftig lokale Kulturprojekte mit einem einmaligen Beitrag unterstützt. Ob er dereinst auch fixe Strukturbeiträge für Institutionen von regionaler Ausstrahlung zahlt, ist hingegen ungewiss. Dabei wäre dies nichts als logisch: Es wäre nahe liegender, der Kanton würde sich für mittelgrosse Betriebe engagieren, während die Gemeinden für lokale Projekte verantwortlich wären – und nicht umgekehrt.

Für die Villa «Senar» des russischen Komponisten Sergei Rachmaninoff ist Geld da: Für gut 15 Millionen will der Kanton aus dem Gebäude ein Kulturzentrum machen.

Für die Villa «Senar» des russischen Komponisten Sergei Rachmaninoff ist Geld da: Für gut 15 Millionen will der Kanton aus dem Gebäude ein Kulturzentrum machen.

Bild: Pius Amrein (Hertenstein, 28. Oktober 2013)

In einem hat der Regierungsrat sicherlich recht: Es ist nicht seine Schuld, dass mehrere Gemeinden von der regionalen Kulturförderung abgesprungen sind. Dass der Kanton eine Ungleichbehandlung zwischen den Regionen verhindern will, ist ebenfalls nachvollziehbar. Aber zu einer solchen Ungleichheit muss es nicht kommen, eine Förderung des kulturellen Mittelbaus kann kantonsweit abgeklärt werden. Dass sich Kulturhäuser wie der Südpol eher in urbanen Gebieten bilden, liegt in der Natur der Sache.

Die jetzige Strukturförderung, die auf Freiwilligkeit und Solidarität beruht, ist gescheitert. Zu unbeständig sind die Prioritäten einzelner Gemeinden; sehr schnell kann ihre Unterstützung einem Sparprogramm zum Opfer fallen. Vielleicht ist also eine gesetzlich verordnete Solidarität unabdingbar. Diese bittere Pille könnte der Kanton verdaulicher machen, indem er als Kompromiss für einen Teil der Kosten aufkommt.

Dass der Kanton in Kulturfragen grosszügig sein kann, hat er unlängst bewiesen: Er will die ehemalige Villa des russischen Komponisten Sergei Rachmaninoff kaufen und aus dieser ein Kulturzentrum machen – der Kauf soll notabene 15,45 Millionen Franken kosten. Wer derart klotzen kann, kann sicher auch kleckern. Mit vergleichsweise wenig Geld könnte der Kanton einen positiven Impuls geben – und zudem die Stadt Luzern entlasten, die einen Löwenanteil zur regionalen Kultur beiträgt.

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