ANATOLE TAUBMANN: Warum so wenig Humor im neuen «Bond»?

Der 36-jährige Anatole Taubmann spielt im neuen «Bond»-Film «Ein Quantum Trost» den Bösewicht Elvis. Wir interviewten ihn am Dienstag vor der «Bond»-Premiere im Hotel Palace in Luzern.

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Anatole Taubmann (l.) und Marc Forster auf dem Balkon des Hotel Palace. (Bild Nadia Schärli/Neue LZ)

Anatole Taubmann (l.) und Marc Forster auf dem Balkon des Hotel Palace. (Bild Nadia Schärli/Neue LZ)

Es gibt auffällig wenig Humor im neuen «Bond». Warum?
Anatole Taubmann: Viele Szenen zwischen mir und Mathieu Amalric wurden herausgechnitten. Im Film gibt es die Szene, wo auf der Strasse vor der Seebühne Bregenz der Körper eines Agenten vor unseren Augen auf unser Auto knallt. Unmittelbar zuvor frage ich Mathieu, ob er wisse, wie der Fussballmatch zwischen Olympic Marseille und Nantes ausgegangen ist. Das wurde herausgeschnitten.

Schmerzt Sie das im Nachhinein?
Taubmann: Natürlich hätte ich diese Szene gerne im Film drin gehabt. Solche kleine Details wären Chancen gewesen, einen Blick auf die beiden Bösewichte abseits des Hauptstrangs der Handlung zu erhaschen. Da fliesst tatsächlich eine kleine Träne über mein Wange. Aber nein, im Ernst: ich bin keineswegs enttäuscht deswegen. Ich weiss natürlich, dass es essenziellere Szenen gibt.

Was sind die besten Erinnerungen, die Sie aus dem Film mitnehmen?
Taubmann: Freundsdchaften für immer. Mathieu Amalric, Marc Forster, die Produzentin Barbara Broccoli zum Beispiel. Mit ihnen werde ich immer verbunden bleiben. Künstlerisch da rede ich offen war das Ganze ein Spaziergang durch den Park, wie man als Schauspieler sagt. Ich bin ein Method Actor, der sich intensiv in eine Rolle hineinlebt. Und da bietet eine Rolle wie «Elvis» in einer so massiven Produktion natürlich relativ wenige Möglichkeiten, hinter die Fassade zu blicken.
Wer gab Ihrer Figur den Namen «Elvis»? Sie selber?
Taubmann: Nein. Die Wahrheit ist die: ich habe diesen Namen, der vom Drehbuch vorgegeben war, nie in Frage gestellt. Ich hatte Angst davor, dass ich ihn verlieren würde, wenn ich den Autor oder den Regisseur fragen würde, weshalb er so heisst. Elvis ist ein solch cooler Name für einen Charakter ich wollte ihn unbedingt behalten.

Wie viel Zeit haben Sie in die Vorbereitung Ihrer Rolle gesteckt?
Taubmann: Ich habe für mich eine 20-seitige Biografie von «Elvis» geschrieben mit allen Details über seine Herkunft, was mir halt so einfiel. Gerade wenn man eine Figur mit wenig Text spielt, ist es wichtig, andere Details und Nuancen herauszufinden, um einen Charakter zu kreieren.

Es gibt eine Szene im Film, in der Sie am Mobiltelefon mit Ihrer Mutter Schweizerdeutsch sprechen. Wie entstand diese Szene?
Taubmann: Ich warte in dieser Szene auf das Bond-Girl Olga. Das geht relativ lange. Da sage ich zu Regisseur Marc Forster: Ich muss irgend etwas machen. Warum nicht einen Anruf per Handy? Marc sagt: Okay, ruf deine Mutter an. Darauf meint mein Schurkengenosse Mathieu: Sprich mit ihr auf Schweizerdeutsch. So ist die Szene entstanden.

Was sind Ihre nächsten Filmpläne?
Taubmann: Ich spiele demnächst Coco Chanels ersten Liebhaber im Film «Chanel & Stravinsky - The Secret Story». Ich freue mich sehr darauf. Es ist das erste Mal seit langem, dass ich einen positiven Charakter verkörpern darf.

Interview Hugo Bischof