ANEKDOTEN: So schräg ist unsere Fasnacht

Wissen Sie, wieso die erste Guuggenmusig in Luzern aus Basel kam? Und wieso die SBB dem Fasnachtskomitee eine Rechnung stellten? Hier die Antworten.

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Fasnachtsumzug in Luzern im Jahr 1905. (Bild Stadtarchiv Luzern)

Fasnachtsumzug in Luzern im Jahr 1905. (Bild Stadtarchiv Luzern)

Guuggenmusigen
Guuggenmusig ist keine Luzerner Erfindung. 1948 marschierte als besondere Attraktion die Kasinogesellschaft Basel im Fritschi-Umzug mit. Die Zuschauer waren begeistert. Eilends stellten danach 30 Luzerner unter der Leitung des Basler Grafikers und Wahlluzerners Sepp Ebinger eine eigene Guuggenmusig auf die Beine. Bereits am Güdisdienstag zogen sie los als «Lozärner Guuggemusig».

Umzug
1749 fand der erste Umzug mit Wagen statt. Er hatte 29 Nummern und thematisierte unter dem Motto «Das goldene Friedensjahr» die langen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Preussen und den europäischen Grossmächten, die gerade beigelegt worden waren. 1925 gab es dann erstmals einen zweiten Umzug. Dieser wurde am Güdismontag von Fasnächtlern aus dem Wey-Quartier durchgeführt.

Sabotage
Bei den Umzügen gab es immer wieder Pannen. Manche waren handgestrickt. So kam es vor rund zehn Jahren zu einem veritablen Sabotageakt: Unbekannte lockerten direkt vor dem Umzugsstart am Wagen der Zunft zu Safran die Radmuttern. Beim Losfahren lief nichts mehr rund. Zu Schaden kam glücklicherweise niemand.

Grössenwahn
Mit den Jahren wurden immer aufwändigere Umzugswagen gebaut so auch im Fliegerschuppen auf der Allmend. Der Grössenwahn hatte Folgen: 2005 zum Beispiel musste die Wey-Zunft den riesigen Holzgrend von Fussballer Alex Frei bearbeiten er passte nicht durchs Tor. Jahre zuvor hatte die Zunft zu Safran ein ähnliches Problem. Ihr Wagen war zu hoch. Die Zünftler bedienten sich eines Tricks: Sie liessen einfach Luft aus den Reifen.

Barriere
Auch auf dem Weg von der Allmend in die Stadt ereigneten sich immer wieder schräge Szenen. Einmal etwa riss der Anhänger eines Wagens der Zunft zu Safran eine Barriere am Bahnübergang weg. Diese senkte sich just in dem Moment, als sich der Wagen auf dem Übergang befand. Die SBB stellte dem Lozärner Fasnachtskomitee alle Zugverspätungen in Rechnung.

Kriegsorangen
1945 gab es wegen des Krieges keine Orangen. Stattdessen wurden Holzwollkugeln mit Krepppapier überzogen. Diese «Kriegsorangen» enthielten farbige Karton-Taler, die gegen Marroni oder Caramel eingetauscht werden konnten.

Nachtumzug
2001 feierte das Lozärner Fasnachtskomitee sein 50-Jahr-Jubiläum. Deshalb wollte es einen Nachtumzug durchführen. Daraus aber wurde nichts. Denn als die Fasnächtler bereits voll am Organisieren waren, schritt die Feuerpolizei ein. Sie befürchtete, dass offene Feuer gemacht würden, die schwer zu kontrollieren gewesen wären. Auch die Verkehrsbetriebe Luzern meldeten Bedenken an. Sie hätten zusätzliche Chauffeure einsetzen müssen.

Volltreffer
2005 endete das Orangenauswerfen an der Wey-Tagwache auf dem Löwenplatz mit einem Volltreffer. Eine Orange kam aus den Zuschauerreihen retour geflogen und traf Zunftmeister Erwin Achermann am Kopf. Verletzt wurde er dabei nicht er holte sich höchstens ein blaues Auge.

Herrenabend
Der Herrenabend des Lozärner Fasnachtskomitees hat immer wieder Gesprächsstoff geliefert. So empörten sich 2006 etliche Frauen ob der derben Sprüche des damaligen SVP-Regierungsrates und Finanzdirektors Daniel Bühlmann. Dieser gab etwa folgenden Spruch zum Besten: «Noch niemand konnte mir vernünftig sagen, was Frauen in der Politik verloren haben.» Jahre zuvor, nämlich 1988, war es am Herrenabend zu einem Eklat anderer Art gekommen. Der damalige Fasnachtskomitee-Präsident Pierre Gassmann missachtete das Statut und lud Rosa Frey aus Dagmersellen ein, die Zunftmeisterin Palma I. der Häpperezunft. «Skandal!», erbosten sich die Fasnächtler. «Eine Frau am Herrenabend!» Die Strafe für den Präsidenten folgte prompt: Er fand keine Aufnahme ins Gremium der Altherren des Fasnachtskomitees.

Kälte
Ungewohnte Komplikationen gabs vor ein paar Jahren beim Fasnachtsmäärt: Unter der Egg froren die Bier- und Wasserleitungen ein. Tragische Folge: Es gab vorübergehend weder Gerstensaft noch Kaffee. Die Fasnächtler fackelten nicht lange und tauten die Leitungen wieder auf mit heissem Wasser und mit einem Gasbrenner.

Roger Rüegger