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Anfänge der Luzerner Messe: Stell dir vor, es ist Luga und keiner geht hin

Die Luzerner Frühlingsmesse Luga ist heute eine Institution. Am Eröffnungstag ihrer ersten Austragung im Jahr 1980 traf Luga-Gründer Alfred N. Becker aber beinahe der Schlag – war tatsächlich niemand gekommen?
Ismail Osman

Es gab da diesen Schlüsselmoment. Alfred N. Becker schüttelt es noch immer vor Lachen, wenn der heute 81-Jährige daran zurückdenkt. «Es war ein filmreifer Comedy-Sketch!»

Es ist Mittwoch, 14. Mai 1980, und auf der Luzerner Allmend finden die Eröffnungsfeierlichkeiten der ersten Ausgabe der Luga statt. Alfred N. Becker ist Leiter dieser für Luzern neuen Gewerbeausstellung. Nach den obligaten Festansprachen, musikalischen Darbietungen und vielem Händeschütteln will sich Becker ein Bild von den Massen machen, die durch die grossen Zelte mit den Ständen der Aussteller wandern. «Doch schon auf dem Weg durchs Areal kam es mir gespenstisch ruhig vor.» Mit einem lauten Quietschen, so wie man es von einer Salon-Flügeltüre aus einem Westernstreifen kenne, habe er die Türe zum Zelt aufgestossen. Den Anblick wird Becker nie vergessen: «Ein komplett leerer Korridor. Kein einziger Besucher! Stattdessen gucken aus allen Ständen plötzlich Köpfe hervor, die hoffen, dass die quietschende Türe endlich Kundschaft bedeutet. Und dann wars doch nur ich!»

In Luzern herrscht Aufbruchstimmung

Dass Becker in dieser Nacht nicht in den Schlaf finden würde, ist leicht nachvollziehbar, wenn man seine Rolle in der Entstehung der Luga kennt: «Man muss verstehen, dass in Luzern Ende der 70er-Jahre echte Aufbruchstimmung herrschte», sagt er rück­blickend. Alfred N. Becker ist ­damals Anfang 40, Journalist, PR-Mann und Grossrat – also bestens vernetzt und gerade mit der Durchführung eines Mega-Events beauftragt: der 800-Jahr-Feier der Stadt Luzern von 1978. «Das war eine gewaltige, das ganze Jahr andauernde Kiste. Aber eben, es herrschte ein gewisser Enthusiasmus, neues zu versuchen und die Stadt weiterzuentwickeln.»

Immer vorne mit dabei: Alfred N. Becker im Jahre 1984 (Bild: Messe Luzern)

Immer vorne mit dabei: Alfred N. Becker im Jahre 1984 (Bild: Messe Luzern)

Becker erkannte den frischen Wind und führte als Mitglied der städtischen Wirtschaftsförderungskommission die Idee einer Gewerbeschau ins Feld. Beckers Argument:

«Luzern wurde durch Musik- und Sportanlässe regelmässig zur Festhütte. Man hatte also bereits Erfahrungen mit Grossanlässen. Wieso also nicht eine Gewerbeausstellung?»

Die Idee gewann die Zustimmung der Kommission und auch der Stadt. 1980 soll sie stattfinden. Eine Genossenschaft mit einem Startkapital von rund 60 000 Franken wurde gegründet. Jetzt musste Becker die Messe nur auch noch liefern.

Vielleicht kam ihm seine Vergangenheit als Orientierungs­läufer zugute. Denn was folgte, war ein mehrmonatiger Langstreckenlauf vollere Hürden, die es zu meistern galt. «Zunächst mal musste ein Datum gefunden werden, um die Messe überhaupt, wie vorgesehen, auf der Allmend abhalten zu können. Es war ja damals noch ein aktiver Waffenplatz der Armee», erinnert Becker. «Es stellte sich heraus, dass dies nur zwischen April und Mai möglich ist, wenn die Rekrutenschulen jeweils in der Verlegung waren.» Die Stadt Luzern musste überzeugt werden, die in die Jahre gekommene Festhalle zu sanieren. Etwas Überzeugung brauchte es auch beim Gewerbe, welches sich ja präsentieren sollte. «Der ‹Trick› dabei war, sie möglichst gut in die Messe einzubinden – Malerlehrlinge könnten etwa die Stände streichen, Bodenleger die Böden verlegen und so weiter.» Im Jahr 1979 sei er praktisch in jeder Luzerner Gemeinde, bei jedem Berufsverband und jedem Verein im Kanton vorstellig geworden, um für die Luga zu weibeln.

Wirbel wegen Tierseuche

So gelang es ihm etwa, auch die Landwirte davon zu überzeugen, die anstehende Zentralschau der Tierzucht mit rund 1000 Tieren im Rahmen der Luga durchzuführen. «Dann grassierte plötzlich die Tierseuche IBR, welche insbesondere Milchkühe befiel. Die Weisung ging hinaus, dass 1980 keine Tierschauen stattfinden sollen.» Für die Luga bedeutete dies zunächst ein klaffendes Loch. Die Lösung: Aus der Tier- wurde kurzfristig eine Landwirtschaftsmaschinen-Schau.

Dieses Prachtsexemplar wurde 1983 - nachdem die IBR-Seuche keine Gefahr mehr war - zur Schau gestellt. (Bild: Messe Luzern)

Dieses Prachtsexemplar wurde 1983 - nachdem die IBR-Seuche keine Gefahr mehr war - zur Schau gestellt. (Bild: Messe Luzern)

Auch werbetechnisch hatte man aus dem Vollen geschöpft: Überall in der Stadt wurden Maibäume aufgestellt. Und trotzdem: die quietschende Türe, das leere Zelt, die zu Becker hinausgestreckten Köpfe. «Jetzt hast du denn grössten Bock deiner Karriere geschossen», habe er sich in jener Nacht gesagt, in der er ­vergeblich um Schlaf rang. Am nächsten Tag ging – in jedem Sinne des Wortes – die Sonne auf. «Ich raffte mich auf und fuhr in Richtung Messeareal. Als ich die lange Warteschlange vor der Kasse sah, fiel mir ein gewaltiger Stein vom Herzen!» Es war der 15. Mai, 1980, Auffahrt. Ein Feiertag – und dazu noch schönes Wetter. Genug, um die Luzerner in Scharen auf die Allmend zu ­locken. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

An der Luga ziehen alle am selben Strick - 1984 sogar wortwörtlich (Bild: Messe Luzern)

An der Luga ziehen alle am selben Strick - 1984 sogar wortwörtlich (Bild: Messe Luzern)

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