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Hochbegabte sollen an Luzerner Volksschulen speziell gefördert werden

Die Volksschulen haben mit der Integration schwächerer Schüler viel zu tun. Dabei haben Kinder mit besonderen Begabungen ebenfalls Anrecht auf spezielle Förderung. Dem will der Kanton künftig Rechnung tragen.
Susanne Balli
Geht es nach dem Kanton Luzern, sollen künftig auch hochbegabte Kinder gefördert werden. (Symbolbild: Benjamin Manser (7. Mai 2018))

Geht es nach dem Kanton Luzern, sollen künftig auch hochbegabte Kinder gefördert werden. (Symbolbild: Benjamin Manser (7. Mai 2018))

«Integrative Förderung» (IF) heisst an den Volksschulen die Devise. Sie ist die übliche Förderung und Unterstützung der schulpflichtigen Kinder. Die Lehrpersonen haben alle Hände voll zu tun, um auffällige und lernschwache Kinder in die Klassen zu integrieren und bestmöglich zu fördern. Die Klassenlehrpersonen werden dabei in einer gewissen Anzahl von Lektionen pro Woche durch IF-Lehrpersonen unterstützt. Diese bringen in der Regel eine heilpädagogische Ausbildung oder eine Weiterbildung in Integrativer Förderung mit. Doch gerade in diesem Bereich fehlen im Kanton Luzern Fachkräfte (Ausgabe vom 29. Juni).

«Homogenität im Klassenzimmer ist eine Fata Morgana.»

Charles Vincent

Unter diesen Umständen ist es kein leichtes Unterfangen, alle Kinder gleichermassen nach ihrem Lernvermögen angemessen zu fördern. «Es sitzen ganz unterschiedliche Kinder in einer Klasse. Das hat sich im Vergleich zu früher etwas akzentuiert. Homogenität im Klassenzimmer ist eine Fata Morgana», sagt Charles Vincent, Leiter der kantonalen Dienststelle Volksschulbildung. IF müsse die ganze Palette von Kindern erfassen und sei auch darauf ausgerichtet. «Die meisten Mittel werden für die weniger begabten Kinder eingesetzt», sagt Vincent weiter. Das liege unter anderem auch in der Wahrnehmung der Lehrpersonen. Das heisst: Jene Kinder, die mit dem Schulstoff Mühe haben, fallen in der Regel mehr auf als schulisch starke Kinder.

Bis ein Viertel der Schüler kann mehr leisten

Das bedeutet aber auch, dass mit der Konzentration auf die Förderung der schwächeren Kinder die Bedürfnisse der Kinder mit besonderen Begabungen tendenziell untergehen. Dabei sind solche Kinder keine Seltenheit. 20 bis 25 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind in der Schule zu weitergehenden Leistungen fähig, als die Lehrpläne erfordern. Dazu zählen auch die Kinder, die bereits vor Schuleintritt lesen und rechnen können.

1 bis 2 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben herausragende kognitive Fähigkeiten und gelten als sogenannte Hoch- oder Höchstbegabte, heisst es in der Broschüre «Begabte Kinder an unsern Volksschulen». Dabei handelt es sich um eine Umsetzungshilfe für Schulleitungen, Lehrpersonen und Behörden, welche die Dienststelle Volksschulbildung zur Verfügung stellt.

«Die Zahl der Kinder, die bereits vor Schuleintritt lesen und rechnen können, hat eher zugenommen», bestätigt Charles Vincent. Dies habe auch damit zu tun, dass ein Teil der Kinder bereits vor dem Kindergarten in Spielgruppen und Kinderkrippen gefördert würden oder durch ältere Geschwister mit Lesen und Rechnen in Berührung kommen.

Ob aber besonders begabte und hochbegabte Kinder ihr Potenzial ausschöpfen können, hängt massgebend von den Förderangeboten und den Bedingungen in ihrem Umfeld ab. Denn Begabungen alleine führen nicht zwingend zu speziellen Leistungen.

Im Gegenteil: Ein gewisser Anteil an hochbegabten Kindern sind sogenannte Minderleister. Sie bringen schlechte Schulnoten nach Hause und fallen zum Teil durch ein schlechtes Sozialverhalten auf. Das führt dazu, dass eine Hochbegabung nicht immer einfach zu erkennen ist.

Übersicht aus Gemeinden fehlt

Die wenig verbindlichen kantonalen Vorgaben betreffend Begabtenförderung führen dazu, dass es bei den Gemeindeschulen in dieser Hinsicht grosse Unterschiede gibt. Während ein Teil der Schulen dem Thema kaum Beachtung schenken, setzen sich andere vergleichsweise stark mit speziellen Angeboten und Programmen dafür ein. Laut Charles Vincent verfügt der Kanton Luzern derzeit noch über keine Übersicht, welche Schulen spezielle Angebote führen. «Es sind aber aktuell nicht sehr viele. Einzelne Schulgemeinden sind schlichtweg zu klein, um spezielle Förderprogramme für hochbegabte Kinder anzubieten», so Vincent (siehe Kasten unten).

Darum plant der Kanton Luzern laut Vincent ein regionales Angebot, das von hochbegabten Kindern aus mehreren Gemeinden besucht werden kann. «Wir prüfen derzeit, wo ein solches Angebot Sinn macht, und ob es in einer oder mehreren Regionen im Kanton Luzern angeboten werden soll», sagt Vincent.

Das neue Angebot soll frühestens ab dem Schuljahr 2019/20 eingeführt werden. «Im kommenden Schuljahr lassen wir die Integrative Förderung und die Integrative Sonderschulung extern durch die Universität Zürich evaluieren», sagt Vincent. Ein entsprechender Bericht soll im Frühsommer 2019 vorliegen. «Ich erwarte, dass es dann entsprechende Aussagen darüber geben wird, welche Angebote für hochbegabte Kinder im Kanton Luzern vorhanden sind und welche fehlen», sagt Vincent. Finanziert werden soll das neue Angebot über das Budget. Was es koste, sei noch unklar, im Vergleich zu einer Sonderschulung seien die Kosten aber eher gering.

So werden begabte Kinder schon heute gefördert

Um nicht nur schwächeren, sondern auch begabten und hochbegabten Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, führen einige Gemeindeschulen im Kanton Luzern spezielle Förderprogramme. So zum Beispiel führt die Schule Rothenburg für Kinder der Primarstufe, die zu weitreichenden Leistungen fähig sind, das Angebot Werkstatt durch. In der Schule Ebikon haben Kinder mit besonderen Begabungen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten ausserhalb der Klasse im Rahmen der Begabungs- und Begabtenförderung «Pedalo» umsetzen. Die Schule Schenkon hat eine «Talenteria» im Angebot und die Schule Meggen führt einen Forscherclub.

Seit dem Jahr 2004 hat die Stiftung für hochbegabte Kinder im Rahmen ihrer Initiative «Schulen fördern Stärken» den sogenannten Lissa-Preis für begabungsfördernde Projekte in öffentlichen und privaten Schweizer Schulen verliehen. Zu den Preisträgern aus dem Kanton Luzern gehörten unter anderen die Schulen Gettnau, Hildisrieden, Hitzkirch, Wikon, Meggen, Schenkon und Wolhusen. Neben speziellen Förderprogrammen (Pull-out-Programme) gibt es noch weitere Möglichkeiten, Kinder mit besonderen Begabungen zu fördern: etwa die Anreicherung des Unterrichts (Enrichment), zum Beispiel durch ein grösseres und tieferes Lehrangebot, mehr Freiraum im Unterricht oder Vertiefungsangebote.

Eine weitere Möglichkeit ist die Beschleunigung der Schulbildung innerhalb der Schule. Zur sogenannten Acceleration gehören eine frühzeitige Einschulung, das Freistellen von einzelnen Lektionen zugunsten anderer Lernangebote, das Überspringen von Klassen oder der Gastunterricht in einer höheren Klasse in einem bestimmten Fach. Der Nachteil der Acceleration kann sein, dass die Kinder, welche Klassen überspringen, zu ihren Klassenkameraden einen Entwicklungsunterschied aufweisen und es damit in der sozialen Integration Probleme geben kann. (sb)

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