ANGY BURRI: «Falsche» Gitarren versteigert?

Es sollte der Auftakt für ein Angy-Burri- Museum sein: Doch der Veranstalter bleibt auf vielen Gitarren sitzen. Dafür gabs kritische Nebengeräusche.

Hannes Bucher
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In der Scheune von Andreas Schöpfer in Werthenstein wurden am Samstag unter anderem Gitarren und Bässe versteigert. (Bild Pius Amrein)

In der Scheune von Andreas Schöpfer in Werthenstein wurden am Samstag unter anderem Gitarren und Bässe versteigert. (Bild Pius Amrein)

Reges Treiben herrscht auf der Cowboy Coffee Ranch I auf der Liegenschaft Ringgei in Werthenstein. Es ist wohl nicht in erster Linie der «traditionelle Texas-Longhorn-Fleischverkauf», der von Besitzerfamilie Andreas und Monika Schöpfer durchgeführt wird und der zahlreiches Publikum – viele davon im Western- oder Indianerlook – auf die Cowboy Ranch führt. Vielmehr war der Samstag als «Infotag zum Angy-Burri-Museum» angekündigt. Andreas Schöpfer präsidiert die sechsköpfige IG Angy-Burri-Museum, die im Juni 2014 gegründet wurde.

«Lebenstraum verwirklichen»

Im Dachgeschoss der Cowboy Coffee Ranch ist «Angys Saloon» eingerichtet. Dort stellt der IG-Präsident sein Team und das erklärte Ziel den anwesenden Western- und Indianerfreunden vor: «Angy Burri, der im Dezember 2013 von uns in die ewigen Jagdgründe eingegangen ist, hat zu Lebzeiten von einem Indianermuseum geträumt. Die IG setzt alles daran, seinen Lebenstraum zu verwirklichen.» Es gehe jetzt darum, das nötige Kapital zu beschaffen. «Da die IG Angy Burri bei null beginnt, ist sie auf Spenden und andere Einkünfte angewiesen.» Aus diesem Grund finde diese Versteigerung von «Angys Gitarren und Musikgeräten statt, die in einer Vielzahl vorhanden sind». Auf eine Frage aus dem Publikum, wo und wann denn das Museum konkret eröffnet werde, gibt es nur eine vage Antwort: Hier in der Scheune, in diesem Raum werde es sein. Wann? Das bleibt offen.

Viel Herzblut – wenige Bieter

Auf der Bühne im Saloon warten wohl an die 40 Gitarren verschiedenster Art und Bauweise, Verstärkeranlagen und weitere Utensilien auf Käufer. Oder vielmehr auf erste Bieter. Gantrufer Alois Wyss versucht, solche zu animieren. Erst schwärmt er vom «vielen Herzblut», das er in den Vorgesprächen des Anlasses bei den IG-Leuten gespürt habe. «Riesig berührt» sei er «vom Feuer, vom Pulsschlag, von der Empathie», die er etwa bei der Kuratorin Susanne Ineichen vorgefunden habe. In das «wunderbare Ambiente», in dem diese Gegenstände nun zur Versteigerung kommen, wird erst noch ein Stück von Angy Burris Apaches eingespielt, dann geht es zur Sache. Diese erweist sich dann aber als äusserst zäh, trotz musikalischer Kostproben, die den angebotenen Instrumenten vom Gitarristen Rick Harris entlockt werden. Vorerst kaum Bieter, die Mindestverkaufspreise werden nicht erreicht. Die Auktion wird erst mal unterbrochen.

Angehörige sind irritiert

In der Pause kommt es dann zu Nebengeräuschen. Da steht scheinbar verloren eine Gruppe Angehöriger Angy Burris beim Saloon-Eingang. Darunter auch seine Enkelin Jil Burri. Feuchte Augen, offensichtlich alles andere als zufrieden. Was da abgehe, sei ganz und gar nicht im Sinne der Familie, sagt die junge Frau. Da würden Instrumente und Sachen als Angy zugehörig angeboten, die sie nicht kenne und die sicher nie auf der Bühne gestanden seien. Ihr Grossvater habe ihr «1000 Sachen von seinen Gitarren erzählt», sie kenne diese sehr wohl. François Mohr, der bei ihr steht, bestätigt dies. Er muss es wohl wissen: Er hat selber 16 Jahre als Gitarrist in Angys Band mitgespielt. «Vier der Instrumente erkenne ich als Angys Gitarren wieder», sagt der Musiker und distanziert sich vom ganzen Geschehen des Tages, so wie es ablaufe. Und: «Warum gibt es kein Zertifikat oder etwa Fotos, die Angy mit den Instrumenten zeigen?» Dies als Vergewisserung, dass die Sachen wirklich mit ihm zu tun hatten. «Wo sind die echten Freunde Angys, die ihn wirklich begleitet haben?», fragt Jil Burri weiter. «Sie sind nirgends auszumachen. Ganz einfach traurig» mache sie das Ganze.

Viele Fragen offen

Der IG-Präsident und die Kuratorin geben sich – mit den Vorwürfen konfrontiert – eher unverbindlich. Die Instrumente hätten alle zumindest im Übungslokal gehangen, sagt etwa Susanne Ineichen. «Ja, das mit einem Zertifikat sei eine interessante Idee», sagt Andreas Schöpfer. Zum Verhältnis der IG zu den Familienangehörigen: «Wir haben versucht, Kontakt mit den Familienangehörigen aufzunehmen. Vorerst ohne Antwort. Wir werden es wieder versuchen.» Zu den Fragen nach dem konkreten Termin einer Museumseröffnung: So bald als möglich. 2015? «Das wäre allenfalls denkbar.»

Nun, die Versteigerung geht dann weiter. «Wir haben recht gut verkauft, halt eher im unteren Preissegment», sagt der IG-Präsident auf Nachfrage am Sonntagmorgen. Es sei ein guter finanzieller Grundstein gelegt worden. Ein tolles Publikum habe sich am Samstagabend eingefunden. «Und wir sind auch auf die Familienangehörigen zugegangen. Es konnte doch einiges geklärt werden.» Für die Familie allerdings sind noch zu viele Fragen offen: «Die Öffentlichkeit hat nicht die Informationen bekommen, die gemäss Programm angekündigt waren. Was? Wo? Wie? Wann? Das alles ist nicht geklärt», sagt Angy Burris Tochter Sonja auf Nachfrage. «Ich persönlich glaube nicht daran, dass dieses Museum je eröffnet wird.»