ANIAN LIEBRAND: JSVP-Präsident solidarisiert sich mit Thompson

Der umstrittene kroatische Sänger Thompson durfte nicht in die Schweiz einreisen. Alles Humbug, findet Anian Liebrand. Und ruft dazu auf, sich dafür in Kroatien zu entschuldigen.

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Anian Liebrand. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Anian Liebrand. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

«Linke Antidemokraten, die für sich die alleinige moralische Deutungshoheit beanspruchen, verweigern sich inhaltlichen Diskussionen, indem sie unbequemen Gegnern bei jeder Gelegenheit den tödlichen 'Rechtsextremen-Stempel' aufdrücken», wettert der Präsident der Jungen SVP Luzern auf seiner Website.

«Heimatbewusste Lieder»
Seine eigenen Recherchen hätten ein «differenzierteres» Bild von Marko Perkovic alias Thompson ergeben, als gemeinhin vermittelt worden sei. Es handle sich um einen «populären Musiker, der auch patriotische, heimatbewusste Lieder im Repertoire hat» – und als «Person sicher nicht perfekt» sei. Aus diesem Grund dürften «er und seine Vielzahl an Fans nicht pauschal in ein negatives Lager gedrängt werden».

Der 20-Jährige aus Beromünster sieht im Ganzen eine Art von linker Hand vorbereitete Verschwörung. Denn: «In ihrem eigenen Umfeld sehen es die Linken aber in Sachen Extremismus nicht so eng. 2007 war die linksextreme Ex-RAF-Terroristin Inge Viett im Kulturzentrum Boa in Luzern zu einem Vortrag eingeladen, wo sie ihre gewaltbereite Ideologie verbreiten durfte.»

Musterbrief online gestellt
«Als Schweizer Staatsbürger entschuldige ich mich für das unwürdige Verhalten gegenüber Kroatien», schreibt Liebrand in einer «Entschuldigung für das Einreiseverbot» zuhanden der kroatischen Botschaft in Bern. «Das Recht auf freie Meinungsäusserung wurde auf inakzeptable Weise mit Füssen getreten.» Der Politiker ruft die Bevölkerung dazu auf, die Briefvorlage ebenfalls zu unterschreiben und abzuschicken.

Liebrands Aktion blieb nicht ohne Reaktion: David Roth, Präsident der Juso Luzern, die sich im Vorfeld für ein Verbot des Konzertes eingesetzt hat, schreibt in einer knappen Medienmitteilung: «Sich auf diese primitive Art bei Kroaten anbiedern zu wollen, ist abstossend.» Liebrand «sollte besser schweigen, wenn er ein komplexes Thema nicht erfasst. Seine Sympathisierung mit einem Faschisten zeigt aber, wes Geistes Kind er ist.»

Nach dem Einreiseverbot von Perkovic hatten sich am Samstag rund 400 Kroaten im Club Froschkönig zu einem Alternativkonzert mit Ante Matic getroffen. Trotz Kontrollen gelangten faschistische Symbole ins Lokal. Vor Konzertbeginn sangen Thompson-Fans «Jasenovac I Gradiska Stara», jenes Lied, in dem das Konzentrationslager Jasenovac verherrlicht wird. Matic spielte verschiedene, um heikle Passagen entschlackte Cover-Versionen von Thompson.

scd