ANIAN LIEBRAND: Junge SVP: Gay-E-Mail sorgt für rote Köpfe

Mit einem persönlichen Mail wollte eine Homo-Gruppierung zum Jahreswechsel bei den Parteien für mehr Unterstützung und Toleranz weibeln. Das bekam jemand in den ganz falschen Hals.

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Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP des Kantons Luzern. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP des Kantons Luzern. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Zum Jahreswechsel trudelte im Posteingang von Anian Liebrand, Präsident der Jungen SVP des Kantons Luzern, ein Mail mit dem Betreff «Lieber Anian» ein. Darin wurde ein Misstand ausgemacht und im selben Atemzug für mehr Toleranz geworben: «Leider erleben wir von deiner Partei wenig Wärme und Verständnis für diese gesellschaftliche Randgruppe der Homosexuellen – doch weshalb? Viele von uns leben friedlich Tür an Tür mit Heteros und helfen mit, dass sich auch Minderheiten in unserer Schweiz offen ausleben können.»

«Bin ich schwul?»
Nicolas G.*, Geschäftsführer der nonkommerziellen Gay-Vernetzungsplattform Pinkmap.ch , der anonym als «Mr. PinkMap» signierte, ging in seinem Schreiben noch weiter: «Wie viele Menschen in unserem Land hast vielleicht sogar du, Anian, in deinem Leben schon einmal persönliche Erfahrungen mit dem Thema Homosexualität gesammelt und dir die Frage gestellt: Bin ich schwul? Vielleicht hast du die Frage innerlich sogar bejaht aber magst es gegen Aussen nicht zeigen – aus Angst, diskriminiert zu werden.»

Diese «schamlose Kontaktaufnahme einer Schwulengruppierung» goutierte Anian Liebrand nicht. In einer Medienmitteilung, die unter anderem auf der Homepage der JSVP Luzern veröffentlicht worden ist, machte der 20-Jährige aus Beromünster seinem Ärger Luft: Zum einen konstatiert er, dass die Junge SVP «nichts» gegen Homosexuelle hat. Zum anderen aber stösst er sich am «extrem offensiven Verkündungsdrang derer sexuellen Gefühle». «Dass einschlägige Plattformen nun sogar Politiker auf der persönlichen Ebene mit der Sexualität konfrontieren – damit erreicht der Missionierungseifer eine neue Dimension.»

«Verruchte ?Gay-Prides?»
Im E-Mail an Nicolas G., das der Redaktion vorliegt, wird Liebrand noch deutlicher: «Mich befremdet auch das Bedürfnis homosexueller Lobbyingorganisationen, die Sexualität um jeden Preis öffentlich ausbreiten zu müssen, beispielsweise via die verruchten ?Gay-Prides?.» Seine Partei habe zwar nichts gegen Schwule, sei gleichzeitig aber auch eine «Partei der Familie und der traditionellen Werte»: «Es liegt in der Natur der Menschheit und gehört zur Norm, dass Mann und Frau zusammengehören.» Liebrand fühlt sich auch persönlich angegriffen: «Auch Ihre Anspielung, ob ich persönlich selber schwul sein könnte, finde ich deplatziert.»

Nicolas G. kann den ganzen Trubel nicht verstehen: «Die Aktion war völlig harmlos gedacht; ich und ein paar Kollegen wollten einfach etwas bewegen.» Dasselbe Mail sei in entsprechend personalisierter Form an die Präsidenten aller Schweizer Sektionen der Jungen SVP und auch der Pnos gegangen – bis jetzt habe es keine anderen Reaktionen darauf gegeben. «Es ist mir unerklärlich, dass jemand so negativ über eine Randgruppe sprechen kann», so G. weiter, der Liebrands Reaktion zwar inhaltlich generell durchaus korrekt findet, jedoch an einigen Stellen «klare homophobe Signale» ortet.

«Wir sind bereit zum Dialog»
Kurz nach dem Erscheinen dieses Artikel meldete sich Anian Liebrand per Mail auf der Redaktion zu Wort und distanzierte sich vehement davon, «homophobe Signale» auszusenden. Er habe «keinerlei Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen», dies sei auch aus seiner Mitteilung ersichtlich. Ausserdem habe er auch nicht negativ über eine Randgruppe gesprochen. Und weiter: «Die Junge SVP Luzern ist bereit, mit den homosexuellen Organisationen in den Dialog zu treten. Der Vorstand wird darüber in Kürze beraten!»

Nach Liebrand meldete sich auch noch sein Parteikollege Adrian Wassmer mit einer Medienmitteilung zu Wort. Das JSVP-Vorstandsmitglied stört sich ebenfalls am Eingriff in seine Privatsphäre und stellt die Frage «Müssen bald alle sexuellen Sondergruppen öffentlich selig gesprochen werden, damit niemand zu kurz kommt?» in den Raum. 

«Werbeschreiben wird zum Skandal»
«Marketing funktioniert offensichtlich doch: Da schreibt Pinkmap dem Präsidenten einer SVP-Jungorganisation und schon wird aus einem Werbeschreiben so etwas wie ein Skandal», kommentiert Uwe Splittdorf der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross das Geschehene. Zu hoffen bleibe letztlich, «dass bei der ganzen Aufregung um den Werbebrief die Anliegen homosexueller Organisationen nicht ganz vergessen gehen».

scd/ana

HINWEIS
* Name der Redaktion bekannt. «Aus Sicherheitsgründen» möchte Nicolas G. anonym bleiben.