ANKER: Nächste Runde im Unisex-Knatsch

Das Unisex-WC im «Anker» darf vorläufig bestehen bleiben – trotzdem flatterte eine Busse ins Haus. Derweil will der Regierungsrat das Verbot überprüfen.

Beatrice Vogel
Drucken
Teilen
Blick ins Unisex-WC des Hotel Anker. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))

Blick ins Unisex-WC des Hotel Anker. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 13. Dezember 2016))

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Es hat gehörig für Wirbel gesorgt – das Unisex-WC im Restaurant Anker am Pilatusplatz in Luzern. Bei vielen Gästen kamen die von allen Geschlechtern gemeinsam genutzten WC-Kabinen und der Waschraum meist gut an.

Doch die Anlage widerspricht der Gastgewerbeverordnung. Die Betreiberfirma Remimag wurde darum aufgefordert, die Toiletten der Baubewilligung entsprechend umzubauen. Dagegen hat die Remimag eine Verwaltungsbeschwerde eingereicht.

Remimag reicht erneut Beschwerde ein

Diese wurde aber sistiert – weil im Kantonsrat diesbezüglich ein Vorstoss eingereicht wurde. Das bedeutet: Die WCs dürfen bis auf weiteres so bleiben, wie sie sind. Gemäss Peter Eltschinger, Verwaltungsratspräsident der Remimag, hat die Firma aber trotz der Sistierung von der Stadt eine Busse erhalten, weil sie die «Anker»-Toiletten nicht bis Ende März verordnungskonform umgebaut hat. «Anscheinend war die städtische Verwaltung nicht über die Sistierung informiert», vermutet er. «Ich nehme an, dass die Sistierung bleibt, bis der Kantonsrat einen Entscheid zum Vorstoss gefällt hat oder sogar bis die Verordnung überarbeitet wurde.» Die Remimag habe nun auch gegen die Busse Beschwerde eingereicht. «Es kann aber sein, dass wir die Busse irgendwann doch bezahlen müssen, auch wenn Unisex-WCs dereinst erlaubt sind», sagt Eltschinger. Denn die Baubewilligung wurde nicht für eine Unisex-Toilette erteilt.

«Zulässigkeit von Unisex- Toiletten thematisieren»

Die Motion der SP, wegen der die Sistierung des Beschwerdeverfahrens vorgenommen wurde, hat der Regierungsrat mittlerweile beantwortet. In der Antwort heisst es, dass das Gastgewerbegesetz vorschreibe, die Räume und Einrichtungen eines Gastrobetriebs müssten «hygienisch, betriebssicher und kontrollierbar» sein sowie den bau-, feuer- und lebensmittelpolizeilichen Vorschriften entsprechen. Die erwähnte Verordnung geht jedoch mehr ins Detail als das Gesetz und verlangt, dass Betriebe über «getrennte Toilettenanlagen für Damen und Herren mit Handwascheinrichtungen im Vorraum verfügen müssen». Nur schon der gemeinsame Waschraum im «Anker» ist also nicht verordnungskonform.

«Wir erachten es als gerechtfertigt, die Verordnung generell hinsichtlich eines Anpassungsbedarfs zu überprüfen. Im Rahmen einer solchen Überprüfung kann auch die Zulässigkeit von Unisex-Toiletten thematisiert werden», schreibt der Regierungsrat weiter. Aus diesem Grund ist er bereit, die Motion als Postulat erheblich zu erklären. Sprich: Auch der Regierungsrat hält es für angebracht, die teilweise offenbar veraltete Gastgewerbeverordnung aus dem Jahr 1998 zu überarbeiten. Ob dies tatsächlich gemacht wird, darüber entscheidet der Kantonsrat.

«An gesellschaftliche Veränderungen anpassen»

Motionär Giorgio Pardini (SP) freut sich, dass die Regierung seinen Vorstoss für erheblich erklärt: «Man muss die Verordnung aktualisieren und an die gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Dabei ist es korrekt, sie gleich als Gesamtes zu überprüfen.» Für Pardini gibt es mehrere Gründe, die für eine Zulassung von Unisex-Toiletten sprechen. Einerseits hätten sich die gesellschaftlichen Normen betreffend die Geschlechter verändert, andererseits hätten kleine Gastrobetriebe durch gemischte WCs einen grösseren Spielraum bei der Raumgestaltung. Zudem seien Unisex-Toilettenanlagen in der Regel günstiger.

Für die Remimag heisst es also abwarten, was der Kantonsrat entscheidet. «Wenn wir aber grössere Umbauten in einem Restaurant durchführen, werden wir auch dort Unisex-WCs einbauen», sagt Peter Eltschinger. In den nächsten zwei Jahren plane die Remimag aber in keinem Gebäude einen Umbau. «Ich hoffe, dass die Kantonsräte sich unsere Toilette anschauen und dabei merken, dass sich viele Leute eine falsche Vorstellung davon machen», so Eltschinger. Letztlich sei es nämlich die Frage der Qualität und der Sauberkeit, die für Gäste relevant sei.

Auch der Gastro-Verband Stadt Luzern würde (anders als der kantonale Verband) eine Änderung der gesetzlichen Grundlage unterstützen, wie er gegenüber unserer Zeitung erwähnte – ebenso das Transgender Network Switzerland.

Die Unisex-WCs im Hotel Anker sind umstritten. (Bild: Nadia Schärli / LZ (13. Dezember 2016))

Die Unisex-WCs im Hotel Anker sind umstritten. (Bild: Nadia Schärli / LZ (13. Dezember 2016))