Anklage beantragt sechs Jahre für grosszügigen Drogendealer

Ein 40-jähriger Kosovare hat sich am Donnerstag für zahlreiche Delikte vor dem Luzerner Kriminalgericht verantworten müssen. Die meisten Vorwürfe bestreitet er.

Roger Rüegger
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Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai am Dienstag, 12. Juli 2016.

Eingangsbereich beim Kriminalgericht Luzern am Alpenquai am Dienstag, 12. Juli 2016.

Die Vorwürfe an die Adresse des Kosovaren (40) sind happig. Die Staatsanwältin beantragt am Luzerner Kriminalgericht eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Der Beschuldigte, der seit Mitte 2015 im vorzeitigen Strafvollzug ist, musste sich für Drogendelikte, Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, Nötigung, Freiheitsberaubung, versuchter Entführung und Waffendelikten verantworten.

Laut Anklage zieht sich auch Frauenfeindlichkeit wie ein roter Faden durch sein Leben. Die Beziehung zu einer Slowakin vor rund sechs Jahren sei von Gewalt geprägt gewesen. Er habe der Frau in einem Fall mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Grund: Der Beschuldigte reparierte das Auto der Frau. Diese habe sich bei einem Kollegen erkundigt, was eine solche Reparatur koste, worauf der Beschuldigte wütend geworden sei und handgreiflich wurde. Auch an ihrem Arbeitsplatz in einer Bar habe er ihr ins Gesicht geschlagen.

Weiter soll er ihr in seiner Werkstatt einen Gasbrenner vor das Gesicht gehalten und ihr Angst und Schrecken zugefügt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, die Frau mit einem Messer und mit einer Pistole bedroht zu haben.

Mehr oder weniger plausible Antworten

Die Kriminalrichter befragten den Mann zwei Stunden. Der stattlich gebaute Beschuldigte mit nach hinten gekämmten Haaren erschien mit schwarzem Shirt und Jeans. Konfrontiert mit den Vorwürfen gab er mehr oder weniger plausible Antworten. Die meisten bestritt er allerdings. Die Frage nach dem Gasbrenner etwa beantwortete er so: «Es gab keinen Gasbrenner, nur ein autogenes Gerät.»

Er gab jedoch zu, dass sie öfters Streit hatten. Einmal, weil sie ihm mehrere tausend Franken nicht aushändigen wollte. Geld, das ihm gehörte. Mit Waffen bedroht habe er sie jedoch nicht. Offenbar verstand sie es, ihn immer wieder bis aufs Blut zu provozieren. Er sagte:

«Ich verstehe die Frau nicht. Sie will mich fertig machen, ich weiss aber nicht warum. Aber sie hat psychische Probleme und war deshalb in St. Urban in Behandlung.»

Vorfälle gab es auch in einem anderen Ort, wo er mit Leuten aus dem Drogenmilieu ein Mehrfamilienhaus bewohnte. Er war laut Staatsanwältin ein «grosszügiger Drogendealer, der unter den Leuten Stoff verschenkte». Allerdings war auch er dem Alkohol und den Drogen verfallen. Zweimal sollen ihm Mitbewohnerinnen Kokain gestohlen haben. Die habe er relativ grob zur Rede gestellt. Dabei ist ein Schuss aus einer Pistole abgefeuert worden, die ihm gehörte. Unklar ist, wer den Schuss abgegeben hatte. Bei den Befragungen haben alle Involvierten den Kosovaren belastet. Jedoch konnte man ihm keine Schmauchspuren nachweisen.

Die beiden Frauen spielten sehr spezielle Rollen. Sie wurden von zwei Mitbewohnern auf den Strich geschickt. Auch mussten sie auf der Strasse Leute ausrauben und die Beute heimbringen. Der Beschuldigte versuchte, sie von diesen Geschäften abzubringen, womit er den Unmut der Platzhirsche auf sich zog.

Umstrittene Aussagen zweier Frauen

Die Staatsanwältin sagte, man könne sich vollumfänglich auf die Aussagen der Frauen stützen. In einer anderen Passage im Plädoyer hiess es, die Bewohner des Hauses seien stark drogenabhängig und hätten nur zögerliche Aussagen getätigt.

Der Verteidiger beantragte eine maximale Strafe von 24 Monaten. «Die Frauen sind Partei und nicht Zeuge. Sie sind nicht glaubwürdig. Meinem Mandanten muss man nicht alles glauben, den anderen auch nicht.» Er appellierte in «dubio pro reo», da es sich mehrheitlich um Vier-Augen-Delikte handle. Den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit liess er nicht gelten.

«Der Beschuldigte lässt sich von einer Frau therapieren. Das ist untypisch für einen Macho.»