Kommentar

Anstieg der Suizidalität bei über 65-Jährigen: Es hat gelitten, wer geschützt gehört

Der Shutdown hat der älteren Bevölkerungsgruppe psychisch geschadet. Das darf nicht mehr passieren.

Pascal Studer
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Bild: Manuela Jans-Koch

«Bleiben Sie zu Hause.» Während Wochen predigten Bundesrat und Behörden das Mantra, welches der rapide ansteigenden Corona-Fallzahlen Einhalt gebieten sollte. Ein Blick auf die Infektionskurve zeigt: Die kollektive Selbstisolation dürfte tatsächlich entscheidend zur Eindämmung von Covid-19 geführt haben.

Einschätzungen von lokalen Hilfsorganisationen lassen nun allerdings aufhorchen – und die Massnahmen des Bundesrats auch in einem kritischen Licht erscheinen. So ist gemäss Dargebotener Hand Zentralschweiz die Suizidalität von über 65-Jährigen während des Shutdowns klar angestiegen. Die Zahlen zeigen: Seit März ist die Anzahl Telefonate, in welchen Anrufende angedroht haben, sich das Leben zu nehmen, im Vergleich zum Vorjahr angestiegen – teilweise um fast 25 Prozent. Auch andere Themen wie Einsamkeit oder psychische Leiden haben die Fachleute vermehrt mit den Anrufenden besprochen. Der Tenor: Die ältere Bevölkerung hat besonders stark unter dem Shutdown gelitten.

Das ist besorgniserregend – und zeigt, dass sich die Diskussion um die öffentliche Gesundheit nicht nur um die Fallzahlen drehen darf. Wenn nämlich eine besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppe durch die Selbstisolation schwerwiegende psychische Folgeschäden davonträgt, verpuffen die Schutzmassnahmen zu einem beträchtlichen Teil. In den letzten Monaten hat gelitten, wer geschützt gehört. Darum ist künftig dringend auch der psychischen Gesundheit mehr Sorge zu tragen.

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