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Luzerner kaufen das Kloster St. Anna leer

Das Kloster St. Anna Gerlisberg ist am Samstag von Luzernerinnen und Luzernern überrannt worden. Der Grund: Ein Antiquitätenmarkt. Wir haben mit Besuchern und Helfern gesprochen.
Boris Bürgisser (Bilder), Chiara Zgraggen (Text)

«Ich komme da mit meinem Auto nicht durch, sie müssen wegfahren», klingt es von weither. Wer am Samstag den Weg zum Kloster St. Anna Gerlisberg auf sich genommen hat, merkte bereits auf dem Weg dahin: Der Antiquitätenmarkt ist kein Geheimtipp. So reihte sich Auto an Auto am regnerischen Tag vor der verregneten Kulisse, die der Vierwaldstättersee hergab. Aus dem ganzen Kanton Luzern sind Interessierte angereist. Einige, um zu stöbern, andere auf der Suche nach speziellen Stücken für den Hausrat.

Das Ehepaar Strebel aus Luzern entschied erst am Samstagmorgen beim Zeitunglesen und Kaffeetrinken, sich den Markt und das Kloster anzusehen. Obwohl sie bis zum Zeitpunkt unseres Treffens noch nichts erworben haben, lohnte sich die Anfahrt. «Wir waren einfach gespannt, wie das Kloster aussieht», sagen die zwei.

«Es ist schon stressig, hier zu arbeiten. Spass macht's trotzdem», erzählt Melanie Schnider aus Meggen. Dem Zufall ist es zu verdanken, dass die 13-Jährige hinter der Kuchentheke steht. So hat sie im Rahmen des Religionsunterrichts ein Interview im Kloster durchgeführt. Dort wurde sie darauf aufmerksam gemacht, dass es noch helfende Hände für den Antiquitätenmarkt braucht. «Da habe ich gedacht, dass es sicherlich noch spannend sein könnte, hier mitzuhelfen», sagt die Schülerin – und muss aufhören zu sprechen, da noch mehr Kundschaft eintrifft.

Heute ist sein Glückstag: Martin Strebel aus Kriens hat gezielt nach einem Ofen für sein Zuhause gesucht – und wurde prompt fündig. Diesen wird er nun eigenhändig restaurieren. «Ich bin der Meinung, man sollte die Arbeit von denen würdigen, die solch schöne Stücke einst gemacht haben», sagt der 34-Jährige.

An einem Tisch sitzt ein älterer Herr. Seelenruhig verspeist er seinen Kuchen. Er sei heute nur als «Transporter» hier, wie er sagt. Es stellt sich heraus: Er stellt heute nicht nur den Transport für seine Frau sicher, die alte Kommoden bestaunt. So erzählt der Luzerner, der weder seinen Namen noch ein Bild von sich in der Zeitung sehen möchte, von einer ungewöhnlichen Begegnung:

«Ein Mann hat mich vorhin um Hilfe gebeten, weil er mit dem Velo da ist, jedoch ein paar schöne Möbel für sein Zuhause kaufen wollte. Jetzt ist mein Auto voll von Möbeln eines Unbekannten.»

María Fernanda Salvador vom Stiftungsrat Kloster St. Anna, die den Markt organisiert hat, zeigt sich zufrieden mit dem Verkaufstag. Dass der Andrang so gross werden würde, damit hat niemand gerechnet. «Vor allem zu Beginn sind viele Leute vorbeigekommen», erzählt sie. Trotz Wartezeiten fürs Bezahlen seien die Besucher ruhig geblieben und hätten viel Geduld mitgebracht.

Dass sie etwas später doch noch etwas kaufen wird, damit hätte man im Gespräch mit ihr nicht gerechnet. Angelika Wanner aus Luzern ist nämlich nicht auf der Suche nach Möbeln oder Dekogegenständen: «Eine Bekannte von mir arbeitet hier. Ich bin nur da, um ein wenig zu stöbern», sagt die Luzernerin im Dialog. Eine Stunde später verlässt sie das Klostergelände – mit einer grossen Holzschatulle in den Händen.

«Das war ein riesiger Ansturm heute Morgen», erzählt Luzia Kathrin. Die Meggerin bringt heute Kloster-Produkte an den Mann und die Frau. Bei ihr kann alles von Kerzen über Teemischungen bis zu Büchern erworben werden. Am speziellsten sind die «Chloster-Chnusperli»; Überreste, die bei der Hostienproduktion übrig bleiben, werden mit Gewürzen angereichert, verpackt und verkauft.

«Sind die Bücher nur heute käuflich?», will eine ältere Dame von Kathrin wissen. Sie habe heute schon viel Gepäck dabei, deshalb könne sie nicht noch mehr tragen. Doch die Meggerin kann beruhigen: «Nein. Die kann man jederzeit an der Klosterpforte kaufen.»

Mit Kraft und breitem Grinsen verlässt sie den Verkaufsstand. Rachel Bösch aus St. Erhard ist mit ihrem Götti Felix Abgottspon hergekommen. Dieser hat sich den Antiquitätenmarkt aber anders vorgestellt. Die Menschenmenge überrasche ihn – doch für sein Göttimeitli, die gerne Flohmärkte besucht, habe er dies gerne auf sich genommen.

Doch nicht nur der Verkauf stiess auf unerwartet grosses Interesse, sondern auch der mögliche Besuch durchs Kloster. So wurden mehrere Besichtigungen durch das Kloster angeboten, obwohl nur zwei für den ganzen Tag geplant waren. Zwei führten die Mitglieder des Stiftungsrates bis 11 Uhr schon durch – das Interesse war schlichtweg grösser als gedacht.

Der Stiftungsrat zeigt sich sehr zufrieden mit dem Anlass, der «überlaufen» worden sei. Restlos alles konnte verkauft werden. Da der Tag auf so grosses Interesse gestossen ist, überlegt sich der Stiftungsrat, auch künftig solche Anlässe durchzuführen. Nun soll ein Konzept dazu erstellt werden.

Informationen zum Kloster finden sie unter www.kloster-gerlisberg.ch

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