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Anwohnerin des Himmelrich-Rückbaus: «Der denkbar schlechteste Zeitpunkt für Home Office»

Während das an ihre Wohnung angrenzende Haus an der Claridenstrasse in Luzern abgebrochen wird, arbeitet Jasmin Stadelmann zuhause. Sie erzählt, wie es sich anfühlt, wenn der Arbeitsalltag durch Erschütterungen geprägt ist.

Beatrice Vogel
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«Es fühlt sich an wie ein Erdbeben», sagt Jasmin Stadelmann. Die Rede ist von den Abbrucharbeiten an der Claridenstrasse in Luzern. Im Zuge der zweiten Etappe der Überbauung Himmelrich 3 der Allgemeinen Baugenossenschaft Luzern (ABL) werden hier seit Anfang Jahr sechs Häuser abgerissen. Nötig ist der Rückbau der in den 1930er Jahren entstandenen Wohnbauten, weil sie vor rund 30 Jahren durch den Bau der Tiefgarage in Schieflage gerieten. Mittlerweile sind die Abbrucharbeiten weit fortgeschritten: Das letzte Haus – Claridenstrasse 6 – wird in diesen Tagen dem Erdboden gleich gemacht.

Jasmin Stadelmann wohnt an der Claridenstrasse 7 – in dem Haus, das direkt an jenes angebaut ist, das derzeit abgerissen wird. Sie erlebt die Bauarbeiten quasi hautnah mit, wie sie am Montag erzählt. «Ich habe die Erschütterungen von Anfang an gespürt, es hat mich aber kaum gestört, weil ich tagsüber im Büro war.» Sie arbeitet für eine Immobilienverwaltung.

Video vom 6. Februar 2020

Schlafzimmer grenzt ans Abrisshaus

Doch in Zeiten von Corona ändert sich bekanntlich alles: Seit einer Woche arbeitet Jasmin Stadelmann im Home Office. «Der denkbar schlechteste Zeitpunkt dafür», denn gerade jetzt finden die Abrissarbeiten nur noch wenige Meter von ihrer Hauswand entfernt statt. Das sei zum Arbeiten natürlich nicht gerade angenehm. «Ui, das war jetzt gerade wieder heftig», kommentiert sie während des Telefonats immer mal wieder die Aktivitäten im Nachbarhaus.

Das eingerüstete ABL-Haus an der Clardenstrasse wird derzeit abgebrochen. Jasmin Stadelmann wohnt im direkt angrenzenden Haus (links).

Das eingerüstete ABL-Haus an der Clardenstrasse wird derzeit abgebrochen. Jasmin Stadelmann wohnt im direkt angrenzenden Haus (links).

Bilder: Eveline Beerkircher (Luzern, 23. März 2020)

Stadelmanns Schlafzimmer und das Esszimmer grenzen direkt an das Abrisshaus. Der Lärm sei nicht besonders schlimm, erzählt sie, aber die Erschütterungen seien bisweilen sehr stark: «Das ganze Haus bewegt sich.» Und sie könne die Balkone wegen der Staubentwicklung nicht mehr benützen. Das Baugerüst reiche bis vor ihr Schlafzimmer, wobei sich keine Bauarbeiter direkt vor dem Fenster bewegen können – der Weg dahin wurde mit einem Netz abgesperrt. Die 28-Jährige nimmt es mit Humor:

«Ich brauche keinen Wecker mehr, weil die Bauarbeiten kurz vor 7 Uhr morgens beginnen. Wenn mein Bett wackelt, bin ich wach.»

Grundsätzlich vertraue sie darauf, dass nicht plötzlich ein Loch in ihrer Schlafzimmerwand klaffe, sagt Stadelmann schmunzelnd, auch wenn es natürlich respekteinflössend sei. Möbel habe sie deswegen keine verschoben. «Ich überlege mir aber, die Bilder an dieser Wand abzuhängen, damit sie nicht durch die Erschütterungen herunterfallen.» Schliesslich seien die Häuser alt und sie könne nicht einschätzen, wie einfach sie sich voneinander ablösen liessen.

Abbruch steht in den letzten Zügen

Die Häuser an der Claridenstrasse 7 und 8 gehören nicht der Baugenossenschaft ABL, sondern der CSS Versicherung. Sie sind deshalb auch nicht Teil der Himmelrich-Überbauung und werden stehen bleiben. Eine Mietzinsreduktion wegen der Bauarbeiten habe sie keine erhalten und auch nicht beantragt, sagt Stadelmann. Schliesslich habe sie schon bei ihrem Einzug vor drei Jahren gewusst, dass im Himmelrich gebaut wird. «Letzte Woche habe ich mir aber schon überlegt, ob ich nicht doch eine Reduktion beantragen soll.» Dies angesichts dessen, dass sie noch mehrere Wochen von zuhause aus wird arbeiten müssen.

Allerdings muss Jasmin Stadelmann wohl nur noch wenige Tage mit den Erschütterungen leben: Die Abbrucharbeiten nähern sich dem Ende. «Ich merke, dass sie vorwärts machen, wahrscheinlich weil ein Baustopp wegen des Corona-Virus droht», meint sie. Geplant ist bislang, dass gleich nach dem Rückbau der Neubau beginnt. Die neuen ABL-Wohnungen sollen bis 2022 bezugsbereit sein. Ein baldiges Ende der Abbrucharbeiten dürfte auch andere Anwohner freuen, die – wahrscheinlich ebenfalls im Home Office – durch Lärm, Erschütterungen und Staub beeinträchtigt sind. 

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