Kolumne

Apropos: Die Auswüchse des Ausmistens

In ihrer Kolumne berichtet Redaktorin Evelyne Fischer darüber, wie grossflächige Entrümplungsaktionen so manchem Zeitgenossen ein neues Erscheinungsbild verpasst haben.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Das Brockenhaus um die Ecke hat die Warenaufnahme gestoppt. Gerät die Welt aus den Fugen, steigt offenbar der Wunsch nach Ordnung. Keller wurden aufgeräumt, Estriche entrümpelt, Schränke ausgemistet. Die Glücklichen unter uns stiessen auf Schutzmasken aus der Zeit der grassierenden Schweinegrippe, retroanmutende Joggingschuhe oder einen verstaubten Hometrainer, der sie das verpasste Fitnesstraining nachholen liess.

Einige bekamen beim Ausmisten augenscheinlich auch die Haarschneidemaschine wieder in die Finger (leider ohne das dafür nötige Talent). Das Resultat: Coronaschnitte in Rasenmähermanier. Gewisse treiben es wohl bald noch bunter: Sie blieben beim Ausmustern alter Kleider beim Batikshirt hängen (und werden jetzt mit einem Mode-Revival belohnt). Auswüchse einer aussergewöhnlichen Zeit.

Als hätte man es kommen sehen, wirbt das Wallis nun damit: «Chum, wie dü bisch!» Warmherzige Willkommenskultur? Nachsichtige Nächstenliebe? Wohl eher clevere Krisenkalkulation.

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