Kolumne

Apropos: Wenn Journalisten zaubern müssen

In der neusten Apropos-Kolumne sagt Redaktorin Evelyne Fischer, warum der Journalisten-Alltag manchmal zirkuswürdige Auftritte mit sich bringt.

Evelyne Fischer
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Evelyne Fischer

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Uns Journalisten gehts ein wenig wie einst den Pfarrherren, Pädagogen und Doktoren. Weiland waren wir Autoritäten, inzwischen schwindet das Ansehen spürbar. In den goldenen Zeiten galten Medien noch als Gralshüter der Wahrheit, Journalisten als Wachhunde der Demokratie. Irgendwann dann degradierte man die vierte Staatsgewalt zur schreibenden Zunft. Heute fühlt sich unsereins nicht selten als Wortakrobat, den man zur Schreibmarionette dressieren will.

In den goldenen Zeiten dankte das Gegenüber beim Autorisieren der Zitate für die «wohlwollende Berichterstattung». Dieser Tage dankt man für den «Entwurf» (Politiker), man dankt für die «Vorarbeit» (Parteipräsident) oder man dankt nicht mal und schickt stattdessen gleich «eine überarbeitete Endfassung» (Vereinsfunktionär). Dann gilt: Zurückdanken und – im Zirkusjargon verbleibend – einen Kompromiss aus dem Hut zaubern. Ein täglicher Salto Mortale wäre schlicht ein zu grosses Berufsrisiko.

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