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ARBEIT: Mancher Senior hat noch nicht genug

Jeder siebte Luzerner über 65 ist erwerbstätig. Tendenz steigend. Das ist sinnvoll, sagt eine Expertin. Nicht nur, weil die Pensionsgrenze künstlich sei.
Alexander von Däniken
Für Mitarbeiter wie Unternehmen kann es attraktiv sein, die Zusammenarbeit auch jenseits der Pensionsgrenze weiterzuführen. (Bild: Getty Images)

Für Mitarbeiter wie Unternehmen kann es attraktiv sein, die Zusammenarbeit auch jenseits der Pensionsgrenze weiterzuführen. (Bild: Getty Images)

Alexander von Däniken

Alt und teuer oder erfahren und wertvoll? Spätestens wenn ein Angestellter das AHV-Alter erreicht, stellt sich für den Arbeitgeber diese Frage. Wie aktuelle Zahlen zeigen, nimmt die Wertschätzung gegenüber älteren Arbeitnehmern zu. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft der über 64-jährigen Frauen und über 65-jährigen Männer, ihrem Unternehmen noch ein paar Jahre mehr die Treue zu halten. Auf Anfrage unserer Zeitung stellte Lustat Daten des Bundesamts für Statistik zusammen. Diese basieren zwar auf einer Hochrechnung, die Tendenz ist aber eindeutig. 2010 waren im Kanton Luzern schätzungsweise 6200 Personen ab 65 Jahren erwerbstätig, was einer Erwerbsquote von 11 Prozent entsprach. 2015 gingen bereits 8700 über 65-Jährige einer Erwerbsarbeit nach. Das ist eine Quote von 14 Prozent.

Aus Freude oder finanzieller Not

Wollen die über 65-Jährigen im Arbeitsprozess bleiben, weil es ihnen Freude bereitet, oder müssen sie aus finanziellen Gründen weiterarbeiten? Beides, sagt Verena Glanzmann, Dozentin an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und Expertin für Personalmanagement. Gerade Frauen seien oft dreifach gestraft. Durch die Kindererziehung und die damit verbundene Teilzeitarbeit erzielen sie weniger Lohn und damit weniger Ersparnisse. Dazu kämen später knappere Pensionskassenbezüge. Drittens seien viele Frauen durch die hohe Scheidungsrate im Pensionsalter auf sich alleine gestellt.

Ein erneuter Blick in die Statistik bestärkt die Beobachtung, wonach nicht alle Senioren aus freien Stücken über die Pensionsgrenze hinaus arbeiten: Denn in den Jahren zwischen 2010 und 2015 hat die Zahl der Bezüger von AHV-Ergänzungsleistungen im Kanton Luzern überproportional zugenommen – um gut 11 Prozent von 9698 auf 10 787.

Verena Glanzmann stellt aber auch eine Zunahme jener Senioren fest, die weiterarbeiten, weil sie es gerne tun: «Sie haben Freude daran, etwas zu machen, die Kontakte weiter zu pflegen und ihre Erfahrungen weiterzugeben.» Das sei übrigens auch bei Glanzmann selbst der Fall. Im September wird sie 64. Schon vor einem Jahr habe sie begonnen, einen Teil ihrer Führungsaufgaben an der Hochschule schrittweise abzugeben. «Das Dozieren bereitet mir aber nach wie vor grosse Freude, weshalb ich mit der Hochschule vereinbart habe, das noch weiter zu machen.»

Wichtig sind individuelle Lösungen

Wichtig sei nicht nur in ihrem Fall, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer offen sind und frühzeitig über mögliche Lösungen sprechen. «Wenn es für beide Seiten stimmt, finden sich gute Lösungen.» Diese können – und sollen in den meisten Fällen auch – sehr individuell ausfallen. Von der Weiterbeschäftigung auf Mandats- oder Projektbasis über Teilzeitverträge bis zu Teilpensionierungen sei alles möglich.

Wenn seitens des Arbeitgebers das Bedürfnis nach einer Weiterbeschäftigung da sei und auch der Arbeitnehmer weiterarbeiten wolle, seien auch finanzielle Hindernisse überwindbar, sagt Glanzmann weiter. Konkret: Beide Seiten finden eine Lösung für einen angemessenen Lohn.

Vor allem grössere Unternehmen hätten bereits erkannt, welches Potenzial in ihren älteren Mitarbeitern stecke. «Alleine schon der Fachkräftemangel lässt sich dadurch entschärfen», so Glanzmann. Kleineren Unternehmen biete sich überdies die Gelegenheit, individuelle und unbürokratische Entscheidungen zu treffen. Wichtig sei in jedem Fall, keine strikte Altersgrenze einzuführen: «Die Pensionsgrenze ist künstlich. Was bei einem 60-jährigen Bauarbeiter sinnvoll sein kann, muss nicht für eine 70-jährige Ärztin gelten.»

Trend wird weitergehen

Generell hält Glanzmann, die das Institut für Betriebs- und Regionalökonomie mit aufgebaut hat, die Zunahme an über 65-jährigen Erwerbstätigen für sinnvoll. «Je nach wirtschaftlicher Entwicklung und Arbeitslosenzahl dürfte der Trend so weitergehen.» Bei welcher Quote ist denn Schluss? «Das lässt sich nicht sagen. Schwierig wird es sicher, wenn im Gegenzug Stellen für Jugendliche gefährdet wären.»

Stichwort Jugendliche: Gemäss Glanzmann hätten Angestellte dann die besten Chancen auf eine Weiterbeschäftigung nach 65, wenn sie genügend Dienstjahre im gleichen Unternehmen aufweisen. Allerdings ist es heute bei jungen Erwachsenen üblich, nach einigen Jahren die Stelle zu wechseln. «Das eine muss das andere nicht ausschliessen», sagt Verena Glanzmann dazu. Nach einigen Wanderjahren sei es zwar sinnvoll, spätestens mit 50 in einem Betrieb «anzukommen». Andererseits hätten auch die Unternehmen ein Interesse an unterschiedlichsten Angestellten: von Treuen mit unbezahlbarer Betriebserfahrung bis zu Neuen, die Ideen aus anderen Bereichen einbringen. «Es wird aber sicher schwierig für jene bleiben, die mit 55 oder 60 eine neue Stelle suchen.»

Nicht nur Unternehmen bieten zunehmend flexible Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten an, sondern auch öffentliche Verwaltungen. Der Kanton Luzern zum Beispiel hat auf den 1. August dieses Jahres die Personalverordnung angepasst. Statt dass Verwaltungsangestellte und Lehrpersonen wie bisher nur im Einzelfall bis 68 weiterarbeiten können, kann nun ein neuer befristeter Vertrag abgeschlossen werden. Letztlich ist so eine schrittweise Verlängerung des Arbeitsverhältnisses bis 70 möglich, sofern beidseitig Interesse besteht. Die neue Regelung geht auf einen Vorstoss von FDP-Kantonsrätin Angela Pfäff­li von Ende März 2014 zurück. Das Parlament hat dem Vorschlag des Regierungsrates zu einer Anpassung auf Verordnungsebene zugestimmt. Rund 11 200 Personen können von der flexibleren Lösung profitieren.

Ältere bleiben länger fit

Bis jetzt haben sich betreffende Anfragen in Grenzen gehalten, wie Roland Haas, Leiter der kantonalen Dienststelle Personal, auf Anfrage erklärt. «Wir stellen keinen grossen Schub fest, unter anderem darum, weil es schon vorher möglich war, bis 68 zu arbeiten.» Trotzdem ist Haas überzeugt, dass das Modell in Zukunft stärker nachgefragt wird: «Es gibt immer mehr ältere Menschen, die sehr fit sind. Gleichzeitig wird der Fachkräftemangel in einigen Bereichen bestehen bleiben.»

Die flexible Pensionierungslösung stehe aber nicht nur Spezialisten und Kaderleuten offen: «Die Regelung gilt für alle. Voraussetzung ist, dass interessierte ältere Angestellte weiter ihre Leistung erbringen können.» Auch sagt Haas klar, dass dabei die Ausbildung und Förderung junger Angestellter nicht vernachlässigt werde. Im Durchschnitt lassen sich Kantonsangestellte mit 63 Jahren pensionieren, 2 Prozent gehen erst nach 65 in Pension, und 11 Prozent werden temporär wieder beschäftigt, nachdem sie bereits eine Altersrente beziehen.

Hinweis

Die Stadt Luzern lädt zu einer themenspezifischen Veranstaltung: Am 16. August referiert Andreas Kruse von der Universität Heidelberg zum Thema «Potenziale des Alters – Lernen, Erschaffen und Wachsen bis ins hohe Alter». Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Kirchensaal Maihof an der Weggismattstrasse 9.

  • 8700 Personen

So viele Luzerner über 65 Jahren waren im vergangenen Jahr erwerbstätig – das entspricht einer Quote von 14 Prozent.

  • 10 787 Personen

So viele Luzerner haben im letzten Jahr AHV-Ergänzungsleistungen erhalten.

  • 70 Jahre

Auf dieses Alter hat der Kanton Luzern die Obergrenze für Arbeitsverhältnisse mit Verwaltungsangestellten und Lehrern angehoben.

«Auch der Fachkräftemangel lässt sich so entschärfen.» Verena Glanzmann, Hochschule Luzern (Bild: pd)

«Auch der Fachkräftemangel lässt sich so entschärfen.» Verena Glanzmann, Hochschule Luzern (Bild: pd)

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