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ARBEITSINTEGRATION: Neue Perspektiven für anerkannte Flüchtlinge in der Küche

Der Gastroverband Luzern stellt ein neues Projekt zur Arbeitsmarktintegration von vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlingen vor. Dahinter steckt eine ordentliche Portion Eigeninteresse.
Ismail Osman
Ruedi Stöckli, Gastro Luzern: «In der Stadt haben vor allem Trendlokale stark zugenommen.» (Bild: PD)

Ruedi Stöckli, Gastro Luzern: «In der Stadt haben vor allem Trendlokale stark zugenommen.» (Bild: PD)

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Integrationsvorlehre heisst das aktuelle Zauberwort, wenn es um die Einbindung von jungen Flüchtlingen in den hiesigen Arbeitsmarkt geht. Ziel des vom Staatssekretariat für Migration (SEM) lancierten Pilotprojekts ist es, anerkannte Flüchtlinge und vorläufig aufgenommene Personen (bis 25 Jahre) die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, um danach eine berufliche Grundbildung (also eine Lehre oder Attestlehre) antreten zu können. Eine solche Integrationsvorlehre soll innerhalb eines Jahres absolviert sein.

Der Bund zahlt den Kantonen pro Platz 13'000 Franken. In der vierjährigen Pilotphase stellt er dafür jährlich 54 Millionen Franken zur Verfügung.

Konkrete Projekte mussten bei den Kantonen bis Mitte September eingereicht werden. Gemäss Ruedi Stöckli, Präsident von Gastro Luzern, hat sein Verband ein entsprechendes Konzept für den Gastronomiebereich vorgelegt. Demnach wäre man bereits ab dem Schuljahr 2018/19 so weit, maximal 12 junge Flüchtlinge an einem solchen Kurs teilnehmen zu lassen.

Laut dem Umsetzungsplan des Gastro-Luzern-Projekts werden die ersten Personen im August in Zusammenarbeit mit dem Brückenangebot Luzern «eingeschult». Die ersten Kurse finden im Oktober statt und werden im verbandseigenen Aus- und Weiterbildungszentrum G’Art in der Stadt Luzern absolviert. Dort werden die Teilnehmer zunächst 20 Tage in der Küchenpraxis ausgebildet, sechs Monate später folgt ein zwei- ter Ausbildungsteil, der wieder 20 Tage dauert.

Günstiger als früheres Projekt

Für die Umsetzung dieser Integrationsvorlehre wird seitens des Ausbildungszentrums eine Tagespauschale von 200 Franken pro Teilnehmer erhoben. Darin eingerechnet sind das Mittag­essen und Kursunterlagen. Zudem gibt es eine Arbeitsplatz­sicherung für eine Lehrstelle im darauffolgenden Jahr. «Das kommt den Kanton um Welten billiger zu stehen als das Vorgängermodell», sagt Stöckli. Der Verbandspräsident und SVP-Kantonsrat (Meierskappel) spricht damit die Riesco-Kurse an, die im Kanton Luzern zwischen 2006 und 2015 vom Berufsbildungszentrum Hotel & Gastroformation Schweiz in Weggis angeboten wurden. Die Kurse verfolgten ein ähnliches Ziel, allerdings nicht den Antritt einer Lehre, sondern den direkten Einstieg in die Berufswelt. Nach 2015 wurde das Angebot vom Kanton nicht mehr unterstützt. Gemäss Ausführungen der Luzerner Regierung lag dies vor allem an den hohen Kosten: Diese beliefen sich auf rund 26'000 Franken pro Teilnehmer und Lehrgang. Die Pro-Kopf-Kosten für die von Gastro Luzern vorgeschlagene Integrationslehre belaufen sich bei den vorgesehenen 40 Kurstagen (und abzüglich der Pauschale vom Bund) auf 8000 Franken.

Rückläufige Zahlen bei den Lehrlingen

Dass der Gastroverband ein solches Arbeitsintegrationsprojekt bewirbt, ist nicht rein humanis­tischen Gedanken geschuldet: «Wir haben im Gastrogewerbe in den vergangenen Jahren wegen der geburtenschwachen Jahrgänge leicht rückläufige Zahlen bei Lernenden», sagt Stöckli. «Wir hoffen natürlich, dieses Potenzial an Menschen, die ja so oder so hier sind, nutzen zu können. Dafür bieten wir ihnen eine Chance und Perspektiven.»

Gemäss Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern, wird der Bund Anfang Januar über die eingereichten Konzepte für Integrationsvorlehren entscheiden. Insgesamt stammen sechs Projekte aus dem Kanton Luzern. Nebst jenem für die Gastrobranche kommen diese aus den Bereichen Bäcker/Confiseur, Detailhandel, dem Bau­nebengewerbe, der Logistik und der Gebäudereinigung.

«Gerade für Branchen mit hohem Personalbedarf bietet dieses Pilotprojekt durchaus Chancen», sagt Spöring. «Die Betriebe profitieren etwa von den längeren Praktika, da sie so die Lernenden auf den Start einer beruflichen Grundbildung im Betrieb besser einschätzen können.» Genau in diesem Punkt sieht er aber auch eine der grössten Herausforderungen: genügend Praktikumsplätze sicherzustellen. «Es müssen Betriebe gefunden werden, die bereit sind, diesen Mehraufwand zu tragen», so Spöring. Er sei jedoch zuversichtlich, dass dies bis zum Beginn des Projekts im Herbst nächsten Jahres sichergestellt werden könne.

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