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ARBEITSMARKT: Luzern verzeichnet Anstieg der Kurzzeit-Arbeiter aus EU und Efta

Fast tausend Personen, die der Schwarzarbeit verdächtigt wurden, sind dem Kanton Luzern 2017 gemeldet worden. Das Niveau der vermuteten Verstösse war damit ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Deutlich zugenommen hat die Zahl der Erwerbstätigen aus EU und Efta-Staaten.
Gastrobetriebe haben zunehmend Mühe, Schweizer Köche zu finden. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Gastrobetriebe haben zunehmend Mühe, Schweizer Köche zu finden. (Symbolbild: Christian Beutler/Keystone)

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Die Schweiz ist für Arbeiter aus dem nahen Ausland attraktiv. Dies gilt insbesondere für den Kanton Luzern. Letztes Jahr wurden 20'527 Personen gemeldet, die maximal 90 Tage lang ohne Bewilligung im Kanton Luzern arbeiten können. Das ist ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie der Bericht Arbeitsbedingungen im Kanton Luzern zeigt, welcher am Dienstag von der Dienststelle Wirtschaft und Arbeit (Wira) veröffentlicht wurde. Zum Vergleich: Schweizweit betrug der Anstieg 4,2 Prozent. Der grosse Teil der Firmen hält sich gemäss Kanton an die gesetzlichen Regeln. Dennoch gibt es nach wie vor viele Fälle von Schwarzarbeit (siehe Kasten).

Martin Bucherer, Leiter der Dienststelle Wira, führt den massiven Anstieg der Anzahl ausländischer Kurzzeitarbeitskräfte im Kanton Luzern «auf die gute Wirtschaftslage und die breit diversifizierte Wirtschaft» zurück. «Auch die Konjunkturprognosen für das laufende und das kommende Jahr sehen gut aus», so Bucherer. 47 Prozent der ausländischen Kurzzeitarbeiter treten eine Stelle bei einem Luzerner Arbeitgeber an, 42 Prozent werden von einem ausländischen Betrieb entsandt und 11 Prozent sind selbstständig Erwerbende.

Die meisten dieser Kurzzeitarbeiter sind im Baunebengewerbe tätig (6933), gefolgt vom Dienstleistungssektor (3943). Besonders stark ist der Anstieg in der Informatik (siehe Grafik). In dieser Branche hat sich die Zahl der Meldungen innerhalb drei Jahren mehr als verdoppelt – von 438 im Jahr 2015 auf 999.

Ab Juli gilt Inländervorrang light

Ob freie Stellen mit Schweizern oder ausländischen Arbeitskräften besetzt werden, können die Unternehmen frei entscheiden. «Wir stellen fest, dass in gewissen Branchen die Arbeitslosigkeit in der Schweiz zwar relativ hoch ist, aber trotzdem relativ viele Leute aus dem europäischen Raum geholt werden», sagt Bucherer. Als Beispiel dafür nennt er das Gastgewerbe mit 1351 Kurzzeitarbeitern. Dort gelten allerdings, wie etwa auch im Baugewerbe, ab Mitte Jahr neue Regeln. Am 1. Juli tritt der sogenannte Inländervorrang light in Kraft. Das bedeutet konkret: Für alle Berufssparten mit einer Arbeitslosenquote von über 8 Prozent gilt eine Stellenmeldepflicht. Die Betriebe müssen offene Stellen der kantonalen Meldestelle bekanntgeben. Innert drei Tagen erhalten sie von den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) die Rückmeldung, ob passende Stellensuchende gemeldet sind. «Sie können aber weiterhin frei entscheiden, ob sie aus diesen Dossiers eine Person auswählen, oder ob sie die Stelle ausschreiben», erklärt Martin Bucherer.

Wie sich diese neue Regelung auf den Arbeitsmarkt auswirken wird, ist für Bucherer schwer abschätzbar. «Ich gehe davon aus, dass die Arbeitgeber eine Person einstellen, die bereits in der Schweiz ist, wenn sie dem gesuchten Profil entspricht.» Der Aufwand sei kleiner, als wenn ein Arbeitgeber die Stelle ausschreiben müsse. Eine Prognose zur Entwicklung wagt Bucherer jedoch nicht. Er sagt: «Die Hoffnung – auch des Gesetzgebers – ist, dass die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte abnimmt.»

«Stellenbesetzung wird komplizierter»

Die Zahl der Schweizer Arbeitskräfte in der Gastrobranche werde sich wohl auch mit dem Inländervorrang light wenig ändern, sagt Ruedi Stöckli, Präsident des Verbands Gastro Luzern und SVP-Kantonsrat. «Es ist seit eh und je schwierig, Schweizer Arbeitskräfte zu finden.» Dies dürfte selbst dann gleich bleiben, wenn offene Stellen künftig dem Kanton gemeldet werden müssen. «Der Inländervorrang macht die Stellenbesetzung einfach komplizierter», sagt Stöckli. Im Service finde man am ehesten Schweizer. Schwierig sei es hingegen, Reinigungskräfte und Köche zu rekrutieren. In der Küche würden heute viele Personen aus Deutschland, Tschechien und Ungarn arbeiten. Stöckli zweifelt daran, dass die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren genügend geeignete Kandidaten vorschlagen können. «Ich hoffe, dass bei den RAV kompetente Leute arbeiten und auch Kleinbetriebe berücksichtigt werden.»

Informatikbranche wächst rasant

Auch in der Informatik ist die Zahl der ausländischen Kurzzeitarbeiter hoch. Überraschend hoch, denkt man dabei doch in erster Linie an saisonale Arbeiter auf dem Bau oder in der Landwirtschaft. «Die Informatik ist eine boomende Sparte mit einem hohen Wachstum», sagt Bucherer. Die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften sei deutlich grösser als die Zahl der Informatiker in der Schweiz. Zudem leide die Branche unter der «enorm strikten Kontingentierung von Fachkräften aus Drittstaaten», sagt IT-Unternehmer und SVP-Nationalrat Franz Grüter (Eich). Deshalb würden vermehrt Spezialisten für zeitlich befristete Projekte aus dem Ausland geholt.

Gegen den Fachkräftemangel werden Massnahmen ergriffen, Bucherer erwähnt etwa den Ausbau des Informatik-Departements der Hochschule Luzern. 522 Personen haben 2016 an der Hochschule Informatik studiert. Derzeit wird in Rotkreuz ein Neubau erstellt, dieser soll im Herbst 2019 bezugsbereit sein. Die Hochschule beabsichtigt, dass künftig 800 bis 1000 Personen ihren Bachelor- oder Masterstudiengang in Informatik abschliessen können.

Hinweis

Der gesamte Bericht «Arbeitsbedingungen im Kanton Luzern 2017».

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