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Rollentausch zeigt Schwierigkeiten der Arbeitslosenvermittlung auf

Wer keine Bewerbung schreiben kann, dem hilft das Schweizerische Arbeiterhilfswerk in Sursee und Luzern. Wie schwer die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen sein kann, haben nun Personalprofis erfahren, die es sonst mit Managern zu tun haben.
Niels Jost
Personalexpertin Ornella Sassano berät im Projekt «Sesseltausch» eine arbeitslose Person. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 30. November 2017)

Personalexpertin Ornella Sassano berät im Projekt «Sesseltausch» eine arbeitslose Person. (Bild: Pius Amrein, Sursee, 30. November 2017)

Die Beratung ist von kurzer Dauer. 15 Minuten, um genau zu sein. Dann müssen die Arbeitslosen – im besten Fall – mit maximal fünf fixfertigen Bewerbungsschreiben aus dem Infozentrum in Sursee laufen. 10 bis 15 Personen erhalten hier täglich Hilfe beim Schreiben ihrer Bewerbung oder ihres Lebenslaufes. Dabei brauchen die Arbeitslosen Unterstützung – sei es wegen fehlender Deutschkenntnisse oder weil sie wenig Computerkenntnisse oder keinen Zugang zu einem PC haben.

Manche kämen nur einmal, andere über Jahre immer wieder, sagt Monika Staubli, Leiterin Bildung beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk (SAH) Zentralschweiz. Einen stereotypen Ar­beitslosen gebe es bei ihnen nicht, so Staubli. «Zu uns kommen Junge wie Ältere, mit allen möglichen Nationalitäten.» Ei­nes haben sie jedoch gemeinsam: Sie brauchen eine Zulassung eines Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) des Kantons Luzern, der IV-Stelle Luzern oder des Sozialdienstes einer Gemeinde. Erst dann dürfen sie in die kostenlose Beratung des SAH Zentralschweiz. «Die meisten sind sehr dankbar dafür», sagt Monika Staubli.

Rollentausch zeigt Schwierigkeiten auf

Mit welchen Schwierigkeiten die Vermittlung der teils Langzeitarbeitslosen verbunden ist, haben nun drei Personalprofis bekannter Zentralschweizer Unternehmen erfahren. Im Projekt «Sesseltausch», welches das SAH Zentralschweiz anlässlich seines 25-Jahr-Jubiläums zum ersten Mal durchgeführt hat, schlüpften sie in die Rolle der SAH-Berater. Für einmal hatten es die Personalrekrutierer nicht mit Managern, sondern mit Hilfsarbeitern oder Saisonniers zu tun. «Die kurze Beratungszeit von 15 Minuten lässt keinen Spielraum, um auf die Personen einzugehen. Das bin ich nicht gewohnt», sagte etwa Ornella Sassano. Sie wirbt eigentlich für die Hostettler Group in Sursee potenzielle Mitarbeiter an – vom Chauffeur bis zum Kadermitglied. «Es war sehr stressig», bilanziert Sassano.

«Wir arbeiten im Akkord»

Schwierigkeiten hatte Ornella Sassano auch damit, dass sie die arbeitslosen Personen nicht kannte und sich nicht auf deren individuellen Situationen einarbeiten konnte. «Alles läuft hier im Akkord», sagt denn auch Monika Staubli, Leiterin Bildung beim SAH. Sonst komme man der Nachfrage nicht nach. Deshalb seien die Arbeitslosen auch verpflichtet, ein Stelleninserat oder zumindest die Adresse eines potenziellen Arbeitgebers ans Gespräch mitzunehmen. «Unsere Besucher lernen somit, Eigenverantwortung für ihre Situation zu übernehmen.»

Eine Eigenschaft, welche man oftmals verliere, je länger man auf der Suche nach einer Stelle ist, weiss Monika Staubli. «Hinzu kommen teils indivi­duelle Probleme, wie fehlende Tagesstrukturen, Einsamkeit oder fehlendes Selbstbewusstsein. Den Frust bekommen auch wir manchmal zu spüren.» Die grosse Mehrheit sei aber einfach nur froh, wenn ihnen geholfen wird, eine Stelle zu finden – ob von einem HR-Profi oder nicht, spiele weniger eine Rolle.

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