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Arbeitszeiten steigen weiter - die Gewerkschaften sind besorgt

Neue Zahlen zeigen: Seit dem Jahr 2010 hat sich die Arbeitszeit der Luzerner mit Vollzeit-Pensum um rund 20 Minuten pro Woche auf 42,3 Stunden erhöht. Während die Arbeitgeber auf die schwierige Wirtschaftslage verweisen, kritisieren die Gewerkschaften die Profitgier.
Roger Rüegger
Eine elektronische Stempeluhr (Bild KEYSTONE/Gaetan Bally)

Eine elektronische Stempeluhr (Bild KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die Arbeitszeit bei Arbeitnehmern im Vollzeitpensum ist im Kanton Luzern seit 2010 bis und mit 2017 von 42 auf 42,3 Stunden pro Woche gestiegen. Wie «Lustat Statistik Luzern» am Donnerstag mitteilt, arbeiteten im Jahr 2017 rund 43 Prozent der Arbeitnehmer zwischen 42 und 43 Stunden.

Diese Entwicklung beobachtet der Luzerner Gewerkschaftsbund (LGB) mit Sorge. Geschäftsleiter Marcel Budmiger: «Während früher die steigende Arbeitsproduktivität in Form von kürzeren Arbeitszeiten an die Arbeitnehmer weitergegeben wurde, fliessen die Produktivitätsgewinne nun offensichtlich in die Taschen der Arbeitgeber.» Die Gesundheit der Mitarbeitenden scheine oft nur zweitrangig zu sein. Mitschuld trage auch der Kanton, der dem Staatspersonal längere Arbeitszeiten zu gleichem Lohn verordnet habe. «Die negativen Folgen der längeren Arbeitszeiten trägt die Gesellschaft», sagt Budmiger. Stress-Erkrankungen, Burnouts oder Herzinfarkte sowie die mangelhafte Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien die Folge. Und er fordert: «Überzeiten müssen wieder die Ausnahme werden und nicht die ungesunde Regel. Zudem sind zufriedene Mitarbeitende produktiver.»

Die Arbeitgeber führen andere Argumente ins Feld. So erklärt Gaudenz Zemp, Direktor des Gewerbeverbands des Kantons Luzern: «Wir dürfen nicht vergessen, dass die Schweizer Wirtschaft nach 2010 mit den Folgen des starken Frankens zu kämpfen hatte. Das führte dazu, dass Firmen aufgrund der erschwerten Wettbewerbssituation teilweise die Arbeitszeit erhöhten.»

Luzerner sind unter den Fleissigsten

Ein Blick in die neue Statistik zeigt: Luzernerinnen und Luzerner gehören zu den fleissigsten Arbeitnehmern. 2016 lag die durchschnittliche Arbeitszeit im Kanton Luzern bei 42 Stunden, gleich viel wie im Kanton St. Gallen. Nur in den Kantonen Graubünden (42,3 Stunden) und im Wallis (42,1 Stunden) wurde länger gearbeitet. In Obwalden, Nidwalden und Schwyz dauert die Arbeitszeit durchschnittlich 41,9 Stunden pro Woche, die Urner kommen auf 41,8 Stunden und in Zug geht man nach 41,5 Stunden ins Wochenende. Mit 40,9 Stunden lassen es die Genfer am lockersten angehen.

Durch die längeren Arbeitszeiten hat auch die Dauer der bezahlten Ferien zugenommen. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass der Anteil der über 50-jährigen Arbeitnehmer, die in vielen Betrieben eine zusätzliche Woche Ferien bekommen, von 26 auf 32 Prozent angestiegen ist. «Auch entscheiden sich viele Arbeitnehmer für längere Arbeitszeiten und kompensieren diese Überzeit als Ferien», sagt Barbara Rohner, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Lustat, auf Anfrage. In der Statistik der Zeiterfassung von Lustat sind Berufsleute im Bereich Erziehung und Unterricht nicht enthalten.

Zahl der Arbeitnehmerinnen steigt stark

Nicht nur Arbeitsstunden, auch die Arbeitskräfte haben im Kanton Luzern zugenommen. Gemäss dem Bundesamt für Statistik ist die Zahl der Arbeitnehmer ab 2010 bis und mit 2017 von 170'000 auf 190'000 gestiegen. Dabei hat sich der Anteil der Frauen markant erhöht. Von den 20'000 zusätzlichen Arbeitnehmenden sind 15'000 weiblich. Laut Rohner ist der Anstieg auf den hohen Anteil an Teilzeitarbeitnehmerinnen zurückzuführen.

Diese Entwicklung freut Gewerbeverbandsdirektor Zemp: «Es ist sicher förderlich, dass immer mehr Arbeitgeber Teilzeitpensen ermöglichen. Letztlich kommt dazu, dass wir gerade im Gesundheits- und Bildungswesen ein kräftiges Stellenwachstum sehen. Beide ziehen überdurchschnittlich weibliche Arbeitskräfte an.»

Besonders im Gesundheitsbereich herrscht aber ein ständiger Fachkräftemangel. Dieser beruht laut LGB auch auf den unattraktiven Arbeitsbedingungen. «Dies belegt die hohe Berufsausstiegsquote. Kürzere Arbeitszeiten wären gesünder für das Personal und in der Folge auch für die Patienten», so Budmiger.

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